Das Oberdinger Seniorenheim
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Das Oberdinger Seniorenheim

Oberding und Finsing warten bislang vergeblich auf die Spritze

Pflegestern-Geschäftsführer sauer: Impfungen in Ebersberger Seniorenheimen, aber nicht in den Erdingern

  • vonOlaf Heid
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Peter Haile ist, höflich formuliert, sehr unglücklich und enttäuscht. Der Geschäftsführer der Pflegestern Seniorenservice gGmbH, eines Betreibers von fünf Seniorenheimen, zwei im Landkreis Erding in Oberding und Finsing sowie drei im Kreis Ebersberg, ist unzufrieden mit der Impfsituation. Denn während man im Nachbarlandkreis bei allen Bewohnern und Pflegern mit der ersten Impfdosis „so gut wie durch“ sei, herrsche in den beiden Erdinger Pflege-stern-Einrichtungen Tristesse.

Oberding/Finsing - „Fakt ist, dass hier noch kein einziger Bewohner, geschweige denn Mitarbeiter, geimpft wurde“, erklärt Haile. „Und es ist nicht absehbar, wann wir die erste Dosis überhaupt kriegen. Das ist inakzeptabel.“

Die Bewohner seiner Ebersberger Einrichtungen in Grafing, Anzing und Poing, die die Spritze wollten, seien hingegen bereits mit dem Biontech/Pfizer-Vakzin geimpft – „95 bis 98 Prozent“, sagt Haile. In einem Fall habe ein Senior einen Tag lang leicht erhöhte Temperatur gezeigt, sonst habe es keine auffälligen Nebenwirkungen gegeben, berichtet er. Mittlerweile haben sogar die meisten Bewohner die zweite Impfdosis erhalten, die dann zum vollen Schutz führt.

„Das ist inakzeptabel“: Pflegestern-Geschäftsführer Peter Haile hat kein Verständnis dafür, warum in seinen Einrichtungen in Oberding und Finsing bislang noch niemand geimpft worden ist.

Dass die Ebersberger Pflegestern-Bewohner etwas früher dran waren als die anderen im Landkreis Ebersberg, liegt an einer Kooperation des Pflegesterns mit dem Bayerischen Gesundheitsministerium – alle Einrichtungen hätten bereits vor Weihnachten geholfen, als Vorreiter einen möglichst reibungslosen Ablaufplan für die konkreten Impftermine in den Heimen zu erarbeiten und den Behörden dazu ausführlich Rückmeldung zu geben. Dafür gab es dann vom Ministerium eine Anweisung an die verantwortlichen Impfteams, diese Einrichtungen priorisiert zu impfen. Unter anderem, weil die Rückmeldung über Probleme und Verbesserungspotenzial für das Ministerium zur Verbesserung der Impfabläufe wichtig gewesen wären. „Wir haben sehr viel Arbeit investiert“, betont der Geschäftsführer. „Damit unsere Bewohner dafür so schnell wie möglich drankommen, war uns das aber die Mühe wert.“

Doch diese sei für Oberding und Finsing bislang umsonst gewesen. Und das stößt Haile ebenso extrem bitter auf: „Das kann doch nicht sein.“ Zumal auch alle seine Rückfragen an das zuständige Impfteam in Erding, warum die Verzögerung oder bis wann man mit dem Impfen rechnen könne, unbeantwortet geblieben seien. Ein unhaltbarer Zustand, meint Haile, der zugleich ehrenamtlich im größten Pflegeverband Deutschlands, dem Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienstleistungen (bpa e.V.), als Vorstandsmitglied im Freistaat engagiert ist. „Das ist wohl einmalig in Bayern. Warum klappt es in Ebersberg, aber nicht in Erding? Das soll mir mal jemand erklären“, sagt er. Laut Erdinger Landratsamt ist bislang rund die Hälfte der Pflegeheimbewohner im Landkreis geimpft.

„In Finsing und Oberding ist keiner der Bewohner und des Pflegepersonals der vollstationären Einrichtungen und Tagespflege geimpft.“ Seine Mitarbeiter hätten die Mehrarbeit als „Pre-Test-Einrichtung“ an Weihnachten gerne in Kauf genommen und Zeit geopfert – „alle arbeiten am Anschlag“. Und nun müsse er dem Personal und Bewohnern dauernd die Verzögerungen erklären. Natürlich hat Haile Verständnis für das hohe Arbeitspensum der Behörden oder dafür, „wenn nicht genug Impfstoff zur Verfügung steht“, doch letztlich gehe es im Kampf gegen die Pandemie um schnelle Maßnahmen. Verzögerungen dieser Art seien für eine Einrichtung, die sehr aktiv mitarbeite, extrem unglücklich und eigentlich nicht akzeptabel.

Sobald die Impfdosen vorhanden seien, wünscht sich Haile eine höhere Impfbereitschaft. „Ich kann nur dringlich dazu raten“, sagt er. „Aber ich werde niemanden zwingen.“ Zu schützen sind weiter jene Bewohner, die sich nicht impfen lassen können oder wollen oder die zu den geschätzten fünf Prozent zählen, bei denen das Vakzin nicht die gewünschte Schutzwirkung erzielt. Deshalb sei auch komplette Schutzkleidung weiter Pflicht, genau wie die anderen Hygienemaßnahmen, egal ob der betreffende Mitarbeiter geimpft sei oder nicht.

Auch ungeimpftes Pflegepersonal könne so weiter mit den betreuten Senioren arbeiten. Der Pflegestern-Geschäftsführer will sich derweil dafür einsetzen, dass auch ehrenamtliche Mitarbeiter, die beispielsweise zum Vorlesen, Basteln oder Spazierengehen mit den Senioren ins Heim kommen, priorisiert geimpft werden. Es handle sich dabei oft ohnehin um ältere Menschen, die angesichts ihres Engagements im Heim deshalb doppelt gefährdet seien. Das Ministerium habe den Vorschlag „wohlwollend aufgenommen“.

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