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Liebevoll über die Jahrzehnte aufgebaut: die Bone-Trail-Town an der Sandstraße in Schwaig.
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Schnappschuss im Saloon: Club-Vorsitzender Manuel Brunner (r.) und sein Stellvertreter Reinhard Thaler.
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Sieht aus wie ein echtes Fort: Durch das Tor geht’s hinein in die Schwaiger Westernstadt.
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Auf der frisch reparierten Kutsche posieren die jüngsten Mitglieder des Clubs, Pia und Simon Brunner.
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Reinhard Thaler (l.) und Manuel Brunner mit selbstverständlich nicht scharfen Geschützen.
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Die Bone-trail-Town.
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Die Hilton Lodge, eine Art Absteige.
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Das zur Küche umfunktionierte Gefängnis.

Interview mit den beiden Chefs des Cowboyclubs

Der Wilde Westen liegt in Schwaig - Ein Besuch in der Bone-Trail-Town

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In Schwaig liegt der Wilde Westen: Der Cowboy- und Westernclub feiert kommende Woche mit seinem jährlichen Ranchfest 40. Geburtstag. Wir waren auf einen Whiskey und unterhaltsame Erzählungen zu Besuch in der beeindruckenden Bone-Trail-Town und haben dort mit den beiden Cowboychefs gesprochen.

VON MARKUS SCHWARZKUGLER

Schwaig – Mitten im Schwaiger Gewerbegebiet liegt der Wilde Westen. Das wussten Sie nicht? Fahren Sie doch mal die Sandstraße hinunter, und plötzlich stehen Sie vor einem großen Fort. Spätestens, wenn Sie durch’s Tor gegangen sind, fühlen Sie sich wie in Pullman City, der bekannten Westernstadt nahe Passau. Egal, ob Pferdestall (stilecht mit „Horste Stable“ überschrieben), Saloon, „Music Hall“, Sheriffsbüro, Bank, Hotels („Hilton Lodge“) oder noch viel mehr: Die Mitglieder des 1979 gegründeten Cowboy- und Westernclubs Schwaig haben in den vier Jahrzehnten ihres Bestehens (siehe Kasten)eine tolle Kulisse auf die Beine gestellt.

„Bone Trail Town“ haben sie ihre Westernstadt getauft, was übersetzt so viel heißt wie „Stadt des Knochenpfads“. Doch wen es jetzt gruselt, der muss keine Angst haben. Das beweisen unsere beiden bestens gelaunten und sympathischen Gesprächspartner, Vorsitzender Manuel Brunner (41) aus Schwaig, und sein Stellvertreter, Reinhard Thaler (73) aus Hofsingelding. Die beiden Cowboys – Brunner im wahren Leben im Vertrieb bei Jungheinrich in Neufahrn und Thaler Renter, früher kaufmännischer Angestellter – sind schon seit Wochen fleißig am Werkeln. Der Grund ist der runde Geburtstag, der am Samstag, 14. September, beim Ranchfest gefeiert wird. Dafür haben die Schwaiger Cowboys extra ihre rund 30 Jahre alte Kutsche auf Vordermann gebracht. Unsere Zeitung hat sich auf der Terrasse des Saloons mit den beiden Chef-Cowboys unterhalten.

Herr Thaler, Herr Brunner: In Schwaig gibt’s viele Flieger in der Luft und am Boden viele Hotels und viel Gewerbe. Wie passt denn da der Wilde Westen rein?

Manuel Brunner(schmunzelt):Je nachdem, von wo aus man auf uns schaut, sind wir der Westen. Das passt schon.
Reinhard Thaler: Wir Cowboys schätzen das sehr hier. Keiner will uns was, und die Gemeinde greift uns mit Bezuschussungen unter die Arme.

Was muss man denn vorweisen, um ein Schwaiger Cowboy zu werden?

Brunner: Unsere Hürden sind sehr niedrig. Wir sind ja auch auf Nachwuchssuche. Bei anderen Cowboyclubs kommst du mit gewisser Kleidung gar nicht in den Saloon. Wir sind relativ locker und sitzen auch mal mit Turnschuhen da.

Aber um einen gewissen Look werden Sie sich doch bemühen?

