70 Hektar Ausgleichsfläche sollen zwischen Erdinger Allee (rechts) und geplantem Südring (links) entstehen. Dort hindurch verläuft in ein paar Jahren der S-Bahn-Tunnel (rot). 

Infrastrukturprojekte 

Ausgleichsflächen in der Flughafenregion: „Ein langer, harter Weg“

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S-Bahn-Ringschluss, Ausbau der Flughafentangente, Verlängerung des Südrings und und und: Am Flughafen laufen zahlreiche Infrastrukturprojekte. Sorgen bereitet das vor allem den Bauern, denen Ausgleichsflächen zustehen. Doch so leicht ist das nicht.

Niederding – „Vielen Dank für Ihre Ausführungen, aber es hat mir nicht gefallen, was Sie zu sagen hatten.“ Diese Worte richtete Jakob Maier, Erdings Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands (BBV), an Josef Schwendner und Carsten Wilmsen von der Flughafen München GmbH (FMG). Er hatte die beiden nach Niederding ins Bürgerhaus eingeladen, wo sie im vollen Saal aktuelle Infrastrukturprojekte in der Flughafenregion vorstellten. Im Zentrum der Debatte zwischen Bauern und Planern stand der Flächenausgleich.Dieser bereitet große Sorgen.

Konkret ging es am Montagabend um zwei Verkehrsprojekte, die in diesem Jahr noch über die Bühne gehen sollen. Zum einen auf der Straße: der vierspurige Ausbau der Flughafentangente Ost (FTO), die neue Streckenführung der Erdinger Allee, die Verlängerung des Südrings Richtung Flughafenzubringer und der vierspurige Ausbau zwischen Schwaig und der FTO. Zum anderen auf der Schiene: die Tunnelverlegung im bestehenden Flughafen als Teil des Erdinger S-Bahn-Ringschlusses.

Die FMG-Pläne stellten Carsten Wilmsen und Josef Schwendner vor.

Diese Maßnahmen kosten viel Fläche, weswegen die FMG im vergangenen Jahr zahlreichen Landwirten die Pachtverträge gekündigt hat. „Die müssen aber 1:1 ausgeglichen werden“, erklärte Schwendner. Trost für die Landwirte ist das aber wenig. Denn der Ausgleich gestaltet sich alles andere als einfach. „Ich prangere den Flächenverbrauch an“, sagte Oberdings Bürgermeister Bernhard Mücke. „Wären die Ausgleichsflächen alle auf Oberdinger Flur, wäre das das halbe Gemeindegebiet“, rechnete er vor. „Man muss sich was einfallen lassen.“ Betriebsflächen nach Niederbayern zu verlegen, mache wenig Sinn.

Landwirt Konrad Zollner aus Eitting sah das genauso: „Keiner von uns wird bis nach Landshut Flächen übernehmen. Alle Ausgleichsflächen, die schon planfestgestellt sind, können wir nicht mehr rückgängig machen. Aber wir sollten einfach mal sagen: Das kann nicht sein, es geht nicht mehr. Vielleicht sollte man auch mal die Umweltministerin fragen, wenn wir sie schon im Landkreis haben.“ Ulrike Scharf wisse Bescheid, entgegnete Mücke, der auch mit dem Innenministerium in Kontakt steht. Von dort habe es geheißen, dass manche Flächen durch Zahlungen ausgeglichen werden könnten. Klar sei bislang aber nur: „Es wird ein langer, harter Weg.“

Mit ungewissem Ausgang, weil auch die Planungen noch nicht so weit sind. „Wir werden dafür sorgen, dass keine wahnsinnigen Umwege gemacht werden müssen“, versprach Wilmsen. Genaueres stehe noch nicht fest.

Auch der Naturschutz spielt eine Rolle, hier insbesondere die Umsiedlung der Wiesenbrüter. „Landwirtschaft und Naturschutz müssen zusammen funktionieren“, betonte Schwendner.

Im Bereich zwischen Erdinger Allee im Norden und Südring plant die FMG 70 Hektar Ausgleichsflächen. Hier sind derzeit Wiesen. Mehr als diese 70 Hektar müsse derzeit nicht ausgeglichen werden, meinte Schwendner. Er wollte die Landwirte mit dem Vergleich beruhigen, dass im Falle einer dritten Startbahn satte 800 Hektar fällig wären. Von der gehen die FMG-Planer nach der Aufschiebung des Themas durch den neuen Ministerpräsidenten Markus Söder derzeit aber nicht aus.

„Dennoch sind wir uns bewusst, dass wir einen massiven Eingriff in Flächen vornehmen“, sagte Wilmsen. Immerhin gehen durch die derzeit geplanten Arbeiten rund 120 Hektar landwirtschaftliche Fläche verloren. Zur Nutzung der Grundstücke hatte Wilmsen aber auch „keine good news“, wie er es formulierte. Ackerbau sei aufgrund des S-Bahn-Tunnels nämlich nicht möglich. Flächenpflege könne dort betrieben werden, Grünlandnutzung sei eingeschränkt denkbar. „Was das heißt, ist uns Landwirten, aber auch der FMG noch nicht klar“, sagte ein rätselnder Maier zur Heimatzeitung.

Sein Fazit: „Das Ganze bedeutet Einschränkungen. Die Betriebe verlieren Fläche und Einkommen. Das führt dazu, dass wir selber die Pacht in die Höhe treiben. Wir sollten aber nicht untereinander raufen, sondern leben und leben lassen.“

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