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Exzellentes Englisch-Ergebnis

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Von: Markus Schwarzkugler

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Urkunde für das perfekte Ergebnis: Fabian Thaler mit Ministerialbeauftragtem Wilhelm Kürzeder (r.) und Realschulleiter Martin Heilmaier.
Urkunde für das perfekte Ergebnis: Fabian Thaler mit Ministerialbeauftragtem Wilhelm Kürzeder (r.) und Realschulleiter Martin Heilmaier. © Schule

Wenn man sich mit Fabian Thaler unterhält, kann man kaum glauben, dass er erst 15 Jahre alt ist. Er wirkt nicht nur sehr reif, er hat auch bereits ganz genau im Sinn, wie seine Zukunft aussehen soll. Das ist umso bemerkenswerter, weil hinter dem jungen Eittinger eine tragische Familiengeschichte steht.

Oberding - Kürzlich hat der Schüler der Klasse 10a an der Realschule Oberding eine Auszeichnung des Bayerischen Kultusministeriums erhalten: Das Sprachzertifikat der Cambridge-Prüfungen hat er mit voller Punktzahl abgeschlossen, im vergangenen Schuljahr ist das bayernweit nur vier Realschülern gelungen – bei 2300 Teilnehmern.

Es gibt Studien, die besagen, dass Hörer von Metal-Musik überdurchschnittlich intelligent sind. Bei Fabian Thaler, der neben Klassik vor allem Death Metal liebt und selbst Akustik- sowie E-Gitarre spielt, stimmt das jedenfalls: Die neunte Klasse hat er mit einem Gesamtschnitt von 1,0 abgeschlossen.

Aber Death Metal, der meist auf Englisch intoniert wird, mal beiseite gelegt: Wie schafft man als 15-jähriger Realschüler eine volle Punktzahl auf dem Sprachniveau B2? „Ich kann mir Vokabeln relativ gut merken, habe generell einen großen Wortschatz“, meint Thaler, der auf seine Erziehung verweist. Ohne dass seine Eltern einen entsprechenden englischsprachigen Hintergrund hätten, haben sie ihn nämlich zweisprachig aufgezogen. „Meine Mutter hat mit mir immer Englisch gesprochen, mein Vater Deutsch“, berichtet der Eittinger, der dann auf eine tragische Geschichte zu sprechen kommt: Sein Vater ist gestorben, als der Sohn gerade mal acht Jahre alt war.

Thaler ist Einzelkind und sagt von sich, dass er durch diesen Schicksalsschlag wohl eine verkürzte Kindheit gehabt habe, dadurch vielleicht reifer sei als andere Mitschüler. „Das hat mich schon gestählt“, findet er, zumal es nach dem Tod seines Vaters weitere Todesfälle in der Familie gegeben habe.

Wenn man Thaler zuhört, fragt man sich automatisch, warum dieser beeindruckende junge Mann nicht aufs Gymnasium geht. „Ich wollte Stress vermeiden“, erklärt er. Er wolle nicht für acht Fächer gleichzeitig lernen. „Ich muss zugeben, dass ich mir den Druck nicht mache“, sagt Thaler. Er lerne zwar für jedes Fach, jedoch nicht im Übermaß. „Aber am Ende schreibe ich immer eine Eins – ich hoffe, dass das jetzt nicht zu eingebildet klingt“, meint er schmunzelnd. Dass er reifer sei als andere, damit komme vielleicht der eine oder andere Mitschüler schlechter klar, vermutet Thaler. Er habe jedoch viele Freunde an der Schule.

Wie es für ihn weitergeht nach dem Abschluss im kommenden Jahr, davon hat Thaler eine klare Vorstellung: „Ich will auf die FOS in Erding gehen, die Allgemeine Hochschulreife machen und dann Medizin in Heidelberg oder Jena studieren.“ Danach will Thaler weitere fünf Jahre dranhängen, um Gerichtsmediziner zu werden. Der Eittinger liebt Serien wie „Medical Detectives“ oder „Bones – Die Knochenjägerin“, ist fasziniert davon, wie beispielsweise ein einzelnes Haar einen Täter überführen kann.

Die Serien schaut er wahrscheinlich auf Englisch, was seine starken Leistungen in dem Fach erklären würde? „Nur manchmal“, sagt Thaler. Eigentlich schaue er meist auf Deutsch. „Ich sehe keinen großen Lerneffekt darin, auf Englisch zu schauen“, findet er. Der Realschüler war auch noch nie in England oder den USA, irgendwann will er dort jedoch hinreisen.

Sein Lieblingsfach ist Englisch, auch wenn er es gerne mag, übrigens nicht. Sein Favorit: IT. Bei seinen Hobbys steht neben Death Metal übrigens auch Krafttraining ganz oben, bei einem Personal Trainer in Freising. Er spielt Baseball bei den Schwaig Red Lions, und er gibt an seiner Schule – selbstverständlich – auch Nachhilfe in Englisch, für etwas Geld im Rahmen des Programms „Schüler helfen Schülern“.

Für seine perfekte Leistung beim international anerkannten Preliminary English Test (PET) hat Thaler Besuch an der Schule vom Ministerialbeauftragten Wilhelm Kürzeder bekommen. Er brachte eine Urkunde mit, zudem einen Büchergutschein über 30 Euro mit der Widmung: „Discover the world of English literature“ (Entdecke die Welt der englischen Literatur).

Ob er sich daran hält oder nicht lieber doch zu einem deutschen Schmöker greift? „Ich weiß es noch nicht“, meint Thaler lachend und fügt an, dass es auch ein Buch des deutschen Kriminalbiologen Mark Benecke werden könnte, den er besonders gerne mag. Was wiederum gut zur Gerichtsmedizin passt. Und zu Death Metal.

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