Brunner: Speziell an amtlichen Tagen wie dem Ranchfest gibt es schon gewisse Pflichten. Hut, Cowboystiefel, das Outfit insgesamt . . .
Thaler: Wenigstens ein Karo- oder Streifenhemd sollte es schon sein. Ich meine, man muss ja nicht mit Sporen und so Django-mäßig daherkommen (lacht).
Wir sind aber froh um jedes Mitglied, momentan sind wir rund 20. Brunner: Also mit Flip-Flops zu den Versammlungen sollte man aber nicht kommen. Das geht gar nicht!

Wie viel Geld muss man denn ausgeben, damit man als einigermaßen originalgetreuer Cowboy daherkommt?

Thaler: Da kann man schon Geld lassen. So ein Deko-Gewehr kostet zum Beispiel 200 Euro, ein scharfes schon mal so 500 bis 700 Euro. Hüte gibt’s schon für 30 Euro. Aber so ein guter Hut wie meiner – ein echter Stetson – kostet so 120 Euro aufwärts. Dem Preis sind da keine Grenzen gesetzt. Den Qualitätsunterschied sieht man aber.

Und die Stiefel?

Brunner: Da kannst du schon 300 Euro ausgeben.

Aber nicht bei Deichmann, oder?

Brunner: Nein. In der heutigen Zeit ist es einfacher übers Internet. Da gibt es gute Online-Händler. Oder auf Flohmärkten wie auf dem Hausler-Hof. Das ist aber nichts von der Stange, das kostet richtig Geld.

Wie ist denn die Altersspanne im Club?

Brunner: Mein Sohn Simon ist drei Jahre alt, meine Tochter Pia fünf. Die beiden sind die jüngsten. Und der Reinhard ist mit 73 der Älteste. Ein Gründungsmitglied haben wir noch: Max Reiser aus Klettham. Von ihm stammt unsere Hilton Lodge, eine Art Absteige. Sie ist ein verkleideter Wohnwagen. So ging’s bei uns los vor 40 Jahren, mit dem Ausschmücken von Wohnwagen. Seitdem hat sich viel getan.

Sind bei Ihnen auch Indianer geduldet?

Thaler: Die würden wir schon reinlassen, wenn welche kommen würden (lacht).Wir hatten sogar mal tatsächlich einen. Keinen echten, aber der hat sich immer ganz stilecht gekleidet. Der hat sogar in einem Wigwam gelebt. Aber das war vor 30 Jahren, da war ich noch nicht dabei. Ich kenne ihn nur aus Erzählungen. Erst im August waren wir aber beim Indianer- und Trappertreffen auf dem Hausler-Hof in Hallbergmoos. Das haben die Southernstars aus Eichenried veranstaltet, bei denen wir Mitglied sind.

Was machen Sie Cowboys denn so? Mit Lassos Kühen nachjagen und es mit dem Gewehr krachen lassen?

Thaler: Nein, nein, nein (lacht)! Bei uns wird nicht scharf geschossen. Die Gewehre und Revolver sind teils unscharf gemacht, teils sind es Nachbildungen. Und mit dem Lasso sind wir auch nicht unterwegs. Früher hatten wir aber mal zwei, drei Pferde.

Jetzt nicht mehr?

Brunner: Leider nicht mehr. Es hängt halt einfach viel dran. Da muss täglich wer da sein und sich um die Tiere kümmern.
Thaler: Wir treffen uns jeden Freitag ab 18.30 Uhr. Da darf jeder gerne mal vorbeischauen. Um die Zeit ist immer wer da. Wie gesagt, wir freuen uns über neue Mitglieder. Wir treffen uns aber auch an anderen Tagen, zum Schafkopfen zum Beispiel.

Pokern wäre da aber historisch korrekter, oder?

Thaler: Das stimmt. Und wir können auch pokern. Aber es spielen halt auch Nichtmitglieder mit, und die haben mit Pokern nichts am Hut. Wir sind eben in Bayern.

Schauen Sie sich auch Western an?

Thaler: So Western-Abende haben wir auch schon gemacht, klar.
Brunner: So ganz alte Schinken halt. Mit John Wayne zum Beispiel, oder mit Gary Cooper. Aber 95 Prozent von den Hollywood-Sachen stimmen ja nicht so wirklich...

