In Schwaig wollen sich diverse Firmen ansiedeln.
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In Schwaig wollen sich diverse Firmen ansiedeln.

Mehrere Unternehmen schielen auf Fläche in Schwaiger Gewerbegebiet – Wohl nur eines kommt zum Zug

Das große Oberdinger Firmen-Casting

  • Markus Schwarzkugler
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Alle wollen nach Schwaig: Am Dienstag gab es im Oberdinger Gemeinderat die nächste Runde im großen und wohlgemerkt öffentlichen Firmen-Casting fürs Gewerbegebiet.

Schwaig/Oberding – Alle wollen nach Schwaig: Am Dienstag gab es im Oberdinger Gemeinderat die nächste Runde im großen und wohlgemerkt öffentlichen Firmen-Casting. Mit der Ludwig Deisböck GmbH aus Schwaig und der Döllel GmbH aus Eichenried stellten sich diesmal zwei Unternehmen vor, die im Gewerbegebiet auf eine an der Hallbergmooser Straße in Schwaig freistehende Bruttofläche von 2500 Quadratmetern schielen. Was die Vorstellung auch zeigte: Für kleinere Betriebe wird es immer schwieriger, geeignete Flächen vor Ort zu finden.

Ein Unternehmen aus Reisen, das sich am Dienstag eigentlich auch präsentieren wollte, war kurzfristig abgesprungen. In der kommenden Sitzung soll sich dann noch ein dritter Interessent vorstellen, wie VG-Geschäftsleiter Josef Steinkirchner auf Nachfrage unserer Zeitung mitteilt. Wegen der doch recht schmalen Baulücke an der Hallbergmooser Straße wird ihm zufolge wohl nur ein Bewerber zum Zug kommen. Für die Unterlegenen „finden wir eventuell im Osten was“, sagt Steinkirchner. Dort, an der Eichenstraße, wird wie berichtet auf weit mehr Fläche – immerhin zwölf Hektar – erweitert. Jüngst haben sich im Gremium der ortsansässige Logistiker Group 7, der gerne zehn Hektar davon hätte, und die Druckerei Bremberger aus Unterschleißheim beworben.

Prominente Kundschaft

Schon seit acht Jahren auf der Suche nach mehr Platz ist Markus Döllel, Chef der Döllel GmbH mit Standort in Eichenried und Hauptsitz in Neustadt an der Donau. Seine mittelständische Firma ist Dienstleister für Gasversorgungsunternehmen und bietet Schulungen in Theorie und Praxis an. Primär im Fokus sind Produkte für Erdgasanlagen (Leitungen), aber auch für Biogas und Wasserstoff. Letzteres sei „die Zukunft, aber die werde ich wohl nicht mehr erleben“, meinte Döllel im Gemeinderat. Sein Unternehmen kümmert sich auch um Explosionssicherheit, prüft Gas- und Dampfkraftwerke. Zum Kundenkreis gehören der Flughafen München, die Stadtwerke Erding, Freising und München, Audi, Daimler oder Wacker Chemie. Man sei „bis zur Unendlichkeit ausgebucht“.

KOMMENTAR: Hut ab vor so viel Transparenz

Der Gemeinde Oberding wollen wir an dieser Stelle ein dickes Lob aussprechen. Wo erlebt man es sonst schon, dass sich Firmen vor der Vergabe öffentlich um einen Platz im Gewerbegebiet bewerben dürfen? Damit will man Transparenz schaffen, vor allem bei Bürgern, die in der Nähe wohnen und sich Sorgen machen wegen möglicher Lärmbeeinträchtigung. Respekt!

Außerdem ist es doch auch für nicht direkt betroffene Bürger ganz interessant, was da so alles in die Region kommen könnte. Ein weiterer positiver Aspekt: Gibt es Rückmeldung von Bürgern, könnte das dem Gemeinderat bei der Entscheidungsfindung helfen. Dass den Räten das Thema Lärm/Verkehr sehr wichtig ist, haben sie mit diversen Nachfragen in den vergangenen Sitzungen mehrfach gezeigt.

