Hans Moritz, Redaktionsleiter des Erdinger/Dorfener Anzeiger.

Kommentar zum Wochenende

Sextäter im Asylheim: Regierung hat versagt

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Die Regierung von Oberbayern schmeißt Familien mit Kindern aus der Asylunterkunft bei Aufkirchen, um einen gefährlichen Sextäter dort unterzubringen. Die lokalen Behörden erfahren das erst in letzter Minute. Die Regierung hat versagt, meint Redaktionsleiter Hans Moritz in seinem Kommentar zum Wochenende.

Erst wird in Erding der Warteraum Asyl im Fliegerhorst angesiedelt, dann das Gefängnis in einen Abschiebeknast umgewandelt. Nun wurde auch noch ein gefährlicher Sextäter in der Asyl-Unterkunft zwischen Erding und Aufkirchen untergebracht (siehe Nord-Seite). Alles handstreichartig, alles ohne Beteiligung der örtlichen Politik.

Erding scheint der Schrottplatz verfehlter Asylpolitik zu sein. Hier lässt sich besichtigen, wie man Willkommenskultur, Hilfsbereitschaft und Integration mutwillig an die Wand fahren kann.

Der Fall des offensichtlich gefährlichen Senegalesen könnte das Fass selbst in der an sich gelassenen Erdinger Bürgergesellschaft zum Überlaufen bringen.

- Dieser Mensch verbreitet Angst – trotz teurer Dauer-Überwachung und Fußfessel.

- Das Vertrauen in einen kümmernden Sozialstaat geht verloren, wenn Hals über Kopf Familien mit Kindern aus der Unterkunft an der Flughafentangente ausziehen müssen, damit ein einzelner Straftäter einquartiert werden kann.

 - Die Ehrenamtlichen werden überfordert. Sie hat man nicht nur brüskiert. Man hat ihnen auch gezeigt, wie wenig ihre Arbeit wertgeschätzt wird. Frauen und Kinder, zu denen sie ein Vertrauensverhältnis aufgebaut hatten, und die sich gerade zu integrieren begannen, wurden holterdipolter verpflanzt. Um den Transport mussten sich sogar die Helfer kümmern. Wer will sich unter diesen Umständen noch engagieren? Weiß der Staat, dass ihm der gesamte Komplex Migration krachend um die Ohren fliegt, sobald die Ehrenamtlichen die Hände in den Schoß legen?

- In dem Heim leben nun 90 überwiegend junge Männer ohne Frauen und Kinder – ein Pulverfass voller Frust und Testosteron. Der Senegalese ist die brennende Lunte. Die Polizei darf dann mal wieder löschen. Wenn sie nicht gerade im Abschiebeknast gebraucht wird.

 - Der Ex-Häftling stellt auch für die hier lebenden Afrikaner eine schwere Belastung dar. Ihnen wird nun Misstrauen entgegenschlagen. Das ist fatal und größtenteils nicht gerechtfertigt.

All das wäre vermeidbar gewesen, hätte sich die Regierung nicht so selten dämlich angestellt. Sie hat den Senegalesen selbst an den Pranger gestellt. Der Rausschmiss der Familien konnte nicht unbemerkt bleiben.

Gottlob leben wir in einem Rechtsstaat. Deswegen kann man den Mann nicht einfach wegsperren oder hinter der Grenze absetzen. Aber man kann ihn der Öffentlichkeit ersparen. Wofür gibt es denn Abschiebezentren?

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