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Die Badegäste am Notzinger Weiher schätzen Ruhe und Natur. Der Protest gegen die Pläne für Jugendzeltplatz und Umgestaltung ist groß. Das machte auch der gute Besuch des Infoabends im Bürgerhaus Notzing deutlich. Viele Kritiker kamen zu Wort – hier am Mikro Christine Hargasser. 

Jugendzeltplatz zum Notzinger Weiher

Angst vor Vertreibung aus dem Badeparadies

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Der Jugendzeltplatz wird kommen. Das mussten 150 Fans des Notzinger Weihers am Montag hinnehmen. Einige Kritikpunkte der Besucher des Infoabends will der Landrat aber prüfen lassen.

Notzing – Idyll, Juwel, Diamant – Badegäste beschreiben den Notzinger Weiher ausschließlich in Superlativen. Wegen des dort geplanten Jugendzeltplatzes und der damit angestoßenen Umgestaltung des Gewässers fürchten viele von ihnen die Vertreibung aus dem Badeparadies. Entsprechend sahen sich Vertreter des Landratsamtes und Planer bei einem Informationsabend am Montag im Bürgerhaus Notzing einer Front aus Kritikern gegenüber. Mit knapp 150 Besuchern war der Saal gesteckt voll. Immer wieder brandete trotziger Applaus auf. Gleich zu Beginn stellte Landrat Martin Bayerstorfer aber eines klar: „Am Jugendzeltplatz ist nicht zu rütteln.“

Der zuständige Ausschuss des Kreistages habe die Errichtung im November einstimmig beschlossen, sagte er. Die Billigung des Bauantrags durch den Gemeinderat Oberding erfolgte erst kürzlich. Nun gehe es um weitere Umweltprüfungen und die Auswahl des Zeltplatz-Betreibers. „Für mich fällt jeder weg, der ein Konzept mit Jugendlichen über 16 Jahren anbietet“, erklärte der Landrat – und erhielt immerhin dafür breite Zustimmung im Saal. Es werde um maximal 60 Jugendliche gehen, ausschließlich in betreuten Gruppen.

Im Laufe des Abends fielen auch immer mehr Äußerungen pro Zeltplatz. Die Entwürfe, die Landschaftsplanerin Elisa Scheibl und Architekt Udo Rieger präsentierten, stießen jedoch mindestens auf Argwohn. Hier machte Bayerstorfer deutlich, dass der Informationsabend der Beginn eines Dialogs mit den Bürgern sei. Diese ersten Gespräche führte er am Montagabend im freundlichen Plauderton. „Das ist der Maximalkatalog. Wir wollen das ergebnisoffen diskutieren“, versprach der Landkreischef. Denn anders als beim Zeltplatz sei zur Ertüchtigung des Weihers nichts entschieden.

Heinrich Link, der seit 46 Jahren den Kiosk am Notzinger Weiher betreibt, wandte sich in seiner Wortmeldung gegen den Naturlehrpfad am nordwestlichen Ufer. Wenn überhaupt, dann solle man einen solchen Pfad doch an den benachbarten Weiher im Süden verlegen. Das will der Landrat prüfen lassen. Umweltpädagogin Sabine Lanzner vom Bund Naturschutz bezeichnete einen solchen Pfad gar als „völlig sinnfrei“

Auch gegen eine Terrasse im Bereich des Kiosks argumentierte Link. Dort würden Schilf und Schwertlilien wachsen, Frösche und Lurche leben. „Das ist ein wunderschöner Blick da“, rief er und erntete donnernden Beifall – sowie Unterstützung von Kreisfachberater Michael Klinger. „Die Schilfbestände sind naturschutzfachlich sehr wertvoll und sollten erhalten werden“, erklärte der Experte. Da lasse er sich von seinem Mitarbeiter überzeugen, sagte der Landrat. Auch Links Kritik an einem vorgesehenen Wendeplatz für Busse griff Bayerstorfer auf. Das könne man streichen.

Christine Hargasser erinnerte an die 230 Unterschriften gegen den Jugendzeltplatz und sprach von Verschandelung. „Wir haben so ein Idyll vor der Haustür und wissen es nicht zu schätzen“, sagte die Erdingerin. Sie sei ja nicht gegen das Zeltlager – „aber warum gerade hier?“ Auf solche Äußerungen antwortete Bayerstorfer: „Der Notzinger Weiher gehört dem Landkreis und soll den Bürgern zur Verfügung stehen – auch Kinder- und Jugendgruppen.“

Das Konzept mit Stegen, einer Gliederung der Liegewiesen, Sanitäranlagen und dem Naturlehrpfad stand insgesamt in der Kritik. „Der Erholungswert wird dadurch nicht besser – und es kostet auch noch Geld“, erklärte Manfred Drobny, Kreisgeschäftsführer des Bund Naturschutz.

Den besonderen Wert des Notzinger Weihers unterstrich Johannes Maier. Er arbeite beim Bayerischen Fernsehen, und seine Kollegen aus den Umweltredaktionen hätten ihm bestätigt: „Es gibt nur drei Seen in ganz Bayern, die so bewachsen sind.“ Auch eine Mutter von zwei Kindern kritisierte die Planung: „Ist Ihnen das nicht Natur genug?“ Einen Kronthaler Weiher gebe es ja schon. Thomas Bruch stieß ins selbe Horn: „Verschönern oder verbessern kann man ein Juwel nicht.“

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