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Bis Mitte November gesperrt: die Kreisstraße ED 9 zwischen der FTO und Niederding.

„Wir fahren da ja nicht aus Gaudi“

Kreisstraße ED9 bei Niederding bis November gesperrt – So geht es den Betroffenen

Bis November bleibt die ED9 bei Niederding gesperrt. Die Baustelle hat Auswirkungen auf alle Ortschaften der Gemeinde. Wir haben uns umgehört.

Oberding – Seit gut zwei Wochen ist die Kreisstraße ED 9 zwischen der FTO und Niederding gesperrt. Bis November wird die Straße erneuert und teilweise verbreitert. Auch eine Kurve wird abgeflacht. Im Vorfeld der Bauarbeiten geriet die Informationspolitik des Straßenbauamts in die Kritik. Zwei Wochen später, so scheint es, hat man sich mit der Baustelle abgefunden.

Ein erstes Fazit zog Bürgermeister Bernhard Mücke in der jüngsten Gemeinderatssitzung: „In Aufkirchen, Notzing und Oberding gibt es jetzt deutlich mehr Verkehr.“ Wie bereits befürchtet, hätten viele Verkehrsteilnehmer die Herrnstraße in Niederding und ihre Verlängerung über einen Feldweg bis nach Aufkirchen entdeckt. Hier wolle die Gemeinde deshalb die Geschwindigkeitsbegrenzung und die Vorfahrtsregelung anpassen und auch verstärkt blitzen. „Die Blitzer kann man dort nicht verstecken“, gab Mücke zu, aber einen Abschreckungseffekt hätten sie trotzdem.

Mücke: Neue Verkehrsregeln müssen mit Polizei abgesprochen werden

Auf Nachfrage erklärt Mücke, dass die Geschwindigkeitsbegrenzung auf der Verbindungsstraße von 60 auf 50 Kilometer pro Stunde gedrosselt werden solle. Doch sowohl dieses Vorhaben als auch eine neue Vorfahrtsregelung müssten mit der Polizei abgesprochen werden.

Weniger Arbeit aufgrund der Baustelle hat indes die Feuerwehr Niederding. Aufgrund der Sperrung „kommt sie aktuell gar nicht auf die FTO“, so Mücke. „Meines Wissens wurde ihr Rettungsbereich auf der FTO vorerst unter den anderen Feuerwehren aufgeteilt.“

Anwohner und Landwirte müssen auf Feldwege ausweichen

Direkt betroffen von der Baustelle sind die Anwohner des Klosterwegs, dessen einzige Ausfahrt die ED 9 ist, und die Landwirte. Sie müssen auf die Feldwege ausweichen. Diese seien sogar der Landwirtschaft vorbehalten. Zu kleineren Streitereien mit Radlern und Spaziergängern komme es dennoch, berichtet Gemeinderat Georg Stemmer, selbst Landwirt. Seine Kollegen und auch Anwohner müssten sich „blöde Sprüche“ anhören. Stemmer wünscht sich deshalb mehr Rücksicht und ein friedliches Miteinander: „Wir fahren da ja nicht aus Gaudi. Wir müssen unsere Felder erreichen.“

Eine Alternative zum Feldweg ist für die Anwohner des Klosterwegs auch weiterhin die ED 9. Bauamt-Sprecher Felix Krötz erzählt: „Wenn es logistisch möglich ist, lassen wir die Anwohner durch die Baustelle fahren.“ Das klappe nicht immer, aber meistens.

Straßenbauamt: Keine neuen Beschwerden

Krötz berichtet auch, dass die Baustelle nach zwei Wochen sehr gut im Zeitplan liege. Beschwerden habe es seit Baubeginn nicht mehr gegeben.

Für Busunternehmen bedeutet die Baustelle aber viel Stress. Claudia Wanderer von Linner-Reisen ist täglich mit einem Kleinschulbus zwischen Niederding und Erding unterwegs – seit der Baustelle „pro Fahrt fünf bis acht Minuten mehr als sonst, weil der Durchgangsverkehr überall mehr geworden ist“. Ihre Ausweichroute führt über Reisen. „Wir haben Glück, dass die Baustelle in der Corona-Zeit begonnen hat. Aktuell haben wir weniger Schüler.“ Wenn die Schulen aber wieder komplett öffnen, werde ein Sprinter nicht mehr reichen. Somit wäre die Reisener Brücke, die nur für zwölf Tonnen freigegeben ist, nicht mehr befahrbar. Wanderer müsste einen größeren Umweg über Schwaig oder Notzing fahren.

Scharf-Reisen glücklich über Straßenverbesserung

Das Unternehmen Scharf-Reisen nutzt die Reisener Brücke dagegen gar nicht, sondern fährt die Umleitung über Aufkirchen und Notzing, wie Geschäftsführer Andreas Scharf unserer Zeitung mitteilt. Im Einsatz befinden sich ein Schul- sowie zwei Linienbusse. Pro Fahrt entstehe eine Verzögerung von acht bis zehn Minuten. Zwei Schüler wohnten direkt an der ED 9. „Die müssen jetzt schauen, dass sie an einer anderen Haltestelle zusteigen können. Aber so etwas gibt es ja bei jeder Baustelle“, so Scharf. Wichtig für ihn sei, dass die ED 9 nun tatsächlich verbessert werde, denn sie war teilweise eng und in schlechtem Zustand: „So gesehen sind wir glücklich über die Baustelle.“

Mayls Majurani

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