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Rund 200 Besucher erinnerten sich im Bürgerhaus Niederding an Schwaigermoos und hörten interessiert zu.

Ortschronik Schwaigermoos

164 Seiten gegen das Vergessen

Niederding - Nach der weitgehenden Absiedlung ist Schwaigermoos ein Geisterdorf. Doch die Erinnerungen leben – und füllen nun eine Ortschronik.

Mit rund 200 Gästen wurde es am Sonntag im Bürgerhaus Niederding eng. Nicht nur ehemalige Einwohner von Schwaigermoos feierten die neue Ortschronik als Bekenntnis zur Heimat. Die Ortschaft hatte einst 43 Anwesen, Schule, Feuerwehr, Kirche und Vereine – wegen der geplanten dritten Startbahn begann eine Absiedlungskampagne. Nun ist Schwaigermoos eine Geistersiedlung, wenn auch die letzten Grundbesitzer noch nicht das Feld geräumt haben.

An ihre Heimat erinnerten sich Hildegard Zörr und Waltraud Franzspeck und fassten in Zusammenarbeit mit Gemeindearchivar Georg Gruber den Gedanken an eine Ortschronik. Im Januar 2015 begann die konkrete Arbeit, auch im Hinblick darauf, dass der Ortsteil in der Chronik Oberdings „relativ bescheiden beschrieben ist“. Für die Menschen dort war es jedoch die Heimat. „Wir haben mit vielen älteren Menschen gesprochen, die inzwischen verstorben sind, und es war ein Leuchten in ihren Augen, als sie von der Chronik erfuhren“, erzählt Zörr.

Es ist ein dokumentarisches Werk, in dem jedes Anwesen in Wort und Bild dargestellt und übers Dorfleben berichtet wird. Torfstechen sowie Anbau von Pfefferminze, Kräutern und Gemüse kennzeichneten den Ort, der Ende des 18. Jahrhunderts entstand. Für Gruber „kam in Schwaigermoos der Pioniergeist zum Ausdruck, aus dem Oberding wurde“.

Bürgermeister Bernhard Mücke lobte das Werk als „einen kleinen Schatz gegen das Vergessen“. Entstanden sei es aus der Liebe zur Heimat. Er dankte Initiatoren und Mitarbeitern sowie den vielen Menschen, die bereit waren, Erinnerungsstücke zur Verfügung zu stellen und aus ihrem Leben zu erzählen.

Landrat Martin Bayerstorfer zeigte sich in seinem Grußwort überrascht vom Besucherandrang, fand aber die Erklärung darin, „dass es wichtig ist, sich zu besinnen, wo man herkommt“. Auch für die Jugend sei es gut, nach Schule und Ausbildung einmal etwas anderes zu erleben, „aber es ist wichtig, wenn man dazu ein Fundament hat“. Schwaigermoos sei „eine Ortsgemeinschaft die zusammen gelebt und zusammen gearbeitet hat“.

Gert Seidel

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