Emily fest im Griff: Robert Müller hält die legendäre Kühlerfigur. Der Rolls-Royce auf dem Bild ist ein Phantom VIII.
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Emily fest im Griff: Robert Müller hält die legendäre Kühlerfigur. Der Rolls-Royce auf dem Bild ist ein Phantom VIII.

Robert Müller arbeitet mit Luxuswagen – und hat entsprechend viel mit Promis zu tun

James Bonds Fahrlehrer

  • Markus Schwarzkugler
    vonMarkus Schwarzkugler
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Robert Müller hat ein spannendes Berufsleben: Der 51-jährige Schwaiger arbeitet seit über 30 Jahren mit Luxusautos. Seine Herzensmarke: Rolls-Royce. Rudolph Moshammer, Thomas Gottschalk, Roger Moore und viele mehr: Müller hat viel mit Promis zu tun. Klar: Die Gefährte kosten ja auch ein bisserl was.

Schwaig - Er hat James Bond das Autofahren erklärt, in der Woche vor Rudolph Moshammers Tod noch mehrfach mit dem Modeschöpfer telefoniert. Auch bei Thomas Gottschalk saß er auf der Couch, und zu seinem Kundenkreis zählen Königshäuser. Welcher Promi könnte gemeint sein, werden Sie sich fragen. Nein, er selbst ist kein Promi, doch er hat eben viel mit ihnen zu tun. Und zwar, weil er seit über drei Jahrzehnten unter anderem mit der Luxusautomarke Rolls-Royce arbeitet. Robert Müller, 51, blondes, nach hinten gestriegeltes Haar, ist viel herumgekommen in der Welt. Sein Lebensmittelpunkt ist bis heute jedoch Schwaig geblieben.

Dort wuchs er bereits auf, in einer Großfamilie. „Wir waren 13 Kinder, ich bin der vorletzte. Wir hatten eine schöne Kindheit, einen großen Garten. Meine Mutter Thekla war gelernte Schneiderin und eine herzensgute Mama. Mein Vater Johann, jeder nannte ihn Hans, arbeitete 44 Jahre im Fliegerhorst als Kraftfahrer für Spezialfahrzeuge – ein begnadeter Handwerker, der alles reparieren konnte, vom Auto über den Traktor bis hin zur Standuhr“, erzählt sein Sohn, der die Grundschule in Oberding besuchte und später die Erdinger Realschule.

Noch wenig Ahnung von Luxuswagen hatte Müller im Alter von neun Jahren.

„Ohne die Tugenden Zuverlässigkeit, Disziplin und Fleiß gewinnst Du nicht in der Großfamilie“, blickt Müller zurück. Bei ihm seien Neugierde und „eine gut ausgeprägte Rhetorik“ hinzugekommen. „Oder, wie man in Bayern sagt: Ich war ned aufs Mei gfoin“, so Müller.

Irgendwie passend dazu wollte er einen kreativen Beruf ergreifen, vielleicht sogar im Fernsehen. Doch es kam anders, als ein Autohaus mit englischen Fahrzeugen im Münchner Osten einen Bürolehrling suchte. Müllers Ausbilungsschwerpunkte: Schadensmanagement, Personalwesen, Buchhaltung, Service und Handel. Angetan hatte es ihm zunächst die Marke Jaguar. „Das weckte mein Ästhetik-Empfinden“, erinnert sich Müller. „Ich wusste nicht, dass es dazu noch eine Steigerung gibt, bis zu dem Tag, als wir einen Rolls-Royce in Zahlung nahmen.“

Nach der Lehre ging es für Müller weiter zu einem Händler für japanische Autos. Zwar nur ein kurzer Zwischenstopp, aber mit Langzeitwirkung. Denn dort lernte er seine spätere Ehefrau Sonja kennen. Seit 1991 ist das Paar zusammen, 2006 wurde geheiratet und kam Sohn Valentin zur Welt.

Beruflich folgte Müller mit rund 20 seinem Ausbilder zum damals führenden Anzinger Luxuswagenhändler Auto-König als Serviceberater, vorerst für die Marken Rover MG, Range Rover, Jaguar, Lotus und Maserati. „Dort war ich einer der Jüngsten und wohl auch ein kleiner Paradiesvogel im Vergleich zu den alteingesessenen Kollegen. Blondierte Haare und extravagante Kleidung waren mein Markenzeichen“, blickt Müller schmunzelnd zurück.

