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Parteiengezänk vor versammelten Landwirten

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Einen Geschenkkorb erhielt Grünen-Fraktionschef Ludwig Hartmann (r.) von BBV-Kreisobmann Jakob Maier und Kreisbäuerin Irmgard Posch. © Klaus Kuhn

 Ist es Mut oder es die Lust am Untergang, als Grüner Fraktionschef im Landtag zum Kreisbauerntag zu kommen? Ludwig Hartmann jedenfalls traute sich in die Höhle des Löwen – und die stand in Oberding.

Erding - „Wir müssen mehr miteinander reden“, war eine von Hartmanns vielen Botschaften. Ob sie angekommen ist, muss sich noch zeigen. BBV-Kreisobmann Jakob Maier hatte einen Spannungsbogen aufgebaut: Grußworte von Ulrike Scharf und Martin Bayerstorfer, vom neuen Bezirkspräsidenten Ralf Huber und Bürgermeister Bernhard Mücke vor dem Hauptredner. Scharf und Bayerstorfer konnten es natürlich nicht bei Grußworten belassen, sondern gingen zum Angriff über, versuchten erkennbar, den Hauptredner zu dominieren. Das Thema „Wie viel Grün verträgt die Landwirtschaft?“ war plötzlich nicht mehr so wichtig, keiner der Redner ging mehr explizit darauf ein.

Scharf erinnerte an die Isolation des Bundeslandwirtschaftsministers in Brüssel mit seiner Weigerung, Stilllegungsflächen für die Produktion von Lebens- und Futtermitteln frei zu geben, obwohl man damit drei Millionen Menschen hätte ernähren können, sprach von einer „ideologischen Haltung“.

Bayerstorfer legte nach: „moralisch unvertretbar.“ Er verstieg sich sogar zu der Bewertung, man habe ein Bundeslandwirtschaftsministerium, „das keine Landwirtschaft mehr haben will.“

Mücke wie auch Huber vermissten die Planungssicherheit für die Landwirte. Dass in Spanien Schweinehaltung zunehme, während in Bayern die Betriebe aufgeben, dann aber in den Supermärkten das billige Schweinefleisch aus Spanien liege, „das geht halt nicht, was da abgeht“, so Huber.

Und in einer solch gezielt aufgeheizten Stimmung sollte nun der Grüne Hartmann reden. Er versuchte einen Gegenangriff, sah die Ursache für die aktuelle Agrarstruktur in den Fehlern der Vergangenheit, einer Ideologie „Wachsen oder weichen“, die nun mal von der CSU gefördert worden sei. Das Höfesterben habe vor allem hier seine Ursache. „Wir brauchen neue Wege, wir brauchen mehr Direktvermarktung, kleinere Strukturen.“

Er gab aber auch zu: „Das Volksbegehren Rettet die Bienen“ hab das Fass bei den Bauern zum Überlaufen gebracht. So ehrlich müssen wir sein. Alle redeten von der Förderung regionaler Produkte, in den Ausschreibungen von Behörden aber komme das dann doch nicht vor: „Jeder Minister schreibt einen bayerischen Dienstwagen aus, beim Catering geht das mit der Regionalität angeblich nicht.“

Als er versuchte, die Flächenstilllegungen zu verteidige, erntete er Pfiffe aus dem hinteren Teil des Festzeltes, der Geräuschpegel stieg spürbar weiter. Erst beim Flächenverbrauch konnte er auch stärkeren Beifall für sich verbuchen: Ihm gelang der Nachweis, dass die CSU-geführte Staatsregierung hinter ihren eigenen Zielen weit zurückgeblieben sei: „Drei Jahre in Folge steigt der Flächenverbrauch weiter an, allen Ankündigungen der Staatsregierung zum Trotz.“ Der Flächenverbrauch für Siedlungs- und Verkehrsflächen steige doppelt so schnell wie die Bevölkerung. „Da läuft doch was falsch.“

Wenigstens einer wollte gegen Schluss den Gesprächsfaden nicht abreißen lassen: Jakob Maier merkte wohl, dass das hier nicht ganz gelungen war. Er verteidigte noch einmal die Einladung an den Grünen: „Sie schaffen in Berlin an, das ist nun mal so.“ Das hatte er übrigens schon in Berglern und anderswo auf Versammlungen so gesagt. Er schlug vor, eine Kreisversammlung in einem Wirtshaus zu machen, wo die Fragen dann von den Landwirten kämen. Er erkannte, was wohl auch der Gast gemerkt hatte: „Das war eine schwierige Veranstaltung.“

klk

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