Rote Aufkleber mit explosivem Schriftzug: MdL Ulrike Scharf und Otto Heinz präsentierten die Bapperl mit der Warnung „Keine Akkus einwerfen!“.
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Rote Aufkleber mit explosivem Schriftzug: MdL Ulrike Scharf und Otto Heinz präsentierten die Bapperl mit der Warnung „Keine Akkus einwerfen!“.

Kampagne „Brennpunkt Batterie“

Brandgefährliche Batterien: Entsorger warnen vor Lithium-Ionen-Akkus im Hausmüll

  • vonTimo Aichele
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Lithium-Ionen-Akkus sind leicht entzündlich. Die Entsorgungswirtschaft warnt davor mit einer Kampagne und bittet die Bürger: Bitte entsorgt Batterien, und vor allem diese brandgefährlichen, korrekt.

Oberding – In Elektroautos, blinkenden Kinderschuhen, Akkuschraubern, Smartphones, Digitalkameras und singenden Glückwunschkarten sind sie enthalten – Lithium-Ionen-Batterien sind allgegenwärtig. „Die sind sehr praktisch, weil sie eine hohe Energieintensität haben“, erklärt Entsorgungsunternehmer Otto Heinz. „Sie sind aber auch brandgefährlich.“

Wenn die Akkus oder Batterien brechen, fangen sie aufgrund einer chemischen Reaktion sofort zu brennen an. Deswegen haben der deutsche und der bayerische Branchenverband eine Kampagne gestartet, um die Menschen für die richtige Entsorgung zu sensibilisieren.

Die gemeinsame Aktion des Verbandes der Bayerischen Entsorgungsunternehmen (VBS) und des BDE heißt „Brennpunkt Batterie“. Für alle Bürger sichtbar werden soll sie durch einen Aufkleber, den die Entsorger nun an Mülltonnen anbringen wollen. „Keine Akkus einwerfen!“, heißt da die Warnung auf rotem Grund. Der Moosburger Unternehmer Heinz ist VBS-Präsident. Gemeinsam mit der Erdinger Landtagsabgeordneten Ulrike Scharf stellte er die Kampagne am Mittwoch im Firmengebäude der Heinz-Tochter GEO in Oberding vor.

Batterien gehören ohnehin nicht in die Restmülltonne, dennoch landen viele genau dort. Nur etwas mehr als die Hälfte der laut VBS im Jahr 2019 in Deutschland verkauften 56 000 Gerätebatterien wurde korrekt wieder an Sammelstellen im Einzelhandel oder in Wertstoffhöfen abgegeben. „Wo ist der Rest?“, fragt der Verband – und kann die Antwort gleich selbst geben.

Denn immer wieder verursachen Lithium-Ionen-Akkus im Hausmüll Brände in Müllsortieranlagen. „Wir hatten so etwas zum Glück noch nicht. Das hat etwas mit besonderer Aufmerksamkeit und Glück zu tun“, berichtet Heinz. „Die Schäden sind schon jetzt immens, und es grenzt wirklich an ein Wunder, dass solche Brände noch kein Menschenleben gefordert haben.“

Wenn Luft an einen gebrochenen Akku kommt, entstehen über 1000 Grad heiße Stichflammen. Große Akkus wie in Autos brennen zudem lange, daher werden für Feuerwehren zunehmend Container angeschafft, in denen Unfallwagen zum Löschen komplett versenkt werden. „Das Problem ist: Wenn Sie’s löschen, kann es sein, dass sich das in zehn Minuten noch einmal selbst entzündet“, schildert Heinz.

Und das Problem wächst rasant. Über 93 000 Tonnen Lithium-Ionen-Batterien wurden 2019 nach Deutschland importiert, zehnmal mehr als noch im Jahr 2012. „In jedem Smartphone sind wertvolle Rohstoffe enthalten“, erklärt Scharf. Die Bereitschaft der Bürger zur Mülltrennung sei groß, in den vergangenen 35 Jahren habe sich die Hausmüllmenge halbiert. Doch eine Kreislaufwirtschaft, wie sie die EU anstrebe, sei auch noch in weiter Ferne.

Der VBS setzt nun auf die Unterstützung der Wirtschaft und will zudem das Gespräch mit den Landratsämtern suchen, in deren Zuständigkeit das Rhema Müllentsorgung liegt. „Ein Problem ist die Kennzeichnung der Batterien“, erklärt Heinz. Oft sei nicht klar, ob es sich um eine Lithium-Ionen-Batterie handelt oder nicht. Daher fordere der VBS eine Kennzeichnungspflicht und plädiere für ein Pfand auf solche Akkus. „Wenn auf einem Notebook- oder Smartphone-Akku 50 Euro drauf sind, dann kommt der auch zurück“, zeigt sich der Entsorgungsunternehmer überzeugt.

„Ich bin da eher skeptisch“, antwortet Scharf. „Die Abwicklung eines solchen Pfand-Systems ist ein großer Aufwand.“ 50 Euro seien zudem eine hohe Summe, die Österreicher würden über 25 Euro nachdenken. „Ich appelliere eher an die Vernunft der Menschen“, meint die frühere bayerische Umweltministerin, die in Maria Thalheim lebt. Auch eine Kennzeichnungspflicht werde „ein schwieriger Ansatz“ werden, wenn man oft nicht einmal die Batteriehersteller in aller Herren Länder kenne.

Infos im Internet:

www.brennpunkt-batterie.de

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