Doch genau dieser Paradiesvogel übernahm nach kurzer Zeit die Teamleitung der Serviceberater und widmete sich damit auch den restlichen Fabrikaten des Hauses – darunter endlich auch Rolls-Royce. 2001 wurde Müller zusätzlich Geschäftsführer einer Tochtergesellschaft. Sein wöchentliches Arbeitspensum: 60 bis 65 Stunden, Wochenenden inklusive. „Ich war damals schon sehr auf Qualität und Erfolg fixiert“, sagt Müller, der einige Jahre später auch noch die Service-Leitung des separierten Ferrari-Betriebs der Firmenholding in München übernahm.

Kein Wunder, dass er viel herumkam. „Es fehlen nur wenige Länder in Europa, die ich noch nicht beruflich mehrfach bereist habe. Mein Bedarf an Flügen im privaten Bereich war auf lange Zeit gedeckt“, so Müller, der sich gerne an einen „Ice-Drive“ auf einem gefrorenen See in Lappland zurückerinnert und zugibt, in England – trotz mindestens zwei bis drei Aufenthalten im Jahr – nie selber gefahren zu sein. Aus Respekt vor dem Linksverkehr.

Seine Kunden bei Auto-König: Adelige, Industrielle, Manager, Königshäuser, Privatiers, Schauspieler, Sterneköche, Spitzensportler. „Aber es gab auch ganz normale Menschen wie du und ich, die sich mit einem Gebrauchtwagen-Einsteigermodell einen Lebenstraum erfüllt haben.“

Wie geht man mit reichen Menschen mit sicherlich nicht gerade kleinem Selbstbewusstsein um? Müllers Devise: Einfühlungsvermögen und eine Konversation auf Augenhöhe. Gut, dass er eben nicht auf den Mund gefallen war. „Manche Kunden haben bis zu tausende von Angestellten in ihren Konzernen beschäftigt und erwarten dann nicht ein Gegenüber in devoter Haltung, sondern jemanden, der auf gleichem Niveau mit ihnen ehrlich kommuniziert.“ In solchen Gesprächen helfen Themen wie gemeinsame Hobbys. Nur Religion und Politik – zwei doch recht subjektive Dinge – lässt Müller lieber außen vor.

Schon in den ersten Wochen bei Auto-König hatte er Promis wie Schauspielerin und Schriftstellerwitwe Charlotte Kerr-Dürrenmatt oder Schauspieler Heinz Rühmann am Telefon. „Die Leute waren oft in einem gesetzten Alter oder sehr beschäftigt, so dass sie ihre Fahrzeuge nicht selbst vorbeibrachten, sondern abholen ließen“, erzählt Müller. Manche Promis seien mit heruntergezogener Kapuze durch die Schauräume geschlendert. Egal, ob Schauspieler, Musiker oder Künstler: Müller erkannte sie oft und verwickelte sie in ein Gespräch. „Bunte und Gala lesen ist sehr hilfreich, um zu wissen, wer dir da gerade gegenübersteht“, so Müllers Geheimrezept.

Auch Thomas Gottschalk (l.) schaute bei Robert Müller (r.) vorbei. Das Bild zeigt die beiden mit Firmeninhaber Michael Schmidt beim Signieren von Schürzen.

Auch Thomas Gottschalk schaute bei ihm immer mal wieder vorbei. Über dessen persönliche Assistentin kam Müller gelegentlich an Karten für dessen TV-Shows und traf backstage auf Stars wie Bud Spencer oder Brigitte Nielsen. Einen unvergesslichen Eindruck hinterließ bei ihm aber ein anderer: James-Bond-Darsteller Sir Roger Moore. „Ich wurde von Gottschalks Assistentin gebeten, einen englischen Sportwagen in die Sendung mitzubringen, da ein James-Bond-Special aufgezeichnet wurde“, erzählt Müller, der Moore dann am Steuer erklärte, wie er den Lotus Esprit am besten ins Studio fährt.

Über viele Jahre betreute Müller auch die Gefährte von Rudolph Moshammer. Ein für viele eigenwilliger Mensch, mit dem er aber gut ausgekommen sei. Nach Moshammers Ermordung wurden seine drei Rolls-Royce in Anzing gelagert – das Autohaus wurde damals zu einer regelrechten Pilgerstätte – und später bei einer Wohltätigkeitsauktion verkauft.

Mit Schauspieler und Moderator Alexander Mazza bei einem Fest.

„Kundenevents und Veranstaltungen gehören zu meiner Passion“, sagt Müller. Gemeinsam mit Sterneköchen wie Bobby Breuer oder Holger Stromberg hat er Menüs für Empfänge und Partys zusammengestellt.

