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Will sich deutlich vergrößern: das Logistikunternehmen Group7 in Schwaig.

Group 7 hat große Pläne

Logistiker will seine Fläche in Schwaig verdreifachen - Verkauft die Gemeinde?

  • Markus Schwarzkugler
    vonMarkus Schwarzkugler
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Dieses Vorhaben hat eine Größenordnung, die selbst in einer florierenden Gemeinde wie Oberding selten vorkommt: Das Logistikunternehmen Group 7 möchte seine Firmenzentrale im Schwaiger Gewerbegebiet an der Eichenstraße flächenmäßig verdreifachen und dafür der Gemeinde rund zehn Hektar Grund abkaufen. „Ich glaube, dass bis jetzt noch niemand so eine große Fläche bekommen hat“, meinte Gemeinderat Georg Stemmer. Bei der Vorstellung der Pläne durch Group7-Vorstand Günther Jocher war der Flächenverbrauch das große Thema. Eine Entscheidung, ob die Gemeinde verkauft, gibt es noch nicht.

Schwaig – Jocher war mit seinen erwachsenen Kindern Julia und Daniel sowie Klaus Spielmann, Leiter Unternehmensentwicklung, in die Sitzung am Dienstag gekommen. Dabei wollte er vor allem demonstrieren: Die Group7 plant ihre Erweiterung mit Vernunft und Nachhaltigkeit und achtet dabei auch auf die Natur. Die Räte hatten Jocher bereits bei einer Besichtigung vor Ort mit Fragen gelöchert, der Vortrag in der Sitzung schien nun trotz aller Bedenken durchaus auch Anklang im Gremium zu finden.

Die anvisierte Fläche befindet sich am Ende der Eichenstraße schräg hinter dem Bestandsgebäude. Die spannendste Zahl in Jochers Vortrag: Künftig könnten es 450 statt der bislang 240 Mitarbeiter werden. Die 210 neuen Jobs wären alle in Festanstellung, wie Jocher auf Nachfrage von Franziska Hilmer versprach.

Campus, Kantine und Wohnungen

Geplant ist ein Bürokomplex, in den die Group7 mit ihrem Personal zieht. Die bestehenden Büroräume sollen an andere Firmen vermietet werden. Zudem soll es Flächen für Produktion und Montage geben, hinzu kommt ein Campus mit viel Grün, in dem sich die Mitarbeiter wohlfühlen sollen. Jocher sprach von „parkähnlichem Charakter“. „Auf das Energiemanagement achten wir sehr“, betonte er. Die Planungen entsprächen der Gold-Zertifizierung durch die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen.

Geplant sind zudem eine neue Kantine, vielleicht sogar eine Gemeinschaftskantine mit anderen Firmen, und eine großflächige Photovoltaikanlage auf dem Flachdach der neuen Produktions- und Montageflächen, deren Energiegewinnung Jocher zufolge 100 Haushalte ein ganzes Jahr lang versorgen könnte. Auch günstige Betriebswohnungen für Mitarbeiter seien geplant. Die Vorteile laut Jocher: kurze Arbeitswege, weniger Umweltbelastung und eine Attraktivitätssteigerung für Gemeinde und Unternehmen als Standort und Arbeitgeber.

Seit seiner Gründung 2006 ist der Umsatz von Group7 kontinuierlich gestiegen. 2019 lag er bei 128 Millionen Euro. Selbst jetzt, in der Corona-Krise, konnte Jocher zum Halbjahr von einer weiteren Steigerung von Gewinn und Umsatz berichten. Kurzarbeit habe es nicht gegeben. 60 Prozent der Mitarbeiter kämen aus einem Umkreis von 25 Kilometern, etwa aus Freising, Moosburg, Eching oder Fraunberg.

Sanitäranlagen für Lkw-Fahrer

Das Unternehmen hat viel Nachfrage. Erst kürzlich habe man einem Kunden im 3D-Druck absagen müssen. Dabei sei es um eine Fläche von 8000 Quadratmetern gegangen, für die schlicht der Platz gefehlt habe, so Jocher.

„Meine beiden Kinder sind voll dabei“, versprach er mit Blick auf die nachhaltige Ausrichtung. Das Unternehmen habe 46 Azubis in fünf Ausbildungsberufen, es gebe zwei duale Studiengänge.

Peter Reiss erkundigte sich nach Parkplätzen. „Ich kann versprechen: Es wird genügend geben“, meinte Jocher dazu. Für Stemmer ist nur eine Tiefgarage vorstellbar, was Jocher nicht ausschloss, aber auch nicht zu 100 Prozent bestätigen wollte. So weit sind die Planungen noch nicht. Was jedoch klar sei: Das neue Gebäude würde so hoch werden wie der Bestand.

Es müsse auch Parkplätze für Lkw geben sowie WC und Dusche für die Fahrer, forderte Matthias Reitinger. „Wir würden da gern was investieren und den Fahrern ein bisserl was bieten“, antwortete ihm Jocher.

Zwei weitere Bewerber

„Warum baut man nicht in die Tiefe? Dann brauchen wir weniger Flächen“, meinte Stemmer. Das sei auch eine Kostenfrage, gestand Jocher. Und: „Wir wollen, dass sich was dreht.“ Das heißt: Um nicht von wenigen Kunden abhängig zu sein, soll nichts lange eingelagert werden, sondern in Bewegung bleiben. Bauen in die Tiefe würde dem entgegenwirken.

Vom Spatenstich bis zur Fertigstellung dürfte ein Jahr vergehen, schätzte Jocher. Er gab sich zuversichtlich, dass die 210 neuen Mitarbeiter innerhalb von nur zwei Jahren akquiriert sein könnten. Voraussetzung für diese Zahl ist eben, dass das Unternehmen die zehn Hektar bekommt. „Sechs bis sieben Hektar wären zu wenig“, so Jocher. Die Größe brauche es, um Synergien nutzen zu können.

Christian Kaiser vermisste in der Planung einen klassischen Campus-Charakter mit verschiedenen Gebäuden.

Zum Schluss betonte der Group7-Vorstand, wie sehr er vom Standort Schwaig überzeugt sei und sagte, er sei ein konservativer und sparsamer Mensch. Er habe sich das Ganze gut überlegt. Das werden auch die Räte tun, bis sie in einer der kommenden Sitzungen über den Flächenverkauf entscheiden werden.

Wie Bürgermeister Bernhard Mücke durchblicken ließ, gibt es noch zwei weitere Bewerbungen für die Erweiterung des Gewerbegebiets. Die Planungen sollen ihm zufolge auch ins Verkehrskonzept einfließen.

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