Familie, Freunde und Verein verabschieden Ruder-Weltmeister Oliver Zeidler nach Tokio

Das Abenteuer Olympia beginnt

  • Dieter Priglmeir
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Unser Ruder-Ass Oliver Zeidler aus Schwaig ist auf dem Weg nach Olympia. Wir haben ihn kurz vor Tokio noc einmal getroffen.

Schwaig – Die letzten Vorbereitungen vor einem Flug ans andere Ende der Welt sind für gewöhnlich solche Dinge: Koffer packen, Reisedokumente suchen, sich über den Stau auf der FTO ärgern. Oliver Zeidler war vor seinem Trip nach Tokio noch mit seinem Boot auf der Regattastrecke in Oberschleißheim – um 5 Uhr morgens.

„Ich wollte nochmal trainieren. Die nächsten zwei Tage komme ich ja nicht dazu“, sagt der 24-Jährige drei Stunden später. Es ist acht Uhr morgens: Der Ruder-Weltmeister steht nun vor der Sicherheitskontrolle im Terminal 2. Abflug für ihn und seinen Trainer, Vater Heino, zur Mission Olympia-Gold.

„Naja, Gold...“, sagt Zeidler und holt tief Luft, „das kannst du nicht planen. Dafür liegt die Konkurrenz zu eng zusammen. Aber eine Medaille sollte es schon sein.“ Er sei ein wenig aufgeregt, gesteht er. „Aber nur wegen der Sicherheitschecks und Formalitäten bei der Einreise in Japan.“ Der Wettkampf, der mit dem ersten Vorlauf am 23. Juli beginnt, bereite ihm keine Sorgen.

Familie, Freundin, der beste Kumpel und der Ruderclub – alle sind zur Verabschiedung gekommen. Und alle bestätigen: Oliver Zeidler ist vor der Regatta seines Lebens die Ruhe selbst. „Er ist ja auch bombenmäßig in Form“, sagt Hans Johann Färber, Olympiasieger im Bullen-Vierer von 1972. „Ich habe ihn selbst auf dem Wasser gesehen. Es passt alles. Auch technisch ist es nahezu perfekt. Jetzt muss er nur gesund bleiben.“

Der Opa ist guter Dinge, die Schwester Marie-Sophie Zeidler auch. „Dass Olli als Top-Favorit gilt, macht ihm keinen Druck. Er wandelt das eher in Ansporn um“, sagt die U 23-Vizelweltmeisterin (wir berichteten). Ob der große Bruder zuletzt irgendwie anders drauf gewesen ist – Schwestern haben für so etwas ja einen Draht – könne sie allerdings nicht sagen. „Dafür habe ich ihn zu wenig gesehen. Er hat ja schon vor Tagen seinen Rhythmus auf die Ortszeit in Tokio umgestellt.“

Nachts um halb drei Uhr sei er schon durch die Wohnung gegeistert, erzählt Luis Steinmaßl, bester Kumpel und seit neun Monaten Oliver Zeidlers WG-Partner. „Aber das war nicht störend.“ Als ehemaliger Schwimmer habe er Verständnis für die Anforderungen, die der Leistungssport mit sich bringt. „Und Olli ist ja sowieso sehr rücksichtsvoll. Wir haben in der ganzen WG-Zeit noch nicht einmal gestritten“, sagt Steinmaßl. Selbst kurz vor dem wichtigsten Wettkampf seines Lebens habe Oliver Zeidler entspannt gewirkt. „Mental ist er ein absolutes Biest. Druck aushalten, da ist er der Beste der Welt“, so Steinmaßl, der seinem Spezl „einen Platz auf dem Podest“ wünscht. „Alles andere sollten wir allein schon für das Karma nicht aussprechen.“

Die besten Wünsche gibt natürlich auch Helen Scholtissek ihrem Freund mit auf dem Weg. Wie sie ihn zuletzt erlebt hat? „Man merkt, dass er was vorhat. Alle Gedanken kreisen bei ihm um dieses Event.“ Und trotzdem: „Deswegen würde er nie wegen irgendwas ausflippen.“

Familie, Kumpel, Freundin – eine Person hat noch mehr Einblick ins Seelen- und Muskelleben des Oliver Zeidler. Physio Nicole Hollaus ist in ständigem Kontakt mit dem Weltmeister, war auch mit ihm in Österreich im finalen Trainingslager. Sie sagt: „Oliver ist in bester körperlicher Verfassung. Er ist völlig schmerzfrei. Das ist für einen Leistungssportler auf diesem Niveau etwas ganz Besonderes. Wir können uns bei den Behandlungen darauf konzentrieren, das komplette System am Laufen zu halten und auf die Belastungen nach einer Trainingseinheit konzentrieren.“ Ein körperlicher Schwachpunkt, die sinnbildliche Achillesferse? „Nein, die hat Oliver nicht.“

Hollaus hat ihre Arbeit gemacht. Jetzt hilft nur noch Daumen drücken – wie es auch DRCI-Präsident Berthold von Großmann und alle anderen 650 Mitglieder des Donau-Ruderclub Ingolstadt tun. „Olli ist unser erster Olympia-Teilnehmer“, sagt der DRC-Chef. Man werde die Rennen gemeinsam im Bootshaus ansehen. Auch wenn die aufgrund der Zeitumstellung nachts um zwei Uhr sein werden. Wenn Oliver Zeidler um 5 Uhr morgens trainieren kann, können seine Fans auch um 2 Uhr Fernseh schauen.

pir

Rubriklistenbild: © Dieter Priglmeir

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