Was zum Beispiel?

Brunner: Den Revolver tragen sie immer verkehrt herum. Außerdem waren die Cowboys ja keine Revolver-Helden. Und Whiskey getrunken haben sie auch nicht so viel. Den konnten sie sich oft nicht leisten. Überwiegend haben sie Kaffee getrunken, so ganz dünne Plörre.

Und was trinkt man bei Ihrem Verein so? Kaffee oder doch lieber Whiskey?

Brunner: Naja, es gibt schon beides (lacht).
Thaler: Sowohl als auch(lacht).Brunner: Und Bier natürlich, da wir ja in Bayern sind.
Thaler:
Wir machen übrigens unseren eigenen Whiskey, den Hudson Bay (Meeresbucht in Kanada; Anm. d. Red.).

Oha, ein eigener Whiskey?

Brunner: Naja, er ist eher ein Likör, eher süßlich. Er hat so 25, 30 Prozent Alkoholgehalt. Der Reinhard macht den.
Thaler(zu unserem Autor):Wollen Sie probieren? Ich hol’ einen. (Unser Autor nippt nur, es ist ja erst Freitagvormittag.)

Der schmeckt tatsächlich gut. Verraten Sie mir Ihr Geheimrezept?

Thaler: Da kommt Rum rein, Vanille- und Zimtstangen. Außerdem Ahornsirup, und ja kein Wasser. Das Ganze muss dann so sechs Wochen stehen. Verkaufen tun wir den Whiskey nicht, sonst kriegen wir bloß Ärger. Bei unserem Ranchfest ist er aber freilich zu haben.

Sie haben sogar ein Gefängnis. Wer wird denn da so eingesperrt?

Thaler:Die Randalierer (lacht)!
Brunner: Mittlerweile haben wir das Gefängnis zur Küche umfunktioniert. Aber früher, bei Versammlungen, wenn sich wer daneben benommen hat, hat einen der Sheriff schon mal eingesperrt. Das lief aber mit viel Humor ab.

Sie haben sogar einen Sheriff?

Brunner: Freilich. Das ist der Sepp Lachner aus Schwaig.

Was sagen denn Freunde und Bekannte, die nichts mit Cowboys am Hut haben, zu Ihrer Leidenschaft?

Brunner: Bei uns in der Arbeit, mein Chef, der hat’s gar nicht fassen können, dass es einen solchen Club überhaupt gibt. Viele Kollegen waren schon bei unserem Ranchfest. Die haben alle gestaunt, weil sie dachten, wir haben bloß eine Hüttn. Aber unsere Bone-Trail-Town mit Lagerfeuer bei Nacht – das hat schon was. Leider ist bei unseren Festen meist schlechtes Wetter.
Thaler: Bei uns wird aber kein Fest abgesagt. Da müsste die Welt untergehen!

Waren Sie selber schon mal im Wilden Westen?

Brunner: Ich war schon mal in Texas und habe dort Cowboys gesehen. Das ist aber auch nicht mehr das, was es einmal war. Die fahren heute mit dem Pickup daher.
Thaler: Ich war zwölfmal in Kanada, hatte einen Onkel dort. Da habe ich mir Indianer-Reservate angeschaut. Sie leben in etwa so wie bei uns die Sinti.

Wenn Sie eine Zeitmaschine hätten, würden Sie zurückreisen wollen in den Wilden Westen des 19. Jahrhunderts?

Thaler: Eher nicht. Das wirkliche Cowboy-Leben hat nichts mit dem im Film zu tun.
Brunner: Der Reinhard hat als Nachkriegskind natürlich noch eine andere Zeit erlebt als ich. Interessieren würd’s mich schon.

Ranchfest-Programm:

Das Ranchfest findet am Samstag, 14. September, in der Bone- Trail-Town an der Sandstraße 14 in Schwaig statt. Beginn ist um 15 Uhr mit Kaffee und Kuchen. Zum Essen gibt es außerdem Chilli, Burger, Spareribs, Würstl und Folienkartoffeln. Für die Kleinen gibt es ein Kinderprogramm, und ab 18 Uhr sorgt Ronny Nash für Live-Musik. Der Eintritt ist frei. Die Veranstalter rechnen wieder mit mehreren hundert Besuchern.

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