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Zeilen des Anstoßes: Das Mitteilungsblatt der VG Oberding spaltet die Bürger in beiden Gemeinden.  

Weniger Fleisch, weniger Fett: CO2-sparende Ernährungstipps stoßen sauer auf

Gemeinde-Post: Bauern dreht’s den Magen um

Zwei Klimaschutztipps im Gemeindeanzeiger der Verwaltungsgemeinschaft (VG) Oberding sorgten vor allem bei den Landwirten in den beiden Kommunen Eitting und Oberding für Kopfschütteln und auch Verärgerung.

Eitting/Oberding In der Ausgabe vom 1. April (kein Aprilscherz!) wurde in der Rubrik „Klimaschutztipp des Tages“ der Fleischkonsum angeprangert.

So würden Fleisch und Wurst am meisten Treibhausgase verursachen. Bio-Produkte hätten da oftmals noch eine bessere Bilanz. Quintessenz daraus: weniger Fleisch und Wurst essen und wenn, dann in Bioqualität. In der Ausgabe zuvor hieß es, dass je höher der Fettgehalt eines Lebensmittels sei, desto größer sei auch die damit verbundene Treibhausgasbelastung. Appelliert wurde an einen bewussten und sparsamen Umgang mit Sahne, Butter und fettem Käse. Dies schone nicht nur die Gesundheit, sondern auch das Klima.

Diese Aussagen schmeckten vor allem konventionellen Landwirten nicht, besonders der Fleischkonsum-Tipp stieß auf Unverständnis. Maria Kratzer vom Huberhof Eitting findet hier klare Worte. „Wir sind eine Berufsgruppe und gehören alle zusammen. Man soll bio nicht gegen konventionell ausspielen. Jeder hat seine Daseinsberechtigung und macht das so gut wie möglich“, erklärt sie.

Gemeinsam mit ihrem Mann Konrad bewirtschaftet sie den Huberhof mit Milchkühen und einer eigenen Milchtankstelle samt kleinem Hofladen. Dort gibt es auch Butter, Käse oder Bauernhof-Eis zu kaufen. Milch wird in Glasflaschen abgefüllt. Bei den 100-ml-Eisbechern ist der Löffel aus Holz und die Verpackung biologisch abbaubar. Müll vermeiden, so gut es geht, und Lebensmittel so zu produzieren, dass sie mit möglichst wenig unnützer Verpackung zum Endverbraucher gelangen, sind für die 45-Jährige Klimaschutz-Tipps, die jeder beherzigen sollte. Bio würde sie auf keinen Fall verteufeln. „Ich kaufe auch gerne Bioprodukte, obwohl wir konventionell sind“, sagt sie.

Auf Facebook hatte sie die beiden Tipps gepostet, um eine Rückmeldung von ihren Berufskollegen zu bekommen, ob es in anderen Gemeinden auch solche Tipps gebe. „Ich habe teilweise wütende Rückmeldungen bekommen“, so Kratzer.

Zu viel Wirbel möchte sie aber über die Tipps nicht machen. „Mit einer Stellungnahme der Gemeinde oder der VG im Gemeindeanzeiger wäre das erledigt“, meint sie.

„Ich verstehe, dass die Leute verärgert sind. Das ist ganz und gar nicht die Absicht der VG“, sagt Eittings Bürgermeister Reinhard Huber, der schon mehrere Beschwerden über diese beiden Veröffentlichungen bekommen hat. „Wir werden uns beraten und geloben Besserung. Alle unsere Landwirte sind uns sehr wichtig, und wir wollen sie nicht verteufeln“, so Huber.

Ob eine Stellungnahme im Gemeindeanzeiger kommt oder ob die Rubrik gänzlich eingestellt wird, konnte Huber noch nicht sagen. Denn die Mitarbeiterin, die sich um den Gemeindeanzeiger redaktionell kümmere, sei gerade in Urlaub. Man wolle zuerst mit ihr reden. Eine Anfrage an Oberdings Bürgermeister Bernhard Mücke blieb unbeantwortet. 

 DANIELA OLDACH

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