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Sensenblatt und ein vergessenes Wappen

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Von: Markus Schwarzkugler

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An vielen Ortseingängen in der Gemeinde ist das Oberdinger Wappen zu sehen, hier am Schulzentrum.
An vielen Ortseingängen in der Gemeinde ist das Oberdinger Wappen zu sehen, hier am Schulzentrum. © Roland Albrecht

Nein, mit dem Sensenmann hat die Gemeinde Oberding nichts zu tun – oder zumindest nicht mehr als andere Gemeinden auch. Die Ortschaft hat nicht etwa besonders viele Pest-, Kriegsopfer oder dergleichen zu betrauern gehabt, vielmehr bezieht sich das Sensenblatt im doch recht schlichten Wappen auf die Landwirtschaft.

Oberding - Laut dem Haus der Bayerischen Geschichte lautet die Blasonierung, also die offizielle Wappenbeschreibung folgendermaßen: „In Blau ein schräglinks gestelltes silbernes Sensenblatt.“ Mit Gevatter Tod hat es nichts zu tun, dieses Ding im Wappen.

Apropos Ding: Der Ort „Dieng“ taucht laut Homepage der Gemeinde erstmals in den Urkunden am 3. Juli 750 auf, also vor annähernd 1300 Jahren, und zwar als Ausstellungsort einer Schenkungsurkunde Herzog Tassilos III. Damals überließen Freibauern und der Herzog Besitzungen an der Isar dem Bischof Joseph von Freising.

Das Festlegen auf ein Gemeindewappen war nicht ganz so einfach, weil die einstigen grundherrlichen Verhältnisse keine geeigneten Anknüpfungspunkte ergaben. Die Grundherrschaft war nämlich ziemlich gleichmäßig unter den bayerischen Herzögen und der Kirche von Freising aufgeteilt. Letztlich sollte ein Sinnbild aus der Landwirtschaft herhalten: das Sensenblatt als Zeichen für bäuerliches Leben und Arbeiten.

Hat längst ausgedient: das Notzinger Wappen.
Hat längst ausgedient: das Notzinger Wappen. © privat

Das hatte drei gute Gründe. Zum einen wurde die erstmals als „villa deoinga“ auftauchende Siedlung von einem Freibauern namens Deo (daher das „Dieng“) gegründet. Zum anderen war die Siedlung bäuerlich geprägt. Und noch ein dritter Punkt: Auch das benachbarte Erding hat ein bäuerliches Symbol im Wappen: eine blaue Pflugschar auf weißem Grund. Zwischen Oberding und Erding wird ein siedlungsgeschichtlicher Zusammenhang vermutet.

Fragt sich nur noch, woher die Farbgebung in Silber und Blau kommt. Laut Haus der Bayerischen Geschichte unterstreicht sie die historische Zugehörigkeit zum Herzogtum Bayern. Im Dienstsiegel der Gemeinde weist die Jahreszahl 750 über dem Wappen auf die außergewöhnlich frühe Nennung des Ortes als besagte „villa deoinga“ in der Schenkungsurkunde Herzog Tassilos III. hin. Entworfen hat das Wappen der Münchner Heraldiker Emil Werz (1885–1957), der in unserer Serie schon öfter vorgekommen ist: Auf ihn gehen zahlreiche Hoheitszeichen im Landkreis zurück. Ihr aktuelles Wappen führt die Gemeinde seit 1950.

Übrigens: Das seit 1965 von der Gemeinde Notzing geführte Wappen ist durch die Eingemeindung nach Oberding 1976 untergegangen. Unerwähnt soll es in diesem Artikel aber freilich nicht bleiben. Die Blasonierung des vom Passauer Max Reinhart (1924–2016) kreierten Wappens lautet: „Geteilt von Rot und Gold; oben ein silberner Schrägbalken belegt mit einem schwarzen Pfeil; unten ein schrägliegender grüner Rohrhalm mit schwarzem Kolben.“

In Notzing bestand nachweislich seit dem 14. Jahrhundert ein Adelssitz, der lange Zeit im Eigentum der freiherrlichen Familie von Schrenck-Notzing stand. Die Gemeindeteile Goldach und Notzingermoos sind jüngere Ausbausiedlungen im Erdinger Moos. Das – mittlerweile ausgediente – Gemeindewappen stellt entsprechend die historische und siedlungsmäßige Struktur der Gemeinde dar: durch das freiherrliche Wappen der Schrenck-Notzings (Schrägbalken mit aufgelegtem Pfeil) und durch den Rohrkolben auf die Siedlungslage am beziehungsweise im Erdinger Moos.

Oberding, Niederding, Notzing: Die Endung „-ing“ nimmt Bezug auf die damals zeitgleiche Entstehung des bayerischen Herzogtums. Und die Bairisch-Sprecher in der Gemeinde betonen das „Ding“ am Ende sowieso gerne und sagen „Oberdeang“, „Niederdeang“ oder einfach kurz und knapp: „Deang“.

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