Farbenfrohe Vielfalt: Landwirt Robert Strobl ist zufrieden mit der Wiese, die er dem BN verpachtet hat.
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Farbenfrohe Vielfalt: Landwirt Robert Strobl ist zufrieden mit der Wiese, die er dem BN verpachtet hat.

Niederdinger Bauer verpachtet Blühwiese – BN: Mehr Vielfalt als auf üblichen Streifen

Ein Hektar große Blühwiese bei Niederding: Landwirtschaft und Naturschutz Hand in Hand

  • Markus Schwarzkugler
    vonMarkus Schwarzkugler
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Der Bund Naturschutz pflegt zwischen Niederding und Schwaig eine ganz besondere Blühwiese.

Niederding – Blühwiesen blühen eigentlich nur ganz friedlich vor sich hin. Groß war bekanntlich trotzdem der Aufruhr um eine solche 6000 Quadratmeter große Fläche bei Notzing. Der Gemeinderat hatte nach teils heftiger Kritik und einer 9:9-Pattabstimmung einen gemeindlichen Zuschuss für den Bund Naturschutz (BN) in Höhe von 1000 Euro verwehrt. Ein paar Kilometer weiter geht es etwas ruhiger zu. Zwischen Niederding und Schwaig pflegt der BN nämlich eine zweite Blühwiese. „Es flattert, summt und zirpt überall“, weiß BN-Kreisgeschäftsführer Manfred Drobny ein Jahr nach der Aussaat von dort zu berichten.

Die einen Hektar große Wiese des BN blüht ihm zufolge fleißig auf: Lichtnelken, Kornblumen, Wilde Möhre und Wiesenflockenblumen bieten einer Vielzahl von Insekten ein reiches Nahrungsangebot. „Zwischen Schwaig und Niederding erfreut sie auch Augen und Ohren der Passanten“, sagt Drobny.

Eigentümer der Fläche ist Robert Strobl, ein Landwirt aus Niederding. „Er ist auch sehr erfreut über die Entwicklung seines ehemaligen Ackers hin zu einer artenreichen Wiese“, berichtet der BN-Geschäftsführer. Bauer und Bund Naturschutz gehen zusammen eine Symbiose ein. Der BN hat die Fläche von Strobl längerfristig und sehr günstig verpachtet bekommen. Im Gegenzug kann der Landwirt das Heu für seine Pferde nutzen.

Dass alles bislang so gut klappt, war nicht unbedingt abzusehen. „Es waren schwierige Ausgangsbedingungen durch die Baustelle der Erdgasfernleitung, die das Grundstück stark in Mitleidenschaft gezogen hat“, berichtet Drobny. Dank der Unterstützung des Niederdinger Landwirts Anton Maier hätten Ansaat und erste Mahd problemlos durchgeführt werden können.

Vor rund einem Jahr erfolgte die Aussaat „mit dem sehr hochwertigen regionalen Saatgut der Freisinger Firma Krimmer“, berichtet Drobny. Das Ganze lief nach einem BN-Konzept. „Um einzelne, anfangs dominante Ackerbeikräuter in den Griff zu bekommen, wurde ein Pflegeschnitt vorgenommen. Zukünftig soll es maximal zwei Schnitte pro Jahr nicht vor dem 1. Juli geben“, erklärt Drobny. Kleinere Teile blieben zum Insektenschutz über den Winter stehen. Punktuell geringere Saatdichte ermögliche den Lerchen, Brutplätze zu finden, und biete offenen Boden für Wildbienen.

Drobny ist zufrieden: „Die Vielfalt zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind.“ Drei Lerchenpaare würden auf der einen Hektar großen Fläche brüten – „eine sehr hohe Dichte“. Größere Flächen und Dauerkultur seien entscheidend, dass sich Vielfalt entwickeln könne. „Das ist auf den üblichen Blühstreifen meist nicht möglich“, sagt Drobny.

Und wie geht es jetzt weiter? „Die mehrjährigen Kräuter wie Salbei und Margerite sind gut aufgegangen“, berichtet der Kreisgeschäftsführer. „Sie werden die Wiese in Zukunft prägen.“

Finanzielle Unterstützung gab es für die Wiese zwischen Schwaig und Niederding übrigens von einer Erdgasfirma. Für die Fläche bei Notzing gibt es ein Spendenkonto. Wie berichtet, gingen dort am Morgen nach der negativen Gemeinderatsentscheidung zwei Spenden in Höhe von 1000 und 300 Euro ein. Zudem gibt es 1000 Euro Förderung über das Leader-Programm. Der Mähzeitpunkt bei hohen Temperaturen, die vermeintlich niedrige Höhe des Schnitts, der angeblich hohe Preis für das Saatgut: Das waren Kritikpunkte – unter anderem geäußert von Landwirten –, wegen derer der gemeindliche Zuschuss letztlich verwehrt blieb.

Für Niederding zieht Verpächter Strobl jedenfalls ein positives Zwischenfazit: „So geht Landwirtschaft und Naturschutz zusammen“, lobt er. Es entstehe ein Wiesentyp, wie er früher in der Region weit verbreitet gewesen sei.

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