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Landwirtin hat mit Torten-Hofladen Riesenerfolg - Bäcker-Innung reagiert mit Anzeige

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Von: Hans Moritz

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Beliebt weit über Notzing hinaus ist der Kuchen- und Tortenverkauf von Monika Mayr. Weniger begeistert ist die Bäckerinnung. Sie spricht von Wettbewerbsnachteil – und hat die Bäuerin angezeigt.
Beliebt weit über Notzing hinaus ist der Kuchen- und Tortenverkauf von Monika Mayr. Weniger begeistert ist die Bäckerinnung. Sie spricht von Wettbewerbsnachteil – und hat die Bäuerin angezeigt. © Hans Moritz

Regionale Vermarktung mit Erzeugnissen aus der Region steht derzeit hoch im Kurs. Und doch muss eine Landwirtin jetzt 200 Euro Strafe zahlen, weil sie unerlaubt für ihren kleinen Hofladen geworben hat. Dahinter steht die Bäcker-Innung Erding.

Notzing - Monika Mayr ist leidenschaftliche Kuchen- und Tortenbäckerin. Im November 2020 entschloss sich die Ortsbäuerin von Notzing, einen Hofladen zu eröffnen. Seither verkauft sie immer sonntags von 10 bis 14 Uhr ihre Kalorienbömbchen. Damit die Kunden wussten, was es aktuell gibt, gründete die 56-Jährige eine Facebook-Gruppe. „Moni’s Hofhüttn“ zählt derzeit knapp 1000 Follower. Und eben diese Werbung hat der Bäuerin nun jede Menge Ärger eingebracht. Und sogar eine Geldstrafe.

„Moni‘s Hofhüttn“ hat 1000 Follower auf Facebook - jetzt muss Betreiberin Strafe zahlen

„Ich habe auf einmal ein mehrseitiges Schreiben der Wettbewerbszentrale Bayern im Briefkasten gehabt“, erzählt Mayr immer noch verärgert. Ihr wurde angelastet, auf Facebook Werbung zu betreiben. Dabei sei sie keine in der Innung eingetragene Bäcker- oder Konditormeisterin. Deswegen dürfe sie nicht werben. 200 Euro sollte Mayr zahlen – was sie inzwischen mit Wut im Bauch getan hat.

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200 Euro Strafe wegen Facebook-Bilder für Landwirtin

„Ich habe mir über den Bauernverband einen Rechtsbeistand genommen“, erzählt die resolute Notzingerin. Doch die Anwältin habe ihr geraten, die Unterlassungserklärung zu unterschreiben und die 200 Euro zu bezahlen. Verstehen kann es die 56-Jährige immer noch nicht. „Ich habe extra eine Industrieküche im Keller eingerichtet und erfülle alle Auflagen.“ Es sei doch allseits gewünscht, die regionale Vermarktung zu stärken.

Und wie läuft es jetzt ohne die vielen Facebook-Bilder von ihren Torten? „Genauso gut wie vorher“, verrät Mayr mit einem Schmunzeln. „Ich habe meine Stammkunden, und die kommen genauso wie vorher.“ Schade sei halt, dass sie sich vorher nicht informieren könnten, welche Torten in den beiden Kühlschränken stehen. Ausverkauft ist Mayr nach wie vor meist deutlich vor 14 Uhr.

Landwirtin hat als Direktvermarkterin Riesenerfolg - Bäcker-Innung Erding reagiert mit Anzeige

Ihre Leckermäulchen kommen nicht nur aus Notzing. „Ich habe Stammkunden aus dem gesamten westlichen Landkreis Erding und aus dem Freisinger Gäu berichtet sie.“ Sogar eine Familie aus Garmisch-Partenkirchen komme regelmäßig vorbei, wenn sie auf Verwandtschaftsbesuch ist.

Hinter der Anzeige bei der Wettbewerbszentrale steht die Bäcker-Innung Erding. Das gibt Obermeister Franz Gruber aus St. Wolfgang offen zu. „Wir haben den Hinweis eines Kollegen bekommen und sind dem nachgegangen“, erklärt er. Nach der Anzeige habe man den Landesverband eingeschaltet – und so landete der Fall „Moni’s Hofhüttn“ bei der Wettbewerbszentrale.

„Wir haben Meisterzwang“, stellt Gruber klar, nur mit Meisterbrief dürfe man Backwerk herstellen und verkaufen. Doch das war hier ja nicht das Problem. „Bei den Hofläden läuft es über die landwirtschaftliche Schiene, da gelten eigene Regeln“, sagt Gruber, und man merkt, dass ihm das nur begrenzt recht ist. „Die haben schon etliche Privilegien.“

Was die Branche ärgere, seien Sonderrechte. „Wir dürfen sonntags maximal drei Stunden aufsperren, der Hofladen von Frau Mayr ist aber vier Stunden lang auf.“ Ein noch größerer Dorn im Auge seien ihm die Tankstellen. „Die verkaufen aufgebackene Produkte rund um die Uhr, weil das als Reisebedarf deklariert ist.“ Das sei für ihn und seine Kollegen ein „enormer Wettbewerbsnachteil“. Mit all dem könne er leben, „wenn gleiches Recht für alle gilt“, so der Obermeister.

Mayr hält an ihrem Hofladen fest, für den sie eine eigene kleine Holzhütte neben dem landwirtschaftlichen Anwesen an der Ortsdurchfahrt aufgebaut hat. Die 56-Jährige erwägt, einen Lehrgang der Handwerkskammer zu besuchen – mit Fachkunde, Betriebswirtschaft und vielem mehr. „Dann, so hat man mir gesagt, könnte ich ganz regulär meine Kuchen und Torten verkaufen – und dafür auch werben.“ Der Facebook-Konzern hält sich übrigens aus der Auseinandersetzung bislang raus. ham

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