Besuch bei Freunden (v. l.): Pfarrer Jesudason, die Vereinsmitglieder Ingrid und Andreas Biller sowie Pfarrer Jeremias vor Ort in Indien.
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Besuch bei Freunden (v. l.): Pfarrer Jesudason, die Vereinsmitglieder Ingrid und Andreas Biller sowie Pfarrer Jeremias vor Ort in Indien.

Aufkirchener Indienhilfe hat 2020 den Bau von zehn Häusern ermöglicht – und noch viel mehr

Endlich ein Dach über dem Kopf

  • Markus Schwarzkugler
    vonMarkus Schwarzkugler
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Ein Haus für 4000 Euro? Was in unseren Breitengraden geradezu utopisch oder nach einer arg schäbigen Baracke klingt, ist für arme Menschen in Indien ein Segen. Eine Lebensgrundlage, die längst nicht jeder hat.

Aufkirchen – Ein Haus für 4000 Euro? Was in unseren Breitengraden geradezu utopisch oder nach einer arg schäbigen Baracke klingt, ist für arme Menschen in Indien ein Segen. Eine Lebensgrundlage, die längst nicht jeder hat. Bei den zehn Häusern, die im vergangenen Jahr errichtet wurden und die der Verein „Kinderpatenschaften Südindien“ aus Aufkirchen mit seinen fleißigen Paten und Spendern überhaupt erst ermöglicht hat, handelt es sich um solide Gebäude, die den Menschen ein festes Dach über dem Kopf bieten. Und sogar sanitäre Anlagen, die alles andere als eine Selbstverständlichkeit sind.

„Zudem stehen die Häuser höher, auf Podesten, damit kein Ungeziefer hinein kommt“, berichtet Wolfgang Thomas, der Schriftführer des Aufkirchener Vereins ist. „Die Kosten von rund 4000 Euro klingen wenig in unseren Ohren, sind aber für die dortigen Familien unerreichbar“, so der Oberdinger.

Allein die materielle Bilanz der Hilfe liest sich beeindruckend: Zu den zehn Häusern kamen im vergangenen Jahr beispielsweise etliche Nähmaschinen oder mehrere Ziegen. Vor dem Hintergrund der Pandemie hatte der Verein zudem im vergangenen Sommer zu einer Solidaritätsspendenaktion aufgerufen, bei der 15 000 Euro zusammenkamen. Der Hilferuf von Pfarrer Jeremias stieß bei den Paten und Freunden des gemeinnützigen Vereins auf große Resonanz (wir berichteten). Der indische Pfarrer, der vergangenes Jahr 70 geworden ist, hilft den Oberdingern vor Ort als Ansprechpartner und Betreuer. Er ist ein Kollege von Pfarrer Jesudason, der früher Seelsorger in Aufkirchen war und 2003 in seine Heimat zurückkehrte. Der über 80-Jährige ist inzwischen im Ruhestand.

Ein Haus für 4000 Euro: eines der zehn Häuser, deren Bau der Verein mit seinen Geldern ermöglicht hat. An der Wand hängt ein Taferl, das auf den Sponsor hinweist.

Die Hilfe aus Aufkirchen konzentriert sich auf die Diözese Kottar im südindischen Bundesstaat Tamil Nadu, der alleine weit über 70 Millionen Einwohner zählt. Wegen der Corona-Pandemie brach vielen Familien in der Diözese das Einkommen weg. „Die Männer konnten nur sehr eingeschränkt oder gar nicht zum Fischen ausfahren, und für die vielen Tagelöhner gab es kaum noch Arbeit. Die Armut und die Ernährungssituation verschärften sich“, berichtet Thomas.

Corona verhinderte 2020 außerdem den jährlichen persönlichen Austausch mit Pfarrer Jeremias, der nicht wie sonst im Bürgerhaus Notzing stattfinden konnte. „Die Spendenbereitschaft war und ist dennoch ungebrochen“, stellt der Rentner, der früher im Erdinger Landratsamt gearbeitet hat, zufrieden fest.

Mit den Geldern wird vor Ort neben der Nahrungsmittelhilfe auch Hilfe zur Selbsthilfe organisiert. Dahingehend sind die Nähmaschinen und Ziegen wichtig. Die Patenkinder vor Ort bekommen zweimal jährlich finanzielle Unterstützung. Die Gelder sind zweckgebunden, und es gibt sie nur gegen einen Nachweis, dass die Kinder auch wirklich die Schule besuchen.

Hilfe zur Selbsthilfe: Die gespendeten Ziegen sind ein Segen für die arme Bevölkerung.

„Wir bekommen auch viele zweckgebundene Spenden“, berichtet Thomas. So sei es schon vorgekommen, dass etwa eine Firma die Finanzierung eines kompletten Hauses übernommen habe. Neben den Eingangstüren hängen Taferl, auf denen der Name der Spender zu lesen ist.

Der Kinderpatenschaften Südindien e. V. wurde im Jahr 2013 gegründet. Zuvor war der Pfarrverband Aufkirchen lange für die Patenschaften zuständig gewesen. Nach einer Revision war dieser allerdings nicht mehr verantwortlich, weshalb es zur Vereinsgründung kam.

Der Verein betreut rund 200 Paten, die rund 300 Patenkinder ab dem zehnten Lebensjahr zu einem menschenwürdigen Einkommen in ihrem späteren Leben verhelfen. Der Großteil der Paten kommt aus der Gemeinde Oberding und dem Landkreis Erding.

Für 120 Euro im Jahr werden insbesondere die Schulausbildung und damit auch ein tägliches warmes Essen finanziert. Vorsitzende Monika Dirsch betont, „dass jeder Euro auch zu 100 Prozent in Indien ankommt und dort ebenfalls zu 100 Prozent zweckgebunden verwendet wird“. Die Kontrolle in Indien obliegt einem von der Diözese kontrollierten Verein.

Die Verwaltungskosten des Aufkirchener Vereins werden über Mitgliedsbeiträge und Zuschüsse der Gemeinde getragen. Mehrere Mitglieder, darunter 2. Vorsitzender Andreas Biller, waren – auf eigene Kosten – schon vor Ort und haben sich von der sachgerechten Verwendung der Patenschafts- und Spendengelder überzeugt.

Kontakt

Wer spenden oder eine Patenschaft übernehmen will, kann sich im Internet auf www.kinderpatenschaften-suedindien.de oder bei Monika Dirsch, Tel. (0 81 22) 5 45 65, E-Mail an monika. dirsch@mail-dir.de, informieren. Spendenkonto bei der Sparkasse Erding-Dorfen, IBAN: DE11 7005 1995 0020 2640 16. Spendenquittungen können ausgestellt werden.

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