Großbrand in Oberau: Familie verliert ihre Wohnung

Großbrand in Oberau: Familie verliert ihre Wohnung
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Pressekonferenz im Pfarrheim (v. l.): Susanne Thyrauer, Andrea Hartung, Karl-Martin Klein, Gitti Handorf, Bürgermeister Bernhard Mücke und Pfarrer Philipp Kielbassa. Ein Kameramann vom Bayerischen Rundfunk filmt das Geschehen. Die Situation in Oberding zieht großes Medieninteresse auf sich. 

Flüchtlingsunterkunft Oberding 

Junge Familien mussten weichen - Sexualstraftäter ist da: Werden noch weitere folgen?

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Die Gemeinde Oberding kommt nicht zur Ruhe. Der Sexualstraftäter aus dem Senegal ist am Freitag gegen 11.15 Uhr in der Flüchtlingsunterkunft der Gemeinde angekommen. Wie berichtet, hatten vier Familien für ihn ausziehen müssen.

Oberding – Bei einer Pressekonferenz im Aufkirchener Pfarrheim kritisierten Asylhelfer und Bürgermeister Bernhard Mücke einmal mehr das Vorgehen der Regierung und ließen ihren Ängsten freien Lauf. Könnten demnächst noch mehr Straftäter nach Oberding kommen? 

Dagegen würde man sich mit Händen und Füßen wehren, betonte Mücke, der mit Regierungspräsidentin Maria Els am Freitag telefoniert hat. Kommende Woche, eventuell am Dienstag oder Freitag, wolle er sich mit ihr zusammensetzen, möglicherweise flankiert von Landrat Martin Bayerstorfer und Erdings OB Max Gotz. Diese hatten mit ihm gemeinsam am Mittwoch eine Pressemitteilung herausgegeben, in der sie sich gegen die Aufnahme des Mannes stemmten. Vergeblich, wie seit Freitag klar ist.

Was Mücke und Asylhelfern große Sorge bereitet: Bei der Standortfrage in Sachen Unterbringung des Ex-Häftlings wurde die Oberdinger Unterkunft von der Regierung als „alternativlos“ eingestuft. Das sei „sehr deutlich“, befand Mücke. „Wir wollen die Bestätigung, dass keine weiteren Straftäter mehr kommen“, sagte dazu Karl-Martin Klein vom Helferkreis. „Was ist mit anderen Fällen dieser Art, wenn unsere Unterkunft am besten für die Aufnahme geeignet ist?“ Das Gespräch mit Els soll laut Mücke für Klarheit sorgen. „Mit Halbwahrheiten gebe ich mich nicht zufrieden.“

Der Senegalese hat in Bayreuth wegen sexueller Nötigung eine knapp dreieinhalbjährige Haftstrafe verbüßt. Wie lange der Asylbewerber in Oberding sein wird, ist nicht klar. Mücke berichtete: „Die Abschiebung scheint wohl möglich zu sein.“ Es scheitere lediglich an den Papieren, die noch nicht vorlägen. Wenn man seit über drei Jahren wisse, dass man jemanden abschieben wolle – „warum habe ich dann in dieser Zeit die Papiere nicht bekommen?“, fragte Mücke.

„Wir haben alles getan, um den Alltag gut laufen zu lassen. Mit dem Bescheid war alles zertreten“, sagte Gitti Handorf. Erst am Freitag nach dem Vatertag erhielten die Asylhelfer erste Infos, stießen dabei jedoch nicht auf große Hilfsbereitschaft: „Die erste Frage der Dame von der Regierung war nicht: ,Wie kann ich Ihnen helfen?‘, sondern: ,Woher haben Sie meine Nummer?‘“ Im Raum stand auch die Frage, wie die Flüchtlingsfamilien in ihre neue Unterkunft in München gelangen sollen. Der Vorschlag der Regierung: mit der S-Bahn. Mit dem ganzen Gepäck? Schwer möglich. Dazu sei von der Regierung gekommen: „Haben Sie da nicht einen Helferkreis dafür?“ Handorf konnte ihren Ärger bei der Pressekonferenz nicht verbergen und sagte: „Das ist Nötigung.“ Wie berichtet, fuhren die Asylhelfer die Familien mit ihren Privat-Pkw nach München. Mit ihnen habe man täglich Kontakt, berichtete Andrea Hartung. Ingrid Biller fügte an: „Sie sind in einem 230-Betten-Haus. Das ist menschenverachtend.“

Bedenken wegen der Sicherheitslage

In Oberding waren die Familien bestens integriert. Auch sprachlich, wie Pfarrer Philipp Kielbassa von seinen Beobachtungen aus dem Kindergarten wusste. Wie die Asylhelfer mitteilten, haben die jungen Flüchtlinge in München derzeit keine Aussicht auf einen Kindergartenplatz.

Klein zufolge lieferten sie im alltäglichen Leben einen wichtigen Beitrag zur Sozialisierung der rund 90 alleinstehenden Männer in der Unterkunft. Diese seien wegen der neuen Sicherheitsvorkehrungen nun auch verunsichert und würden sich fragen: „Was haben wir getan, was ist passiert?“ Manche würden die Sachlage gar nicht verstehen.

Klein äußerte auch Bedenken, was die Sicherheitslage angehe. Laut den Asyhelfern wird der Senegalese von vier Securityleuten eines privaten Unternehmens bewacht. Will der Mann, der eine Fußfessel hat, die Unterkunft verlassen (Mücke: „Er darf sich im Landkreis frei bewegen“), wird er laut Regierung von der Polizei begleitet. Doch ob die Erdinger Beamten dafür stets Personal stellen können, bezweifeln die Asylhelfer.

Es hat sich vieles verändert. Der Zugang zur Unterkunft wird bewacht. Es gibt Ausweiskontrollen, Autos werden durchsucht. Und in der Bevölkerung hat sich Unruhe breitgemacht. Der Helferkreis hat Hartung zufolge bislang sehr erfolgreich Aufklärungsarbeit geleistet. Aus vielen Gesprächen mit seinen Bürgern weiß jedoch auch Mücke, dass die Lage jetzt eine andere ist.

Die Nachfragen der Bürger seien bislang immer sachlich. „Bis jetzt ist es ruhig“, sagt Mücke. Es kämen Fragen wie: „Kann ich meine Tochter nachts noch zu ihrer Freundin lassen?“ Ängste seien da, nicht nur von rechts. „Auch unsere Linken teilen sie.“

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