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Die Wall-Arbeiten laufen bereits auf Hochtouren.

Es geht um 2,2 Hektar - Kopfschütteln im Gemeinderat Oberding

Ärger um Rodungen am Lärmschutzwall: Flughafen und Regierung erklären Maßnahme

  • Markus Schwarzkugler
    VonMarkus Schwarzkugler
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Ein großer Lärmschutzwall wird derzeit südlich des neuen Südrings am Flughafen gebaut. Auf insgesamt 2,2 Hektar Fläche müssen dort nun auch noch Bäume und Sträucher gerodet werden – zum Schutz der Wiesenbrüter. Das stieß im Gemeinderat Oberding auf Kritik. „Jetzt wird’s dann albern“, meinte Bürgermeister Bernhard Mücke in der Sitzung am Dienstag. Der Naturschutz werde „schön langsam zum Schildbürgerstreich“. Ohne die Maßnahme müsse der Wall wieder weg, fasste Mücke zusammen.

Schwaig/Flughafen – Er berichtete von einer Mitteilung der Flughafengesellschaft (FMG), wonach zügig gerodet werden müsse. Dabei handle es sich um eine Auflage der Höheren Naturschutzbehörde. Den Wiesenbrütern gehe demnach Fläche verloren. Mücke zweifelte in Bezug darauf an, dass die Vögel nicht auch auf den Wällen heimisch werden könnten.

Im Gremium gab es größtenteils Kopfschütteln. „Da fehlt mir jegliches Verständnis“, meinte Georg Ascher. Und Georg Stemmer berichtete von bis zu 20 Meter hohen, „ganz alten Eschen“, die der Maßnahme zum Opfer fallen würden. „Das sind ganz große Bäume. Da kriegst ja einen Vogel“, schimpfte Wolfgang Hirner.

Wie berichtet, hat Mücke nach eisernen Verhandlungen die FMG dazu bewegt, auf ihre Kosten zwei große Lärm- und Sichtschutzwälle für die Ortschaften Schwaig und Schwaigerloh errichten zu lassen. Diese entstehen südlich des neuen Südrings. Der größere Wall, der in der Entstehung bereits ziemlich weit ist, verläuft in west-östlicher Richtung und ist 750 Meter lang, der kleinere wird sich in nord-östlicher Richtung auf 160 Metern Länge erstrecken.

Gegenüber unserer Zeitung sagte Mücke, dass die nun zu rodenden Gehölzer südlich des Walls im Sommer, wenn es blühe, eine zusätzliche Schutzwirkung ermöglicht hätten. „Keiner hat damit gerechnet, dass diese Auflage kommt. Die Menschen gehören auch geschützt“, so Mücke zu unserer Zeitung.

Gemeinderätin Gabriele Kronseder war derweil von der kritischen Stimmung in der Sitzung wenig angetan. Es werde schon gute Gründe für die Auflage geben. Im Gremium solle man „sich nicht immer gleich empören“.

Auf Nachfrage unserer Zeitung erklärt Josef Schwendner von der FMG, dass das Ganze „zumindest in Bezug auf Wiesenbrüter Sinn und Zweck“ habe. Durch Gehölzflächen und nun zusätzlich den Wall werde der Raum für die Brüter, von denen es in dem Bereich viele gebe, verloren gehen. Deswegen brauche es nun die Ausgleichsmaßnahme. Außerdem habe der Wall eine „Distanzwirkung“ auf die Vögel.

„Die von den Lärm- und Sichtschutzwällen ausgehende Kulissenwirkung führt in der Regel dazu, dass an den Wällen angrenzende Bereiche (von den Wiesenbrütern; d. Red.) gemieden werden, so dass diese als Lebensraum nicht mehr zur Verfügung stehen“, erklärt die Pressestelle der Regierung von Oberbayern, der die Höhere Naturschutzbehörde unterstellt ist, auf Anfrage. Das Gesamtkonzept der Wälle, dem die Gemeinde zugestimmt habe, beinhalte ein fachlich abgestimmtes Ausgleichskonzept, das die Aufwertung der Wiesen im Hinblick auf die Habitatansprüche vorsehe. Die Wälle selbst böten keine geeigneten Lebensräume für die betroffenen wiesenbrütenden Vogelarten.

Wegen der Wälle sei lange mit der Gemeinde diskutiert worden, die FMG habe darauf hingewiesen, dass in Sachen Naturschutz etwas gemacht werden müsse, so Schwendner. Die Ausgleichsmaßnahme koste die FMG „wieder viel Geld“. Das komme hinzu zu der freiwilligen Wall-Errichtung, die die FMG ein bis zwei Millionen Euro kostet, schätzt Schwendner.

Ihm zufolge werden die fünf Meter hohen Wälle heuer weitgehend fertig. Der größere Wall sei „monströs“ geworden, findet Schwendner. Das habe die Gemeinde so massiv gewollt und habe es so auch von der FMG bekommen – auch wenn Oberding keinen Rechtsanspruch darauf gehabt habe, betont er.

Ob die Rodungen bereits laufen, konnte Schwendner gestern nicht sagen. Es ist aber Eile geboten, denn ab dem 1. März dürfe nicht mehr gerodet werden. Bäume und Sträucher würden nun „auf Stock gesetzt“. Die Wurzeln werden also nicht entfernt, sondern die Pflanzen einige Zentimeter über dem Boden abgeschnitten. Schwendner erklärt, dass die Gehölze ohnehin regelmäßig von der FMG zurückgeschnitten werden. Sie dürften nicht zu hoch werden und so den Flugzeugen beim Landen in die Quere kommen.

Die Regierung betont noch, dass die Beseitigung von Gehölzbeständen als Teil des Ausgleichskonzeptes Gegenstand der Unterlagen der FMG und nicht von der Höheren Naturschutzbehörde zur Auflage gemacht worden sei.

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