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Mit einer eigenen Buslinie wird‘s nix für die Gemeinde Oberding.

Gemeinde wollte Pendelverkehr zwischen Schwaig und Flughafen auf eigene Kosten anbieten

Regierung durchkreuzt Oberdinger Bus-Pläne

Nicht jeder, der eine gute Idee hat, kann diese auch umsetzen. Zu dieser Erkenntnis kam jetzt auch die Verwaltungsgemeinschaft Oberding. Ihr Vorschlag, zusammen mit Betrieben im Gewerbegebiet Schwaig einen eigenen Bus-Pendelverkehr von dort zum Flughafen einzurichten und auch zu finanzieren, scheint bei Oberbayerns Regierung keinen Gefallen zu finden. Vielmehr beruft sich die Behörde darauf, dass es eine solche Buslinie im Öffentlichen Personennahverkehr doch schon längst gebe: die Linie 512.

VON FRIEBERT HOLZ

Oberding – Eigentlich war die Idee der Gemeinde so zündend wie einleuchtend. Um den stetig zunehmenden, privaten Auto-Verkehr vor allem ins Gewerbegebiet Schwaig etwas einzudämmen, könnte eine neue zusätzliche Bus-Verbindung zum Flughafen und zurück für wirksame Abhilfe sorgen. Dann hätten Arbeitnehmer aus den Betrieben dort, die aus München oder dem nordöstlichen Randgebiet kommen, die Möglichkeit, per S-Bahn oder Zug zum Flughafen zu fahren und dort in besagte neue Buslinie bis ins Gewerbegebiet umzusteigen.

„Immerhin 4000 bis 4500 Arbeitnehmer sind bei uns im Gewerbegebiet beschäftigt, davon ein großer Teil auch aus der Region München“, weiß Josef Steinkirchner, Geschäftsführer in Oberdings Verwaltung. „Mit einer solchen Busverbindung zum Flughafen könnten wir eine Entlastung des Straßenverkehrs schaffen. Viele wollen selbst weg vom Auto, scheuen zunehmend den täglichen Stress auf den Straßen.“

Auch Oberdings Gemeinderat fand diese Vorstellung gut, und so wurde Bürgermeister Bernhard Mücke bei Regierungspräsidentin Maria Els vorstellig. Doch er kam ohne das gewünschte Ergebnis nach Hause: Eine solche Buslinie bestehe doch bereits, die Linie 512. Nach Meinung der Regierung von Oberbayern solle die Gemeinde vielmehr den Landkreis Erding „als Aufgabenträger des Öffentlichen Personennahverkehrs um eine Taktverdichtung der MVV (Münchner Verkehrs- und Tarifverbund GmbH)-Linie 512 ersuchen“. Schließlich fahre diese Linie, so die Regierung auf Anfrage unserer Zeitung weiter, derzeit den Flughafen sowie drei im Gewerbegebiet Schwaig gelegene Haltestellen an. Dadurch entstehende Mehrkosten für den Landkreis „werden diesem gegebenenfalls von der Gemeinde Oberding ersetzt“.

Tatsächlich bedient die Linie 512 mit ihren blau-grünen Bussen die Strecke zwischen Busbahnhof Erding und Flughafen-Terminal 1 über Niederding/Notzing, Oberding und Schwaig schon seit zehn Jahren. Verena Gros, Pressesprecherin der Regierung, dazu schriftlich: „Das die letzte Ausschreibung gewinnende Verkehrsunternehmen fährt die Linie 512 seit Anfang Dezember 2019, nachdem die Regierung von Oberbayern eine Liniengenehmigung antragsgemäß erteilte. Diese Genehmigung enthält im Vergleich zur vorangegangenen Genehmigung für den Zeitraum Montag bis Freitag vier zusätzliche Kurse, so dass nun an diesen Tagen 29 statt bislang 25 Fahrten täglich durchgeführt werden. Der Takt ist unregelmäßig über den Tag verteilt, der Bus fährt etwa alle 40 Minuten.“ Weil jedoch sowohl morgens als auch abends von den Arbeitnehmern im Gewerbegebiet sowie von der Gemeinde Oberding eine noch engere Taktung gewünscht werde, überlege das Landratsamt Erding eine weitere Verdichtung, so die Sprecherin.

Auch Steinkirchner glaubt an ein Zusatzangebot: „Wir haben unsere Bitte weitergegeben, das Amt hat uns hierbei mit offenen Armen empfangen.“ Allerdings gebe es noch keine konkrete Zusage über Zeitpunkt und Kosten. Regierungspräsidentin Maria Els scheint gegen eine solche Erweiterung keine Einwände zu haben: „Im Rahmen des Gesprächs mit Bürgermeister Mücke haben wir eine rechtlich umsetzbare Lösung aufgezeigt (eine Taktverdichtung der Linie 512; d. Red.). Sollten weitere Verdichtungen gewünscht sein, werden wir diese ebenfalls mit dem Ziel prüfen, möglichst nutzerfreundliche Lösungen zu erreichen.“ Die Frage, ob eine solche Lösung auch durch die Gemeinde Oberding selbst erfolgen könnte (und dürfte), wurde nicht beantwortet.

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