„Strive for Perfection“, das Streben nach Perfektion, so der Leitsatz von Rolls-Royce. Den habe er auch für seine Karriere zum Motto erklärt, sagt Müller. Bei den hohen Beträgen, mit denen er täglich zu tun habe – ein Rolls-Royce kostet immerhin ein paar 100 000 Euro – sollten ja auch keine Fehler passieren, auch nicht bei täglichen Ausfahrten damit. 2018 wurden er und sein Team zum besten Rolls-Royce-Händler weltweit gekürt.

Doch immer perfekt lief es auch in seiner Karriere nicht: Auto-König musste 2009 in die Insolvenz. Müller gründete mit einem befreundeten Geschäftsführerkollegen eine Gesellschaft, um Teile der Firma fortzuführen. Doch am Ende wurde die Traditionsfirma nach monatelangen Verhandlungen ganz geschlossen. „Das war dann auch der Zeitpunkt, zu dem ich entschieden hatte, mir eine längere Auszeit zu nehmen, nachdem ich jahrelang mit wenig Freizeit einen ausgefüllten Job hatte. Diese neue Situation war für mich sehr gewöhnungsbedürftig.“

Nach seiner dann doch nur kurzen Auszeit ging Müller nach Baierbrunn, wo er seit gut zehn Jahren das BMW/MINI & Rolls-Royce Autohaus leitet. Wie berichtet, wollen Müller und die Firmeninhaber mit Rolls-Royce ein modernes Autohaus an der Eichenstraße in Schwaig und damit in Flughafennähe errichten. Der Gemeinderat hat über die Vergabe seiner Gewerbeflächen noch nicht final entschieden.

Ein Autohaus der persönlichen Herzensmarke quasi direkt vor seiner Haustür – das wäre was für den Ur-Schwaiger, der zuhause, zum Ausgleich vom Arbeitsleben, neben der Familie Kontakt zu Freunden sucht, die er schon seit der Kindheit kennt. „Ich liebe Musik, gehe auf Konzerte, verpasse kein Programm von Martina Schwarzmann und Monika Gruber, fahre viel Fahrrad, liebe Südtirol und verbringe dort auch viele meiner Urlaube“, sagt Müller. Die Familie daheim erde ihn. „Meine Frau und meinen Sohn interessiert es nicht primär, ob ich tagsüber mit großen Berühmtheiten oder Personen aus dem öffentlichen Leben zu tun hatte, oder welches bis zu 600 000 Euro teure Einzelstück ich tagsüber gefahren bin. Daheim bin ich nur Ehemann und Papa“, sagt Müller, dem gefällt, dass ihn seine beiden Herzensmenschen dennoch ab und an zu Events begleiten. „Mein Sohn interessiert sich dann etwas mehr für meinen Berufsalltag, wenn ich ihm signiertes Trikot wie letztens von David Alaba mit nach Hause bringen kann“, erzählt der Papa schmunzelnd.

Die Familie kommt ab und zu auch mit: Müller mit Ehefrau Sonja und Sohn Valentin bei einem Sommerfest.

Die dreiköpfige Familie wohnt heute nicht weit entfernt von seinem Elternhaus. Die Heimat hat Müller also trotz aller Reiserei nie verlassen. Und seinen bayerischen Akzent hat er sich auch nie abgewöhnt, selbst bei der Moderation von Veranstaltungen vor Prominenz. „Ein Journalist hat mal geschrieben, meine Berufsbezeichnung Ownership Services Manager passe nicht zu meinem bajuwarischen Zungenschlag. Das Hochdeutsch ist aber einfach nicht mein bester Spezl. Und den Kunden gefällt mein Dialekt.“ Gerade bastelt er an einem Youtube-Kanal mit dem Titel „Bayern im Rolls-Royce“. Müller will Rolls-Fahrer daheim zum Ratsch besuchen oder bayerische Persönlichkeiten auf eine Probefahrt mitnehmen.

Abschließend bleibt nur noch die Frage, ob er denn privat auch einen Rolls-Royce in der Garage stehen hat? „Meinen eigenen Phantom VII lege ich mir besser erst in einigen Jahren zu, wenn ich dann Zeit habe, das Auto auch zu nutzen und zu genießen“, meint Müller, der sich schon in jungen Jahren mehrere Jaguar zugelegt hat. „Geschäftlich fahre ich einen BMW – was sonst?“, meint er. Nun ja, einen Rolls-Royce eben. Aber das kommt ja wie gesagt noch.

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