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Neues Wasserwerk Oberding: Im Sommer wird hier der Hahn aufgedreht

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Die Außenfassade steht: Derzeit laufen die Arbeiten im Inneren des neuen Wasserwerks in Oberding auf Hochtouren
Die Außenfassade steht: Derzeit laufen die Arbeiten im Inneren des neuen Wasserwerks in Oberding auf Hochtouren. © Bernd Heinzinger

Der Zweckverband zur Wasserversorgnung Moosrain will das Wasserwerk in Oberding im Juni ans Netz nehmen. Der Kostenplan liegt bei 6,7 Millionen Euro.

Oberding – Das Millionenprojekt neues Wasserwerk Oberding lässt sich auch von der Corona-Pandemie nicht beirren. „Wir sind gut im Zeitplan, und auch die Kosten bleiben im geplanten Rahmen“, freute sich Wolfgang Haberger, der Geschäftsleiter des Zweckverbands zur Wasserversorgung Moosrain (ZWM), bei der Besichtigung der neuen Anlage. Die Kosten belaufen sich damit wie geplant auf 6,7 Millionen Euro. Eine Fertigstellung ist für kommenden Juni vorgesehen.

Die Fassade des neuen Hauptgebäudes auf dem Gelände in der Nähe der Brunnen ist mittlerweile fertig, im Außenbereich finden bereits die Pflasterarbeiten statt. Die Notstromanlage steht ebenfalls. Letztere gab es auch beim alten Wasserwerk, das seit 1970 die Wasserversorgung für über 20 000 Anwohner in Oberding und in den umliegenden Gemeinden sicherstellt. Im Fall der Fälle könne die Notstromanlage den Betrieb für 72 Stunden aufrechterhalten, berichtet Haberger stolz: „Das hat nicht jedes Wasserwerk, für uns war es aber sehr wichtig, um die Sicherheit der Versorgung zu gewährleisten.“

Die Technik ist schon eingezogen: Wolfgang Haberger, Geschäftsleiter des Zweckverbands zur Wasserversorgung Moosrain, präsentiert die Pumpen des Wasserwerks
Die Technik ist schon eingezogen: Wolfgang Haberger, Geschäftsleiter des Zweckverbands zur Wasserversorgung Moosrain, präsentiert die Pumpen des Wasserwerks. © Bernd Heinzinger

Im Inneren des Hauptgebäudes fanden in den vergangenen Wochen kontinuierlich Arbeiten statt. Der erste Blick fällt auf die beiden großen Aufbereitungsanlagen. Haberger erklärt: „Diese filtern später Eisen und Mangan aus dem Brunnenwasser.“ Diese Stoffe wären zwar nicht schädlich, das Trinkwasser würde aber ohne Filterung rostig aus den Leitungen kommen. „Das will schließlich niemand.“

Die Anlagen können 120 Liter pro Sekunde aufbereiten, das bedeutet eine Menge von über 10 Millionen Litern beziehungsweise 10 000 Kubikmetern pro Tag. Der durchschnittliche Verbrauch liegt bei rund 6000 Kubikmetern, erläutert der Geschäftsleiter. Daher laufe die Anlage im Normalfall lediglich auf 60 Prozent.

Nach der Aufbereitung kommt das Trinkwasser in einen der beiden großen Tanks mit einer Größe von jeweils 200 Kubikmetern und von dort entweder direkt ins Wassernetz oder zunächst in einen Hochbehälter. Dieser fasst 10 000 Kubikmeter und befindet sich bei Riexing bei Moosinning. Haber betont: „Ist dieser voll, stoppt das Wasserwerk seinen Betrieb erst einmal, bis das sogenannte Minimal-Niveau erreicht wird.“ Im Werk gibt es vier stehende sowie eine liegende Pumpe, welche das Wasser zu den Verbrauchern befördern.

Der Betrieb des Wasserwerks verbraucht eine Menge Strom, daher entschied man sich für eine PV-Anlage auf dem Dach. Haberger: „Damit können wir immerhin 20 Prozent der erforderlichen Leistung abdecken.“ Wegen dieser Anlage wurde das Hauptgebäude mit einem Pultdach versehen. Dieses brachte wiederum den Vorteil, dass im ersten Stock ein Raum für Schulungen oder Seminare möglich wurde. Dem Geschäftsstellenleiter schwebt außerdem vor, dass hier später einmal Schulklassen aus Oberding genauestens erfahren, wo denn ihr Trinkwasser eigentlich herkommt. Direkt daneben liegt das Herz des Wasserwerks: die elektronische Schaltzentrale. Von hier aus erfolgt die Steuerung des gesamten Betriebs.

Der Umzug sei nicht nur wegen Alters der derzeitigen Anlage notwendig geworden, sagt Haberger: Ein Wasserwerk gehöre einfach nicht mitten in die Gemeinde, sondern in den Außenbereich. Ein weiterer Vorteil des neuen Standorts ist, dass die Hauptleitung des Zweckverbands direkt durch das Grundstück läuft.

Die Kosten können also eingehalten werden, der Zeitplan steht. Trotzdem bedeutet der Neubau für den Verband eine sehr große Investition. Auch deswegen wurden die Preise für das Trinkwasser deutlich nach oben geschraubt, der Kubikmeter kostet seit Anfang dieses Jahres 1,24 Euro je Kubikmeter. Zuvor hatte er bei 0,72 Euro gelegen. Dies bedeutete die erste Erhöhung seit 26 Jahren. „Bayernweit liegt der Schnitt allerdings sogar bei 1,70 Euro“, erläutert Haberger und fügt an: „Je weiter nach Norden wir im Freistaat kommen, desto teurer wird das Wasser.“ Als Grund nannte er, dass etwa in den Bergregionen das Wasser aus Quellen kommt und dort keinerlei Filterungen nötig seien.

In den nächsten Wochen setzen sich die Arbeiten auf Hochtouren fort. Der Estrich im Innenbereich folgt demnächst, auch die Installation einiger Elektroanlagen und der Steuer-Mess-Regeltechnik steht noch bevor.

Wenn alles weiterhin so glatt läuft, folgt im Sommer 2022 die Umschaltung: „Das ist dann in einer Sekunde erledigt – und das neue Wasserwerk läuft an,“ sagt Wolfgang Haberger mit einer gewissen Vorfreude: „Dann haben wir wieder für die nächsten ungefähr 40 Jahre unsere Ruhe.“

Was mit dem Grundstück, auf dem das alte Werk steht, passiert, weiß der Geschäftsleiter des Zweckverbands noch nicht. Er ahnt aber: „Nachdem es in der Nähe des Schulzentrums steht, wird der Gemeinde schon etwas in diese Richtung einfallen.“

Von Bernd Heinzinger

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