Übrigens wäre ein so transparentes Vorgehen zum Beispiel in der Stadt Erding wünschenswert. Um die Gewerbepläne zwischen Dachauer und Sigwolfstraße gab es mehr als nur einen kleinen Aufschrei in der Bevölkerung. Wenn sich dort Firmen öffentlich vorgestellt hätten, wäre das auch für die Oberdinger interessant gewesen. Die sind bekanntlich ein scharfer Kritiker der Planungen im Erdinger Westen. Markus Schwarzkugler

Um der wachsenden Nachfrage nach Schulungen gerecht zu werden, will Döllel expandieren. Statt der bislang fünf könnten es künftig bis zu zwölf Mitarbeiter werden. In Schwaig möchte er seine Betriebssitze zu einem zusammenführen. Er plant ein gemauertes Gebäude mit Lagerhalle – ohne Produktions- und Lärmbelästigung. Es diene ausschließlich für Büro- und Lagerflächen sowie für Seminarräume.

„Aussichtslose Suche" in der Stadt Erding für einen kleinen Heizungsbaubetrieb

„Heimatnähe wäre sehr vorteilhaft“, sagt Döllel, ein Moosinninger, im Gespräch mit unserer Zeitung. Er habe zum Beispiel in der Stadt Erding gesucht, für einen kleinen Heizungsbaubetrieb sei das aber ein aussichtloses Unterfangen dort. Und die eigene Gemeinde, Moosinning, weise keine Gewerbegebiete aus. „In Taufkirchen gäb’s was“, sagt Döllel. Dann wären aber wieder die Wege nicht die kürzesten.

Weit umziehen müsste das Unternehmen von Ludwig Deisböck derweil nicht, wenn es an der Hallbergmooser Straße den Zuschlag bekommen sollte. Sie hat ihren Firmensitz bereits in Schwaig, hinzu kommt eine Niederlassung mit Hauptlager und Werkstatt in Aschheim. Deisböck verkauft, liefert und montiert Türen, Tore und Feststellanlagen. Zum Kundenkreis gehören Architekten, Gemeinden und Privatpersonen. Ausgestattet hat die GmbH unter anderem das Gymnasium Dorfen und die Therme Erding.

Deisböck würde wie Döllel seine bisherigen Standorte gerne in Schwaig vereinen. Er plant ein Bürogebäude mit Verkaufs- und Ausstellungsraum, Geschäftsführer- und Hausmeisterwohnung, Lagerflächen und Werkstatt. Unterbringen will er Bereiche für Schlosser- und Schreinerarbeiten, wofür er derzeit in Aschheim wenig Platz habe.

Der Betrieb mit aktuell fünf Mitarbeitern bietet keine Ausbildungsplätze. Deisböck verwies allerdings auf die für die Firmengröße „sehr hohen“ Gewerbesteuerbeiträge, die das Unternehmen bereits zahle. Wegen der Pandemie habe er bislang keine Nachteile für seine Firma festgestellt.

Der Gemeinderat fällt die Entscheidung

Wer letztlich den Zuschlag in den beiden Gewerbegebieten erhält, wird der Gemeinderat in einer seiner kommenden Sitzungen – wiederum öffentlich – entscheiden. Die Gemeinde ist bestrebt, sagt VG-Geschäftsleiter Steinkirchner, wegen der Nähe zu Wohnbebauung keine Firmen zu wählen, die rund um die Uhr Verkehr produzieren. Nicht zuletzt, damit sich Anwohner vorab keine Sorgen wegen möglicher Lärmbelästigung machen müssen, gehe man den transparenten Weg und lasse die Firmen sich öffentlich vorstellen.

Voraussichtlich sind die Unternehmen in der kommenden Sitzung die beiden letzten, die sich vorstellen dürfen. Es könnten aber noch mehr werden, sagt Steinkirchner. Denn die Nachfrage – auch wegen der Berichte in der Presse – sei groß.

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