Mit zwei verschiedenen Geräten lässt die Niederdinger Firma BPS ihren desinfizierenden Nebel im Raum verteilen. Für größere Säle mit Zuschauerkapazitäten im Tausenderbereich kommt eine Düsenvernebelungsanlage zum Einsatz.
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Mit zwei verschiedenen Geräten lässt die Niederdinger Firma BPS ihren desinfizierenden Nebel im Raum verteilen. Für größere Säle mit Zuschauerkapazitäten im Tausenderbereich kommt eine Düsenvernebelungsanlage zum Einsatz.

Werbeverbot für 99,99 Prozent Luftreinigung: BPS kämpft um Reputation und strebt Hauptsacheverfahren an

Gerichtsstreit um Niederdinger „Wundernebel“: Firma zieht Berufung zurück

  • Markus Schwarzkugler
    vonMarkus Schwarzkugler
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Wegen einer einstweiligen Verfügung darf die Niederdinger Firma BPS nicht mehr mit „99,9 Prozent“ Luftreinigung werben. Das Unternehmen hat nun die Berufung zurückgezogen. Beendet ist das Thema aber noch lange nicht.

Niederding – Groß war der Medienhype um das kleine Niederdinger Unternehmen BPS. Wie berichtet, hatte die Firma versprochen, die Luft zum Beispiel in Konzertsälen mit Wasserstoffperoxid, Ultraschall und Düsengeräten zu 99,99 Prozent von Bakterien, Viren und dergleichen zu säubern. An dieser konkreten Zahlenangabe störte sich ein Mitbewerber aus Dachau, der das Niederdinger Unternehmen bekanntlich vor Gericht zog. Es betreibe „hochgradig irreführende gesundheitsbezogene Werbung“.

Im September hatte das Landgericht München I der einstweiligen Verfügung stattgegeben, BPS sei den Nachweis seiner Behauptungen schuldig geblieben. Gegen das Urteil legten die Niederdinger Berufung ein, mittlerweile haben sie diese allerdings zurückgezogen, da es nicht möglich sei, innerhalb der Berufungsbegründungsfrist ein wissenschaftlich fundiertes Testergebnis zu erbringen, wonach eine Virenvernichtung in der Luft und auf Oberflächen von Räumlichkeiten von 99,99 Prozent bestätigt werde.

Rolf Hajek aus der Unternehmenskommunikation von BPS betont aber in einer Stellungnahme, die unsere Zeitung angefordert hat, dass der Nachweis der Wirksamkeit der Desinfektion namens „AMO“ sehr wohl möglich sei. „Aus prozesstaktischen Gründen haben wir uns entschieden, die Berufung zurückzuziehen, aber in 2021 wird ein Hauptsache-Verfahren zu einer Grundsatzentscheidung führen.“

Hajek findet deutliche Worte für den Dachauer Mitbewerber, die Bedo Vertriebs GmbH, mit der es vor Gericht wie berichtet auch um die Namensrechte geht. „Wir befinden uns mit einem Konkurrenzunternehmen im Rechtsstreit, welches zielgerichtet unsere Kunden im Visier hat. Es wird unserer Ansicht nach versucht, Gerichte und Medien zu instrumentalisieren, um einen Imageschaden zu erzeugen. Wir freuen uns, dass unsere Kunden das nicht beeindruckt, kämpfen aber um unsere Reputation in der Öffentlichkeit generell“, sagt Hajek.

Für den Sprecher ist das Gerichtsurteil eine Auslegungssache. In diversen Testgutachten habe man teils die Stufe > Log 4 erreicht – was nichts anderes bedeute als eine Reduktion der Mikroorganismen um 99,9 Prozent. „Das Gerichtsurteil hat sich unter anderem darauf bezogen, dass wir es nicht > Log 4 genannt haben, sondern 99,9 Prozent, was eben nur eine Analogie ist“, findet Hajek. „Unser Anwalt hat davon abgeraten, die Sache weiter zu verfolgen, weil es müßig sei zu streiten, ob die Wirksamkeit > Log 4 oder 99,9 Prozent genannt werden dürfe, und die Einleitung eines Hauptsache-Verfahrens empfohlen. Diesem Rat folgen wir“, sagt der BPS-Sprecher.

Wie berichtet, konnte sich die Niederdinger Firma nach einem Testlauf am Berliner Ensemble vor Anfragen neuer Kunden aus der ganzen Welt kaum retten. Ihr Aerosol bestehe aus Wasserstoffperoxid (H2O2) sowie aus stabilisierenden Substanzen, die die gefahrlose und anhaltende Ausbringung – ohne Anwesenheit von Personen im Raum – in die Luft gewährleisten, beteuert Hajek.

„Wasserstoffperoxid ist in der Desinfektion gebräuchlich und wird seit Jahrzehnten erfolgreich angewandt. Daran gibt es keine Zweifel. Alle Fachleute bestätigen, dass H2O2 langfristig und nachhaltig wirkt“, so Hajek. Die Besonderheit der Mischung von AMO sei der nachhaltige Stabilisator. Nur durch diese Kombination lasse sich das Mittel ohne Schwermetalle auf nachhaltiger Basis in der Luft ausbringen und sei trotzdem hochwirksam.

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