Zuckerrüben mitten im Naturschutzgebiet. Mario Mitschke kritisiert, dass es zu viele solcher Futtermöglichkeiten für die Wildtiere gibt.
+
Zuckerrüben mitten im Naturschutzgebiet. Mario Mitschke kritisiert, dass es zu viele solcher Futtermöglichkeiten für die Wildtiere gibt.

Anwohner in Notzingermoos schreibt an Jäger-Präsidenten – Landratsamt ermittelt

Verdorbenes Futter im Naturschutzgebiet Notzingermoos: Landratsamt ermittelt

  • Markus Schwarzkugler
    vonMarkus Schwarzkugler
    schließen

Mario Mitschke wohnt seit 32 Jahren im Naturschutzgebiet Notzingermoos. Er ärgert sich über Lebendfallen dort und über übermäßige Wildtierfütterung. Sogar verdorbenes Futter prangert er an. Das Landratsamt wird ermitteln.

Notzingermoos – Leben im Naturschutzgebiet: Das klingt an sich romantisch. Mario Mitschke wohnt seit 32 Jahren mit seiner Familie in Notzingermoos, doch die Romantik vergeht ihm ab und an. In einem Brief an den neuen Präsidenten des Bayerischen Jagdverbands, Ernst Weidenbusch, fordert Mitschke, dass Lebendfallen künftig verboten und Wildtierfütterungen nur in Notzeiten zugelassen werden – so wie es im Jagdgesetz auch beschrieben sei. Mitschke ist im Naturschutzgebiet Notzingermoos sogar auf verdorbenes Futter gestoßen. Unsere Zeitung hat beim Landratsamt nachgefragt. Ermittlungen laufen demnächst.

In seinem Brief berichtet Mitschke vom vergangenen Sommer, als ihm seine Nachbarin eine E-Mail mit Bildern geschickt hatte. Darauf zu sehen: „Tauben in einer Lebendfalle gehalten, ohne Wasser und ohne Futter, und das bei 28 Grad Celsius.“

Lebendfallen, wie hier in Notzingermoos, sind rein rechtlich erlaubt.

Auf Hinweis Mitschkes überprüfte das Veterinäramt Erding die Angelegenheit und nahm dazu Kontakt mit dem Sachgebiet Tierschutz des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit auf. „Dieses lehnt die Haltung lebender Lockvögel aus Tierschutzsicht ab“, erhielt Mitschke als Antwort aus dem Landratsamt-Fachbereich Natur und Umwelt. Die entsprechende E-Mail liegt der Redaktion vor. Darin heißt es zudem, dass der Einsatz von lebenden Tieren als Lockmittel mit einer erheblichen Belastung für das Tier verbunden sei, „da es entgegen seines natürlichen Feindmeidungsverhaltens nicht vor dem Raubtier fliehen“ könne. In diesem Fall beispielsweise Greifvögel, die für die Tauben „erheblichen Stress“ bedeuteten, da sie nicht entkommen könnten.

Trotz allem: Explizit verboten ist der Einsatz lebender Lockvögel im Jagdrecht nicht. „Aus Tierschutzsicht ist er jedoch abzulehnen“, heißt es in besagter E-Mail der Behörde vom Sommer. Damals gab es einen Vor-Ort-Termin mit den Jagdpächtern, „mit dem Ergebnis, dass aktuell keine Tauben in der Gitterkonstruktion gehalten werden und die Fuchsfalle nicht fängisch gestellt ist“.

Ein weiteres Ärgernis für Mitschke ist die übermäßige Fütterung von Wildtieren. Jahr für Jahr weise er darauf hin, allerdings vergeblich. Alles sei erlaubt. In seinem Brief an den Jäger-Präsidenten kritisiert er unter anderem „Mast-Container an jeder Ecke und nun noch tonnenweise Zuckerrüben. Aber das reicht anscheinend noch nicht, vergammeltes Raufutter mit Schimmel wird zur Mahlzeit präsentiert“, kritisiert Mitschke, der schlussfolgert: „Unsere Wildtiere haben kaum Bewegung, fallen von einer zur anderen Futterstelle, was Magen-Darm-Probleme verbunden mit Durchfall auslöst.“

Wurde tatsächlich verdorbenes Futter in der Natur verteilt? Das Landratsamt bestätigt das auf Nachfrage unserer Zeitung. Heu sei illegal entsorgt worden. Wie Sprecherin Claudia Fiebrandt-Kirmeyer betont, ist dafür nicht der Jagdpächter verantwortlich. Das Heu müsse „selbstverständlich entfernt werden, um das Wild nicht zu gefährden“. Der Fachbereich Naturschutz werde Ermittlungen einleiten.

„Grundsätzlich ist die in bisherigem Umfang erfolgte Wildfütterung zulässig, dies wurde auch von der Regierung von Oberbayern mehrfach bestätigt“, teilt die Behördensprecherin zudem mit. Weitere ähnliche Fälle mit verdorbenem Futter habe es im Landkreis bis dato kaum gegeben.

Zudem informiert Fiebrandt-Kirmeyer, dass für die Wildfütterung in Notzeiten kein kalendarischer Zeitraum festgelegt sei, da es regional zu großen Unterschieden kommen könne, zum Beispiel in Bezug auf Bodenfrost, Schneefall und generelles Futterangebot. „Notzeit mit der Verpflichtung zur Wildfütterung ist dann gegeben, wenn den Wildtieren keine geeigneten natürlichen Nahrungsquellen zur Verfügung stehen.“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare