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Dieses Schild hängt im Naturschutzgebiet Notzingermoos.

Versuch, Anwohner fernzuhalten?

Fallenjagd im Naturschutzgebiet: Hundehalter in Angst - Jagdverband weist Vorwürfe zurück

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Die Hundehalter im Erdinger Naturschutzgebiet Notzingermoos sind in Angst. „Fallenjagd – Hunde bitte anleinen!“ heißt es dort auf Schildern. Der Jagdverband rechtfertigt das Vorgehen.

  • Im Naturschutzgebiet Notzingermoos wird mit Fallen gejagt.
  • Schilder sollen Hundehalter vor diesen warnen.
  • Anwohner sehen darin den Versuch der Jäger, Erholungssuchende zu vertreiben.

Notzing Für Hubert B.* und seinen Hund sollte es ein schöner Spaziergang im Naturschutzgebiet (NSG) Notzingermoos werden. Doch eine Entdeckung vermieste ihm die Laune: An der Goldacher Straße fand B. ein Schild, angeschraubt an einem Baum. Dieses zieren ein großes Warnzeichen und der Hinweis: „Fallenjagd – Hunde bitte anleinen!“

B., selbst Anwohner im NSG, macht das sprachlos. „Wer kann unbesorgt bei dieser Beschilderung Wiesen und Wälder durchqueren?“ Er sorge sich nicht nur um Spaziergänger mit Vierbeiner – er selbst habe seinen Hund stets angeleint –, sondern etwa auch um Pilzsucher und Freizeitjogger. „Das ist wie in der Steinzeit, da kriegt man Angst“, schimpft B.

Naturschutzgebiet Notzingermoos: Vorwürfe an Jagdverband

Für ihn ist klar: Mit der Schilder-Aktion sollen Erholungssuchende aus dem Naturschutzgebiet herausgehalten werden. Die Tafeln seien nicht der erste Versuch. B. verweist auf Ärger um eine im Wald angebrachte Eisenschranke, das Landratsamt sei derzeit an der Sache dran. Auch andere Anwohner würden schon den Kopf schütteln.

B.s Vorwurf gilt dem zuständigen Jagdpächter Erich Lobermeier. Auf Nachfrage unserer Zeitung berichtet er, dass in dem Notzinger Jagdrevier, das sich auf 1300 Hektar erstreckt, insgesamt zwölf Lebendfallen ausgebracht seien. Darin könnten sich theoretisch zwar auch kleine Hunde oder Katzen verfangen, Verletzungsgefahr bestehe für sie aber nicht. Man müsse sie dann nur wieder freilassen. Auch für Menschen seien die Fallen ungefährlich. „Wir wollten die Leute sensibilisieren, ihre Tiere nicht frei laufen zu lassen“, erklärt Lobermeier. Deswegen hätten seine Jäger kürzlich die Schilder angebracht. „Durch Anleinen könnte man sich viel Aufregung ersparen“, findet er.

Ebenfalls eine Diskussion um das Anleinen von Hunden im Jagdgebiet gibt es in Eichenau, denn der natürliche Jagdtrieb eines Hundes wird zum Problem, wenn er den Jagdpächtern in die Quere kommt. Das passiert in Eichenau offenbar zu oft, weshalb der Jäger seine Quote nicht erfüllen kann. Nun gab es einen Aufruf an Hundebesitzer, die Leinenpflicht zu beherzigen.

Notzingermoos Oberding: Hunde könnten in Tierfallen geraten

Die Fallen seien durchgängig im Wald ausgebracht, scharf gestellt seien sie aber nur zu den erlaubten Jagdzeiten. Füchse würden zum Beispiel nicht von April bis Juni/Juli gejagt, da sie dann ihren Nachwuchs großzögen. Es handle sich um sogenannte Betonrohrfallen mit 30 Zentimetern Durchmesser.

Für Menschen sei es „ein Ding der Unmöglichkeit“, sich darin zu verfangen, so Lobermeier. Die Fallen hätten die Notzinger Jäger im Rahmen eines Niederwild-Programms vom Bayerischen Jagdverband bekommen. „Sie entsprechen den Vorschriften“, sagt Lobermeier.

Täglich würden sie kontrolliert. „Wird bei diesen Kontrollen ein gefangener Fuchs oder Marder entdeckt, wird das Tier getötet“, erklärt Lobermeier. „Der Fuchsbestand nimmt brutal überhand.“ Ähnlich sehe es beim amerikanischen Marder aus, der sich enorm vermehre. Das Problem mit ihm: Er räumt Gelege aus und schnappt sich Jungwild.

In Emmering müssen sich die Jäger derweil mit einem anderen Problem auseinander setzen. Die sogenannte Hasenpest ist noch nicht überwunden. Um den Vormarsch der Krankheit aufzuhalten, sindJäger am Wochenende in einer konzertierten Aktion auf die Pirsch gegangen. Der Plan: Wird der Bestand dezimiert, lässt sich die Ausbreitung eindämmen.

Jagdverband: Fallenjagd und Naturschutzgebiet, das schließt sich nicht aus

Fallen im Naturschutzgebiet – passt das überhaupt zusammen? Thomas Schreder, Vorsitzender des Kreisjagdverbands und Vizepräsident des Bayerischen Jagdverbands, sagt: Ja. In der Rhön zum Beispiel seien Fallenjagden wegen des Raufußhuhns wichtig, da sich diese dort sonst zu stark vermehren würden. „Fallenjagd und Naturschutzgebiet, das schließt sich nicht aus“, sagt Schreder. Eine Art der Raufußhühner sei zum Beispiel der Birkhahn. „Bis 1956 hatten wir den in Erding“, sagt Schreder. Was den Spaziergang im Wald angeht, hat er einen Wunsch an Tierbesitzer: „Hunde immer an die Leine.“

Andernfalls könnte es im schlimmsten Fall so enden wie im nicht weit entfernten Olching. EinJäger hatte dort in einem Waldstück einen wildernden Hund erschossen. Die Hundebesitzerin fordert nun Schadensersatz – der Jäger aber verteidigt sein Vorgehen.

*Name geändert 

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