Ausstiegshilfen wie  am Kanal bei Niederding hält der Kreisjagdverband für mustergültig. Kraftwerksbetreiber sehen allerdings auch Probleme.
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Ausstiegshilfen wie am Kanal bei Niederding hält der Kreisjagdverband für mustergültig. Kraftwerksbetreiber sehen allerdings auch Probleme.

Rücksichtnahme gefordert - Vandalismus an Hinweisschildern

Mehr Menschen zieht‘s in Corona-Zeiten in die Natur: Jäger sehen Lebensraum der Wildtiere in Gefahr

Corona und Lockdown erhöhen den Freizeitdruck auf die Natur. Thomas Schreder, Vorsitzender des Kreis-Jagdverbandes, hat darum einen dringenden Appell an alle: „Respektiert den Lebensraum der Wildtiere“. Im Norden des Landkreises verschärft sich das Problem, denn dort befinden sich viele Kanäle der Kraftwerksbetreiber.

VON KLAUS KUHN

Landkreis-Norden – Immer wieder komme es vor, dass frei laufende Hunde Tiere aufscheuchten und diese dann in Panik und in die Kanäle gerieten, aus denen sie oft aus eigener Kraft nicht mehr heraus kämen. Das verursacht, wenn die Tiere in Not denn überhaupt rechtzeitig entdeckt werden, Einsätze von Feuerwehr und Wasserwacht – wenn nicht, wie etwa bei Niederding, mustergültige Ausstiegshilfen angebracht worden sind.

Erst dieser Tage ist es im Nachbarlandkreis Freising wieder zu einem tragischen Fall gekommen: Die Feuerwehren konnten den Rehbock nur tot aus dem Gewässer bergen. Schreder kann zwar für den Kreis Erding eine leicht rückläufige Zahl nennen, schreibt aber der Heimatzeitung: „Sowas ist immer wieder fürchterlich.“

Zu Ausstiegshilfen gebe es eine mustergültige Vereinbarung zwischen Kraftwerksbetreibern, Kreisjagdverband Erding und der Wasserwacht im Kreis Erding. In der Pressestelle der Stadtwerke München sieht man es auch kritisch. Die Ausstiegshilfen machten Probleme, das Gewässer sauber zu halten.

Hier gehe es weniger um Jagd- als vielmehr um Tierschutzrecht, weil der Kraftwerksbetreiber angehalten sei, seine Anlagen so zu betreiben, dass Tiere keinen Schaden nähmen, hält Schreder dagegen. Er kündigt an, die Gespräche mit den Kraftwerksbetreibern im Kreis Erding zu intensivieren.

Was Schreder nicht gefällt: Die Hinweisschilder, die gemeinsam angebracht worden sind, um Spaziergänger allgemein und im Besonderen solche mit Hund zu sensibilisieren, seien Vandalismus zum Opfer gefallen. „Es ist jetzt eine harte Zeit, die Tiere fahren ihren Stoffwechsel herunter“, warnt der Kreisvorsitzende. Komme es jetzt zu einem Zwischenfall, würden die Tiere viele wertvolle Reserven verbrennen, ohne die sie nicht durch den Winter kommen würden.

Nun haben freilich aber auch Hunde ihre Bedürfnisse. „Hunde müssen laufen! Ich bin ja selbst auch Hundehalter“, sagt Schreder. Es gebe sicher Bereiche, wo das unproblematisch sei. Aber in dem Augenblick, in dem es sogenannte Heckenstrukturen gebe– besagte Kanäle oder auch viel befahrene Straßen –, werde das freie Herumlaufen der Vierbeiner zum Problem. „Der Hund sollte auf dem Weg bleiben“, so der Appell des Kreisvorsitzenden, der niemanden aus dem Wald verbannen möchte.

„Die Leute wollen raus, sie sollen ja auch nicht in der Bude hocken“, zeigt Schreder Verständnis. Und der Anblick eines Rehs sei ja auch etwas Schönes. Die Menschen hätten das Recht, die Natur zu genießen, aber man müsse auch Rücksicht nehmen. Zu alledem komme noch der Klimawandel, der die Natur durcheinander bringe: „Bei Tittenkofen haben wir gerade 20 Brachvögel, die jetzt eigentlich ganz woanders sein sollten“, sagt Schreder.

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