Sind die Klassenzimmer zu trist? Letztlich konnte der Architekt die Gemeinderäte überzeugen.
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Sind die Klassenzimmer zu trist? Letztlich konnte der Architekt die Gemeinderäte überzeugen.
Die Außenansicht des aus vier Trakten bestehenden Gebäudes. Es ziert eine Holzfassade.
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Die Außenansicht des aus vier Trakten bestehenden Gebäudes. Es ziert eine Holzfassade.
Gelb gehalten ist die Mensa-Ausgabe.
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Gelb gehalten ist die Mensa-Ausgabe.
Der Flur mit Garderoben in den Klassenzimmertrakten.
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Der Flur mit Garderoben in den Klassenzimmertrakten.

Eifrige Debatte 

So sieht Oberdings neue Schule aus

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In der Oberdinger Gemeinderatssitzung am Dienstagabend ging es um die Bemusterung der künftigen Grund- und Mittelschule und dabei vor allem um die Frage, ob man denn die grau-gelbe Farbgebung, die der Münchner Architekt Arthur Schankula vorgestellt hatte, wirklich umsetzen will.

Oberding – Über Geschmack lässt sich nicht streiten, oder? Jedenfalls lässt es sich fleißig diskutieren, wie das der Oberdinger Gemeinderat in seiner Sitzung am Dienstagabend knapp zwei Stunden lang getan hat. Es ging um die Bemusterung der künftigen Grund- und Mittelschule und dabei vor allem um die Frage, ob man denn die grau-gelbe Farbgebung, die der Münchner Architekt Arthur Schankula vorgestellt hatte, wirklich umsetzen will. Zu trist, zu schwieriges Gelb? Am Ende sollte sich Schankula jedenfalls durchgesetzt haben. Zuvor hatten die Gemeinderäte bereits die ausgesprochen teure Bühnentechnik beraten.

„Die ersten Holzwände stehen schon“, berichtete der Architekt. Die Arbeiten hätten am Dienstagmorgen begonnen. Man sei im Zeitplan. Die Holzfassade der 25-Millionen-Schule hatte die Räte bekanntlich in mehreren Sitzungen beschäftigt. Nun lag die Konzentration auf dem Innenbereich. Schankula sprach von vier Gebäudetrakten, drei davon seien sich ähnlich. Beim vierten handelt es sich um den Eingangsbereich, unter anderem mit Aula, Mensa, Bühne und Mehrzweckraum.

Zu den rund 20 Klassenzimmern berichtete Schankula, dass diese mit Akustikdecken inklusive spezieller Akustikwolle ausgestattet sind. „Sprechen im Zimmer ist das A und O“, sagte er. Die Innenwände haben Gipsoberflächen, der Boden einen pflegeleichten Kautschukbelag. Die Wände und Decke weiß, der Boden grau, die Möbel auch in neutraler Farbe: Das sei doch eher trist, meinte Franz Schweiger. „Die Farbe kommt durch die Kinder rein“, meinte Schankula dazu. Außerdem würden die Wände ja farbenfroh mit Plakaten und Ähnlichem behängt. Es sei heutzutage nicht mehr so, dass ein Schulhaus bunt sein müsse, die jungen Menschen würden vielmehr für Leben sorgen. Schankulas Fazit deshalb: „Wir halten uns von der Oberfläche her zurück.“

Auch die Garderoben aus Eiche auf den Fluren sind eher schlicht gehalten. Die würden durch die Kleidung schließlich bunt, so der Gedanke des Architekten. Die Fichtenwände auf den Gängen seien durch ihre Maserung nicht zu anfällig. Zum Reparieren müssten sie geschliffen werden, so Schankula auf Nachfrage von Anton Sepp. Ähnlich sehe der Lehrertrakt im Geschoss darüber aus, dort seien aber statt der Garderoben Schaukästen aus Eiche vorgesehen.

Für Diskussionsstoff sorgte die gelb-graue Farbgebung im Aula-Bereich, in den Treppenhäusern, die die vier Gebäudetrakte miteinander verbinden, und im Toilettenbereich. Das Gelb sei eine „schwierige Farbe“, befand etwa Franziska Meier. „Das ist auch nicht meine Farbe“, gab Schankula zu. Das für ihn „frische Gelb“ passe aber zu den Möbeln und den neutralen Wänden. Und es komme am besten durch die Fassade hindurch im Innenhof zur Geltung.

Rektor Johann Deschu und Konrektorin Dagmar Burger waren zu Gast in der Sitzung und durften per einstimmigem Beschluss auf Vorschlag von Bürgermeister Bernhard Mücke mitdiskutieren. Deschu erklärte den Grundgedanken hinter dem neuen Gebäude: Es sei von Anfang an klar gewesen, dass es aus Holz sein müsse. Im Werkunterricht werde an der Schule nämlich viel mit Holz gearbeitet. „Wir dachten, dass sich das Gelb gut mit dem Grau ergänzt“, sagte Deschu zudem. Es werde nie eine Lösung geben, die allen gefalle, „nichts, das pauschal passt“. Einig war man sich schnell, dass die Treppen im Treppenhaus grau und nicht gelb sein müssen. Das Gelb sei dort „schnell nicht mehr schön“.

Im Aula-Bereich ist ein Eichenboden vorgesehen. „Wenn da wer Tomatensoße ausschüttet“, meinte Schweiger, dann werde das der Boden aber aufsaugen. Schankula gab ihm Recht und meinte, dass man dort versiegeln müsse. Sein Vorschlag, die Mensa-Tische aus Eiche massiv zu gestalten, brachte Bürgermeister Mücke auf. Die würden schon nach zwei Tagen nicht mehr schön ausschauen. „Die Schule ist ein Gebrauchsgegenstand“, meinte Mücke, der von der langen Debatte sichtlich wenig begeistert war. Mücke war etwas angesäuert, er habe Schankula doch schon einmal auf die Tisch-Problematik hingewiesen. Da müsse man sich falsch verstanden haben, sagte Schankula dazu.

Gemeinderat Anton Huber meinte, dass man in Sachen Gestaltung auf diejenigen hören sollte, die tagtäglich in der Schule seien.

„Will der Gemeinderat so ins Detail gehen?“, fragte Mücke, der zweimal abstimmen ließ. Mit 9:7 Stimmen entschied sich das Gremium für Holzwolleplatten im Treppenhaus. Das Gesamtkonzept, also auch die grau-gelbe Farbgebung, ging am Ende sogar einstimmig durch.

Zu Beginn hatten die Räte die hochmoderne Bühnentechnik bei einer Gegenstimme von Matthias Reitinger abgesegnet. Das Gremium entschied sich letztlich für die teuerste Variante, die sich laut Mücke auf rund 115 000 Euro brutto belaufen wird. Die fest installierte Technik inklusive Mischpult, Verstärker, Traverse, Projektor, Videozentrale, Funkmikro und sechs Lautsprechern ist zwei Vertretern des Ingenieurbüros IBM zufolge recht nutzerfreundlich und verhindert Rückkopplungen. Man habe auf namhafte Hersteller wie Sennheiser und Bose gesetzt, so die Architekten.

Ursprünglich war die Rede von 34 000 Euro gewesen. Vor allem zu recht teuren Einzelposten gab es Kritik. „Das ist Wahnsinn“, meinte etwa Rainer Hellinger. Letztlich fiel aber auch sein Votum für die qualitativ hochwertige Einrichtung für die Schulfamilie aus. Wolfgang Hirner drückte es so aus: „Es gibt nichts Schlimmeres, als wenn ich nichts höre oder sehe.“ " Kommentar

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