Franz Gasteiger am Altar bei seinem 50. Primizjubiläum 2016.
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Franz Gasteiger am Altar bei seinem 50. Primizjubiläum 2016.

Pfarrer Franz Gasteiger wird 80 – Für seine Weltoffenheit ist er auch angeeckt

„Ich vermittle einen menschlichen Gott“: Pfarrer Franz Gasteiger wird 80

  • vonDaniela Oldach
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Wo lässt sich für einen Priester ein runder Geburtstag besser begehen als in einem Gotteshaus? Dr. Franz Gasteiger macht da keine Ausnahme. An seinem 80. Wiegenfest am Sonntag, 29. November, zelebriert er um 10 Uhr eine Messe in der Christophoruskapelle am Flughafen München.

Schwaig – Für den Jubilar ist das nur Arbeit im weitesten Sinne. Sein Beruf ist und bleibt für ihn Berufung. Und auch sein Credo für Zufriedenheit ist nach wie vor gleich: „Man muss die Menschen mögen.“

Diesen Leitsatz hatte ihm schon sein Primizprediger Lorenz Rauschegger 1966 mit auf den Weg gegeben. Aber auch Offenheit und Weltgewandtheit seien unabdingbar. Zwar sind Gasteigers vergangene zwei Jahre durch gesundheitliche Probleme geprägt gewesen. Doch durch die Krankheit habe sich sein Glaube nicht verändert.

„Ich bin da sehr nüchtern. Da ändert auch Corona nichts. Ich bin generell ein sehr optimistischer Mensch“, sagt Gasteiger. Auch nach einem längeren Aufenthalt auf der Intensivstation des Erdinger Krankenhauses habe er nicht mit seiner Situation gehadert. „Ich habe mich einfach gut aufgehoben gefühlt“, sagt er.

Eine positive Grundstimmung und eine optimistische Orientierung seien für die Seelsorge unabdingbar. Auch hier geht der Geistliche mit der Zeit. So habe er eine Segensfeier für ein lesbisches Brautpaar gefeiert. „Das war auf einer Alm bei Garmisch und wunderschön.“ Auch einem schwulen Hochzeitspaar habe er mit einer kirchlichen Segensfeier einen großen Wunsch erfüllt.

Auch wenn sich Geschiedene wieder verheiraten wollen und die Basis dafür Liebe ist, steht Gasteiger dem Wunsch nach einer Segnung des Lebensbundes offen gegenüber. „Der Segen ist eine besondere Situation, die mir wichtiger ist als die kirchliche Vorschrift“, bezieht er klar Stellung. Dass er mit dieser zeitgenössischen und weltoffenen Anschauung auch des öfteren aneckt, ist ihm bewusst. Gerade dafür wird Gasteiger aber auch geschätzt.

Lässt es seine Gesundheit zu, ist er mit Leib und Seele Priester. So feiert er Hochzeiten und Taufen oder zelebriert Trauerfeiern. „Mir sind Beerdigungen ganz wichtig. Ich möchte mich mit dem Menschen vertraut machen, der verstorben ist“, sagt er.

Auch durch Corona sei er heuer viel weniger im Einsatz gewesen. An Heiligabend ist er aber im Heilig-Geist-Stift zu Gast, am ersten Weihnachtsfeiertag in der Christophoruskapelle am Airport. Zudem liegen ihm die theologischen Themen in der Erwachsenenbildung am Herzen. „Ich möchte einen menschlichen Gott vermitteln“, lautet sein Anspruch.

In Schwaig ein Zuhause gefunden: Pfarrer Franz Gasteiger.

Dass er die Priesterlaufbahn einschlagen wird, war für den gebürtigen Schönauer (bei Eggenfelden, Landkreis Rottal-Inn) früh klar. Denn der kleine Franz, Sohn von Franziska und Franz Gasteiger, war von der katholischen Kirche von Kindesbeinen an beeindruckt. „Es war früher für mich die einzige Welt außerhalb der Familie“, erinnert er sich.

Als Ministrant stand er eifrig am Altar. Und dann wollte er einfach Priester werden. Nach der Volksschule und dem humanistischen Gymnasium, heute Leopoldinum, Passau machte er 1960 Abitur und studierte anschließend Philosophie, Pädagogik und Theologie an der philosophischen-theologischen Hochschule in Passau. Seine Eltern hatten ihn schon während des Knabenseminars unterstützt. Dafür ist ihnen Gasteiger heute noch dankbar.

Am 29. Juni 1966 wurde er im Stephansdom in Passau zum Priester geweiht. Seine Primiz war am 3. Juli 1966 in Burghausen. Danach war er zwei Jahre Kaplan in Fürstenstein bei Passau – eine prägende Zeit. „Hier habe ich gelernt, dass es auf die Menschen ankommt. Ich kann nicht an den Menschen und am Leben vorbei Seelsorge machen“, sagt er. Und dieser Leitgedanke habe nach wie vor Bestand. Mit dem Wagner Anderl habe er während seiner Kaplanszeit „über Gott und die Welt diskutiert. Er war ein toller Chef. Und ich war nie eingehaust in ein verkrustetes Priesterbild“. So habe er als Kaplan auch ganz legere Kleidung getragen.

Eine Pfarrei zu übernehmen, das wollte er damals noch nicht. Von September 1968 bis Ende 1974 war Gasteiger dann Diözesankaplan der christlichen Arbeiterjugend für die Diözese Passau und speziell in der Jugendseelsorge eingesetzt. Danach agierte er bis März 1981 als Landespräses des Bundes der deutschen katholischen Jugend in den sieben bayerischen Diözesen.

Als Prof. Dr. Konrad Baumgartner, sein späterer Doktorvater, ihn im März 1981 als wissenschaftlichen Mitarbeiter für Pastoraltheologie an die Universität Regensburg holte, wartete noch einmal eine neue Herausforderung auf Gasteiger. Er promovierte 1991 zum Doktor der Theologie an der Uni Regensburg.

Vom 1. April 1991 bis 31. Oktober 2003 war Gasteiger Seelsorger am Flughafen München, bis 31. August 2008 Seelsorger in den Erdinger Altenheimen. Zum 1. September 2008 ging es für ihn in den Ruhestand – doch dieser währte nur drei Jahre.

Nachdem er von September 2011 bis 2013 priesterlicher Leiter der Pfarrei Eitting gewesen war, kam Gasteiger zum 1. Juni 2013 in die Pfarrei Neuching und baute den damaligen Pfarrverband Neuching-Ottenhofen auf. Seit 1. Oktober 2015 ist er im (Un-)Ruhestand, denn als Aus- und Mithilfe ist er immer noch in der Seelsorge aktiv.

Sein Zuhause hat er in Schwaig gefunden. Nah an der Kirche, im idyllisch eingewachsenen Garten, entspannt er bei schönem Wetter gerne unter freiem Himmel. Ein Herzenswunsch wäre, noch einmal nach Australien zu fliegen. „Doch das lässt meine Gesundheit nicht zu. Aber ich bin auch für kleinere Auszeiten dankbar“, sagt er. Zum Geburtstag wünscht er sich, „dass Freunde an mich denken. Denn auch mit der Kraft der Gedanken kann man viel Gutes und Freude bewirken“.

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