Gemeinderat Oberding

Verbaler Schlagabtausch um Ultrafeinstaub

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Schwaig liegt direkt neben dem Flughafen. Die Luft dort ist aber gut, erklärten Flughafen-Vertreter im Gemeinderat. Da hielten Mitglieder des Freisinger Bürgervereins vehement dagegen. Ein Schlagabtausch.

Oberding – Ausgiebige Diskussionen erlebt man selten im Oberdinger Gemeinderat. Umso bemerkenswerter war die Sitzung am Dienstagabend: Auf dem Programm stand die Vorstellung der mobilen Luftgütemessung von Mitte Februar bis Ende Dezember an der Kirchenstraße in Schwaig. Zu Gast waren Hermann Blomeyer und Dr. Katharina Kamilli vom Flughafen sowie Rebecca Dutzi vom Planegger Ingenieurbüro Müller-BBM, das an den Messungen beteiligt ist. Die Drei lieferten sich ein hitziges Wortduell vor allem mit Vertretern des Bürgervereins Freising um Vorsitzenden Reinhard Kendlbacher und Vize Wolfgang Herrmann.

Die von den Experten vorgestellten Immissionswerte lagen alle im „guten“ bis „sehr guten“ Bereich (siehe Kasten). Für entspannte Gesichter im gerade mal siebenköpfigen Zuhörerbereich sorgte das nicht. Der Aufkirchener Valentin Reitmajer fragte: „Haben Sie Ultrafeinstaub nicht gemessen?“ Blomeyer antwortete ihm: „In irgendeiner Form ist er drin.“ Das Problem sei, dass es keine gesetzlichen Normen für Ultrafeinstaubpartikel (UFP) gebe.

Aber es werde sehr wohl gemessen durch die Bürgerinitiative in Freising, meinte Reitmajer dazu. Nun schalteten sich auch die Vertreter des Freisinger Bürgervereins ein, der sich gegen die dritte Startbahn engagiert und sich derzeit das Thema Ultrafeinstaub groß auf seine Fahnen geschrieben hat. Es entwickelte sich ein verbaler Schlagabtausch.

Blomeyer versuchte mehrmals zu erklären, dass man Ultrafeinstaub durchaus messen könnte. Das würde jedoch erst Sinn machen, wenn die Wissenschaft verlässliche Vergleichs- und Grenzwerte geschaffen habe. Kamilli ergänzte, dass entsprechende Messgeräte derzeit Ergebnisse lieferten, die teils bis zu 60 Prozent voneinander abweichen. „Alle Ergebnisse sind nur auf wissenschaftlicher Ebene. Die Geräte haben definitiv einen hohen Standard, sie sind aber nicht genormt“, erklärte Kamilli.

„Es verunsichert mich schon, wenn Sie das Gegenteil von dem sagen, was die Bürgerinitiative sagt“, meinte Reitmajer. In der Diskussion ging es unter anderem auch darum, ob der Flughafen vielleicht bewusst an Standorten misst, wo die Konzentration von Schadstoffen nicht ganz so hoch ist. Dagegen wehrte sich Blomeyer vehement.

Irgendwann ging der von der Diskussion sichtlich genervte Bürgermeister Bernhard Mücke dazwischen. „Wir drehen uns bloß im Kreis. Es gibt keine anerkannten Messverfahren für UFP.“ Auf der Tagesordnung stehe die Messung in Schwaig, „nicht Ihr Privatduell mit dem Flughafen“. Die Politik sei sehr wohl dahinter, dahingehend etwas auf den Weg zu bringen. Laut Mücke wird in der Fluglärmkommission das Thema Ultrafeinstaub intensiver diskutiert als das eigentliche Thema, der Fluglärm. „Es wird was passieren“, versprach der Bürgermeister.

Vom Schlagabtausch genervt war auch Gemeinderat Rainer Hellinger, der wohlgemerkt in Schwaig wohnt. Die vorgestellten Werte müsse man auch als Anwohner akzeptieren. Die Diskussion sei so nicht zielführend.

Bürgervereinsvize Herrmann störte sich am Ende der 80-minütigen Diskussion an der Mimik Blomeyers: „Mich wundert, dass Sie noch lachen können. Ultrafeinstaub ist eine todernste Angelegenheit“, so Herrmann, der Spätfolgen von Asthma bis Krebs ins Feld führte.

Werte von gut bis sehr gut

Nach dem Bericht von Flughafen und Ingenieurbüro Müller-BBM lässt es sich in Schwaig gesund leben – trotz der Nähe zum Flughafen. Zehneinhalb Monate wurde gemessen, was mehr sei als der gewöhnliche Zeitraum von einem halben Jahr. Das erklärte Hermann Blomeyer von der Flughafen München GmbH. Optimal für ein genaues Ergebnis sei ein ganzes Jahr, wegen der Nachfrage nach mobiler Luftgütemessung sei das nicht machbar. Für Stickstoffdioxid wurde an der Messstelle in Schwaig ein Mittelwert von 15 Mikrogramm pro Kubikmeter ermittelt. Der Grenzwert für das Jahresmittel liegt bei 40 Mikrogramm. Bei Feinstaubpartikeln der Größe PM10 lagen die Werte bei 12 Mikrogramm (Grenzwert laut Bundes-Immissionsschutzverordnung: 40) und bei der Partikelgröße PM2,5 bei 9 (25). Nirgends wurden Grenzwerte überschritten. Die Note „gut“ gab es für Benzol, Stickstoffdioxid und Feinstaub PM10, „Sehr gut“ ist die Schwaiger Luft sogar beim Schwefeldioxid.

Rubriklistenbild: © dpa

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