Ihr ganzer Stolz: Ortsbäuerin Monika Mayr vor ihrer Hofhütte in Notzing, wo sie sonntags Kuchen verkauft.
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Ihr ganzer Stolz: Ortsbäuerin Monika Mayr vor ihrer Hofhütte in Notzing, wo sie sonntags Kuchen verkauft.

LANDFRAUEN-BESUCH - Monika Mayr, Kartoffelbäuerin aus Notzing, spricht über ihre Leidenschaft

„Kuchenbacken ist mein Yoga“

  • vonAlexandra Anderka
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Rindsschnitzel mit Salzkartoffeln zum Mittagessen und einen Kartoffelsterz am Nachmittag des Ersten Weihnachtsfeiertags. So ist es Tradition bei Familie Mayr aus Notzing. Dabei rührt die Kartoffel-lastige Menüfolge gar nicht daher, dass die Mayrs Kartoffelbauern sind. Monika Mayr hat die Tradition aus ihrer niederbayerischen Heimat, dem Bayerischen Wald, mitgebracht.

Notzing – Bis Weihnachten werden an jedem Advent-Wochenende in der Heimatzeitung Bäuerinnen aus dem Landkreis vorgestellt. Sie erzählen von ihrem täglichen Ablauf und ihren Traditionen an Weihnachten. Als Service und Anregung gibt es deren Weihnachtsrezepte.

Im Winter klingelt bei Monika Mayr um 6 Uhr der Wecker, im Sommer schon um 5 Uhr. Bevor es gemeinsam mit ihrem Mann Herbert in den Stall geht, wo 50 Stiere versorgt werden müssen, trinkt die 54-Jährige erst einmal in Ruhe einen Kaffee. „Den brauche ich, dann bin ich startklar“, sagt die quirlige Ortsbäuerin.

Wiederkehrend ist bei Mayr nur der Stallgang, ansonsten hängt ihr Tagesablauf von der Saison und dem Wetter ab. „Im Januar und Februar kisten wir die Kartoffeln ein und bringen sie ins Vorkeimhaus.“ Im März werden die Knollen gesetzt. Die Mayrs bauen aber auch noch Mais und Weizen an, den brauchen sie für ihre Tiere. Im Frühjahr werden dann die Frühkartoffeln je nach Bestellung herausgeholt. „Die kann man ja nicht lagern“, erklärt die Landwirtin. Drei Sorten bauen die Mayrs an: Annabel, Ditta und Quarta. „Die Annabel ist zwar ein bisschen zickig, aber auf die bestehe ich. Die sind die Besten.“

Die große Ernte erfolgt Ende Juni bis Mitte Juli. „Ab der zweiten Septemberwoche wird jeden Tag Kartoffeln geklaubt und sortiert. Dann werden sie in einer Halle außerhalb von Notzing eingelagert, getrennt nach Saat und Verkauf.

Monika Mayr ist Bäuerin mit Leib und Seele, aber ihre Leidenschaft ist das Kuchenbacken. Seit drei Jahren ist sie jeden Freitag mit ihren Köstlichkeiten auf dem Bauernmarkt in Erding und verkauft neben Süßem auch noch Kartoffelsuppe. „Die lieben meine Kunden“, freut sie sich.

Seit Kurzem gibt es Monis Hofhütte auf dem Hof in Notzing. Geöffnet ist immer sonntags. Für den Nachmittagskaffee stehen dort jede Menge Kuchen und Torten bereit, in der Weihnachtszeit wird das Angebot mit Stollen und Plätzchen komplettiert. Also backt die Mutter von zwei erwachsenen Töchtern neuerdings nicht nur am Donnerstag, sondern auch noch am Freitag zwölf bis 15 verschiedene Kuchen. „Ich liebe es, das ist mein Yoga“, sagt sie. „Der Rotweinkuchen ist der Renner, obwohl er eigentlich ganz einfach ist“, wundert sich die Landfrau. Sie selbst mag den Kuchen am liebsten, den sie nie macht: die Hinterberger Torte. Obwohl ihre Kunden erwarten würden, dass sie jeden Freitag die liebgewonnenen Kuchen dabei hat, probiert die Ortsbäuerin auch immer wieder neue Rezepte aus, die sie meist selbst kreiert. „Was mit Rhabarber geht, sollte doch auch mit Äpfeln klappen, dachte ich mir heuer, und so entstand ein neuer Baisser-Kuchen.“ Das Obst für ihre Kuchen stammt aus dem eigenen Garten.

An Weihnachten kommt bei den Mayrs die Großfamilie zusammen. Die beiden Töchter bringen ihre Männer und Kinder mit. Mayr ist schon vierfache Oma. Die Uromas und Uropas feiern normalerweise auch mit. „Aber heuer wird das wohl nicht klappen“, bedauert sie.

Mayr genießt an Weihnachten die glänzenden Augen ihrer Enkelkinder. „An Heiligabend gehen wir nach dem Nachmittagskaffee alle gemeinsam in den Stall, den ich an diesem Tag mit Weihrauch räuchere. Danach wird geduscht, und die Kleinen warten im Enkelkinderzimmer, bis das Glöckchen läutet, denn dann war das Christkind da“, erklärt die Notzingerin. Doch bevor der Nachwuchs das Wohnzimmer stürmen darf, liest die junge Oma noch eine Weihnachtsgeschichte vor, und alle zusammen singen „Stille Nacht“. „Letztes Jahr hat mein Enkel das Lied ganz schnell runtergeleiert“, erzählt Mayr lachend. Und dann, endlich, ist Bescherung. Zum Abschluss gehen alle zusammen in die Christmette. Am ersten Weihnachtsfeiertag ist nochmals Großfamilie angesagt, am zweiten kehrt dann Ruhe ein.

Rezept:

Rindsschnitzel: Je nachdem, wie viele Personen mitessen, kauft Monika Mayr Rindsrouladen. Diese halbiert sie. In Fett werden die Stücke kurz rausgebraten und aus der Reine geholt. Darin brät sie Zwiebeln und Tomatenmark an. Das Fleisch kommt zurück in den Topf. Das Ganze löscht die Ortsbäuerin mit einer halben Flasche Wein ab, würzt mit Salz und Pfeffer, legt ein Loorbeerblatt dazu und lässt das Ganze rund eineinhalb Stunden auf kleiner Flamme köcheln. Dazu serviert sie Salzkartoffeln.

Kartoffelsterz: Dafür werden mehlige Kartoffeln nach dem Kochen durch eine Kartoffelpresse gedrückt. Mayr würzt die Masse mit Salz und Muskatnuss und gibt so viel Mehl dazu, bis die Masse bröslig wird. Der Kartoffelschmarrn wird portionsweise in viel Butter herausgebraten. Als Beilage dienen Sauerkraut oder Apfelmus.

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