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Zogen in Notzing Bilanz übers Erntejahr (v. l.): BBV-Kreisobmann Jakob Maier, Landwirt Georg Eschbaumer mit Hofhund Lilly, Kreisbäuerin Irmgard Posch, Anton Mitterer und Otto Roski vom Landwirtschaftsamt, 2. Kreisbäuerin Lore Hermannsdorfer, 2. BB V-Obmann Michael Hamburger sowie Renate und Georg Eschbaumer.

Dumping im Supermarkt trübt Aussicht der Landwirte auf ertragreiche Ernte

BBV: Mindestpreise für Lebensmittel

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
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Die knapp 2000 landwirtschaftlichen Betriebe im Landkreis rechnen heuer trotz trockenen Frühlings, späten Frosts und stürmischen Frühsommers mit einer guten Ernte. Nach dem Corona-Lockdown hofft der Nährstand, dass die Liebe der Verbraucher zu regionalen Lebensmitteln nicht gleich wieder erkaltet. Und Ministerpräsident Markus Söder nehmen sie beim Wort, dass er gegen eine Agrar-Industrie sei. Mindestpreise könnten ein Weg dorthin sein.

Notzing – Bei der alljährlichen Erntefahrt zogen der Bayerische Bauernverband (BBV) und das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) auf dem Hof der Familie Eschbaumer in Notzing eine erste Bilanz des Erntejahres. Im Moment sieht es nach den Worten von BBV-Kreisobmann Jakob Maier recht gut aus. Allerdings seien durch die Corona-Krise Märkte zusammengebrochen, etwa der für (Pommes-) Kartoffeln.

„Wir spüren Klimawandel deutlich“

Anton Mitterer vom AELF berichtete: „Wir spüren den Klimawandel deutlich.“ Im Mittel sei es seit Oktober erneut zu trocken gewesen. „Wenn, dann regnet es stark und lokal begrenzt. Der lange Landregen fehlt.“ In dieser Phase seien 100 Liter pro Quadratmeter zu wenig gefallen. Auf Schotterböden müssten Felder bewässert werden. Von Oktober bis Februar war es laut Mitterer zu warm, dafür habe es im April noch einmal scharfen Frost gegeben. Immerhin hätten die ergiebigen Niederschläge im Juni die Speicher ein wenig gefüllt. Dennoch sprach er von „guten Beständen“. Erding sei ein „gesegnetes Land“.

Der Mais, ein wichtiger CO2-Speicher, wächst seinen Angaben jetzt sehr schnell. Die erste Wintergerste sei gedroschen. „Wir erwarten wie beim Weizen und beim Grünland gute Erträge.“ Dagegen habe der Raps wegen Frostschäden zu kämpfen.

Pflanzenschutzmittel verboten: Schädlingsdruck steigt

Kritisch merkte Mitterer an, dass das Artenschutz-Volksbegehren bereits eine (unerwünschte) Wirkung zeige. „Der Pflanzenschutzmitteleintrag wurde stark reglementiert. Jetzt bemerken wir einen hohen Schädlingsdruck.“ BBV-Vize Michael Hamburger klagte, dass nur noch wenige Mittel erlaubt und deswegen bereits Resistenzen zu beobachten seien. Das sei einer der Gründe für den rückläufigen Rapsanbau.

Massive Einbrüche bei Kartoffeln

Notzings BBV-Ortsobmann Georg Eschbaumer berichtete von „massiven Einbrüchen“ auf dem Kartoffelmarkt. Durch die Schließung der Gastronomie sei der Absatz stark abgesackt. Die Verwerter müssten erst die alte Ernte verarbeiten. Ende Juli würden dann die Kartoffeln aus diesem Jahr angenommen. Eschbaumer befürchtet, dass das „massiv auf die Preise drücken wird“.

Maier ist erfreut, dass die Konsumenten während der Pandemie die Erzeugnisse von nebenan zu schätzen gelernt hätten. Fraglich sei, ob die Nachfrage nach regionaler Ware und die neue Beliebtheit von Bauern- und Wochenmärkten anhalte. „So können wir natürlich keine Stadtbevölkerung ernähren, aber wenn der Preiskampf nachließe, wäre uns schon sehr geholfen.“ Maier spricht sich für gesetzlich festgelegte Mindestpreise aus.

In der Flughafenregion geht der Agrarwindel schneller

In der Gemeinde Oberding lässt sich laut Eschbaumer und Maier der beschleunigte landwirtschaftliche Wandel gut beobachten. Eschbaumer selbst hat, wie viele seiner Kollegen hier, die Tierhaltung aufgegeben und baut unter anderem Kartoffeln, Salat, Rote Beete, Getreide und Mais an. Die Produkte verkauft er im eigenen Hofladen oder auf dem Vaterstettener Wochenmarkt. Der Flughafen bietet viele Arbeitsplätze, etwa im Winterdienst – für immer mehr Bauern eine Alternative beziehungsweise wichtiger Nebenverdienst.

Stark im Kommen sind im Landkreis Eiweißpflanzen wie Soja- und Ackerbohne als Futtermittel.

ham

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