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Wieder mal in den Schlagzeilen: Die Gemeinschaftsunterkunft der Regierung von Oberbayern für Flüchtlinge. Hier wurde erneut ein Intensivtäter unterquartiert. Hinzu kommt ein Mann, der eine Frau vergewaltigt haben soll. Von beiden Fällen erfuhren die Behörden und der Helferkreis erst nach dem Einzug, in einem Fall per Zufall. 

Schon wieder: Regierung quartiert ohne Vorwarnung potenziellen Gefährder ein

Intensivtäter in Oberdinger Asylheim

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Die Regierung von Oberbayern hat erneut einen Flüchtling in ihrer Gemeinschaftsunterkunft in Oberding einquartiert, der als mehrfach verurteilter Straftäter als möglicher Gefährder gilt – ohne Polizei, Gemeinde und Landratsamt zu informieren.

Oberding - Und es gibt einen zweiten heiklen Fall: Kurz danach wurde ein Mann nach Oberding gebracht, gegen den wegen versuchter Vergewaltigung ermittelt wird. Auch das verschwieg die Regierung den lokalen Behörden. Jetzt ist der Ärger groß. Pikant: Regierungspräsidentin Maria Els erfuhr wohl erst gestern durch die Anfrage unserer Zeitung von dem Versäumnis. Ihre Behörde räumte den Fehler prompt ein und entschuldigte sich.

Nach Recherchen des Erdinger Ausländeramts wurde am 24. Juni in der Unterkunft der Regierung von Oberbayern an der Flughafentangente ein Iraker einquartiert. Der Mann gilt als Intensivtäter. Er wurde in den Jahren 2000 bis 2005 rechtskräftig zu Jugend- und Haftstrafen wegen versuchten Totschlags, Vergewaltigung, einfacher und gefährlicher Körperverletzung sowie versuchter sexueller Nötigung verurteilt. Für die versuchte Tötung erhielt er acht Jahre Gefängnis. Bei einem Häftlingstransport hatte er 2004 zu fliehen versucht.

Nach (Teil-)Verbüßung wurde der Mann abgeschoben, er reiste aber wieder ein – illegal und ohne Pass. Wegen der unerlaubten Einreise wurde er 2017 zu einem Jahr Haft verurteilt.

Gemeinde und Landratamt erfuhren von der Verlegung erst gestern – drei Wochen später, als die Regierung die Akte des potenziellen Gefährders schickte.

Der zweite Fall datiert vom 5. Juli. Da erfuhr das Landratamt, dass am selben Tag ein als Flüchtling abgelehnter Nigerianer in Oberding einquartiert werde, gegen den wegen versuchter Vergewaltigung ermittelt wird. Doch diese Info kam nicht von der Regierung, sondern von der Ebersberger Ausländerbehörde, die die Nachbarn darüber in Kenntnis setzen wollte.

Beide Fälle erinnern an den Mai vergangenen Jahres, als die Regierung ebenfalls in einer Nacht-und-Nebel-Aktion einen aus Afrika stammenden verurteilten Sexualstraftäter nach Oberding gebracht hatte. Um ihn zu isolieren, mussten vier Familien mit Kindern das Asylheim verlassen. Der Aufschrei war groß, es gab eine bundesweite Online-Petition, um den Mann wieder loszuwerden. Wenig später verstieß der Senegalese gegen die Auflage und wurde noch im selben Jahr abgeschoben.

Landrat Martin Bayerstorfer ist gleich in mehrfacher Hinsicht erbost. „Dass weder die Behörden noch der Helferkreis vorab informiert wurden, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Da braucht man sich nicht zu wundern, wenn die Ehrenamtlichen hinschmeißen.“ Sie hätten gewarnt werden müssen. „Allmählich kommt es mir so vor, als sei Erding das Sammelbecken für Schwerverbrecher.“ Bayerstorfer erinnert Regierungspräsidentin Maria Els daran, dass sie ihm nach dem Fall 2018 versprochen habe, dass künftig rechtzeitig informiert werde. „Ich verlange, dass hier für Sicherheit gesorgt wird, und zwar nicht nur durch einen Security-Dienst.“

Oberdings Bürgermeister Bernhard Mücke telefonierte gestern mit Els. „Es ärgert mich, dass es schon wieder passiert ist. Es gab klare Absprachen.“ Er verlangt nun eine schnelle Lösung mit allen Beteiligten.

Anton Altmann, Chef der Polizeiinspektion Erding, meinte nur: „Wir möchten schon rechtzeitig wissen, wer da kommt, um gerüstet zu sein.“

Die Presseabteilung der Regierung will sich zu den beiden Männern nicht äußern. Sie gibt aber zu: „Bedauerlicherweise ist die unmittelbare Information an Landrat und Bürgermeister unterblieben.“ Els habe sich bereits entschuldigt. „Die Regierung ist um eine Lösung bemüht und wird dazu eng mit Gemeinde und Landratsamt zusammenarbeiten.“ Die Unterkunft werde rund um die Uhr von vier Kräften bewacht.

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Kommentare

misty
(1)(0)

Es gab ja mehr als genug Warner. Nur, wollte keiner auf sie hören. Nun müssen wir mit den Folgen leben, denn sonst wäre es nicht mehr Merkel ihr Land....

Alexandra Simon
(9)(0)

Ich fürchte, der Landrat schätzt das nicht ganz richtig ein. Wir wollen nicht informiert werden, wen man dort einquartiert. Wir wollen auch nicht gewarnt werden. Wir wollen solche potentiell gefährlichen und illegal wieder eingereiste Flüchtlinge gar nicht erst hier haben.

Alexandra SimonAntwort
(0)(0)

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