E-Werk-Schweiger

„Intelligenz statt Kupfer“

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Schwaig – Das E-Werk Schweiger baut ein Smart Grid auf. Mit intelligenter Steuerung wird die Überlastung des Netzes verhindert. So funktioniert die Energiewende.

Dienstag, 14 Uhr. Es nieselt, der Himmel ist wolkenverhangen. Die Photovoltaikanlagen im Netz des E-Werks Schweiger produzieren knapp 900 Kilowatt Strom, dem Wetter entsprechend relativ wenig bei über 6000 Kilowatt installierter Leistung. Diese Zahl können die Firmenchefs Fritz und Franz Schweiger an einem großen Bildschirm in ihrem Bürogebäude in Schwaig ablesen. Es ist die zentrale Anzeige des Smart Grid, des intelligenten Stromnetzes, das das mittelständische Unternehmen derzeit ausbaut. Im Herbst wird es eingeweiht.

Mit Messpunkten und Hochrechnung mittels Computer-Algorithmen bekommt der Stromversorger einen Überblick über die Energiemenge in seinem Netz. In Zeiten von Photovoltaik und Biogas ist das wichtig, um die Überlastung der Leitungen zu vermeiden. Dazu kommt noch das alte Kerngeschäft der Schweigers: die vier eigenen Wasserkraftanlagen, die konstant bis zu 500 Kilowatt produzieren. „Früher kam alles von den zentralen Kraftwerken. Jetzt speisen auch die Kleinen ein, das macht es kompliziert“, sagt Fritz Schweiger, einer der beiden Firmenleiter.

Daher investiert das E-Werk in den Aufbau des Smart Grid. Die Elektronik kann im schlimmsten Fall eine Photovoltaikanlage zentral gesteuert abschalten, bevor wegen Überproduktion ein Kabel durchschmort und eventuell sogar einen Blackout auslöst. Die Alternative wären größer dimensionierte Leitungen. Vor allem im Zusammenhang mit dem Tiefbau ist das aber eine teure Angelegenheit.

Die Keimzelle des Schweiger-Smart-Grid liegt in Niederding. Dort speisen große PV-Anlagen auf Bauernhöfen viel Strom ein. Die Elektronik sichert das dortige Netz vor Überlastung. „Damit haben wir den Bereich mit den drei großen Bauernhöfen im Griff“, sagt Franz Schweiger. „Man ersetzt Kupfer durch Intelligenz“, meint Fritz Schweiger. Ins Smart Grid habe das Unternehmen bisher 250 000 Euro investiert. Größere Leitungen nur für Niederding hätten ein Fünftel davon gekostet.

Doch mit der computergestützten Technologie will das E-Werk künftig sein ganzes 650 Kilometer langes Netz effizienter steuern. Messstellen werden an kritischen Punkten wie großen PV-Anlagen installiert, die Software errechnet aus den einzelnen Daten ein Gesamtbild.

Eine PV-Anlage habe noch nie abgeschaltet werden müssen, berichtet Fritz Schweiger. An Tagen wie dem Tropen-Sonntag des vergangenen Wochenendes kann es aber schon vorkommen, dass mehr Strom in die Hochspannungsleitung zurückgespeist wird als ins Schweiger-Netz fließt.

Das Smart Grid ist für das E-Werk die Voraussetzung für intelligentes Last-Managament. Bei Überproduktion könnten zum Beispiel auch Verbraucher zugeschaltet werden, erläutert Franz Schweiger. Zum Beispiel könne ein Unternehmer seine Tiefkühlung hochfahren, um Energie in Form von Kälte zu speichern. Das ist in Schwaig aber noch Zukunftsmusik. Erst einmal muss das Smart Grid komplett ausgebaut und im Herbst offiziell in Betrieb genommen werden.

Timo Aichele

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