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Zum Wegwerfen zu schade: Senior aus Bayern verschenkt seine Weihnachtskrippen - „Irgendwann muss Schluss sein“

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Von: Markus Schwarzkugler

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Eine Garage voller Krippen: Eine seiner größten hat Gerd Müller, hier mit seiner Frau Gabriele, fürs Foto nach draußen geholt. Zwölf Stück hat er daheim in Schwaig, weitere in einem Lager in Erding.
Eine Garage voller Krippen: Eine seiner größten hat Gerd Müller, hier mit seiner Frau Gabriele, fürs Foto nach draußen geholt. Zwölf Stück hat er daheim in Schwaig, weitere in einem Lager in Erding. © Markus Schwarzkugler

Gerd Müller sammelt Krippen, die er zur Weihnachtszeit verleiht. Doch auch wegen Corona ist das schwieriger geworden. Nun will er sie herschenken - und am liebsten was Gutes damit tun.

Schwaig – Gerd Müllers Garage ist voll. Nicht, weil dort etwa ein dickes Auto steht, und auch nicht, weil er dort nur Müll ansammelt. Das Autofahren hat der 80-Jährige ohnehin aus gesundheitlichen Gründen aufgehört. Nein: In Müllers Garage unweit seiner Wohnung in Schwaig stapeln sich in diversen Regalen und auf Holzböcken von ihm komplett selbst gefertigte Weihnachtskrippen. „Und die meisten sind viel zu groß“, meint seine Gattin Gabriele (79) schmunzelnd.

Ihr Mann kramt ein vergleichsweise kleines Exemplar hervor, deutet auf eine Eule, die er aufs Dach geklebt hat, und sagt grinsend: „Siehst du, da ist sogar eine kleine Eule drauf.“ Müller ist ein Bastler durch und durch. Umso trauriger ist es nun für ihn, dass er seine Kreationen abgeben wird. Doch noch viel schlimmer wäre es, wenn die Krippen keinen Abnehmer finden und sie weggeworfen werden müssten.

Weihnachtskrippen zu verschenken - Gerd Müller will Platz schaffen

Das Kuriose gleich mal vorweg: In der Wohnung stellen die Müllers keine Krippe auf. Es sei schwierig, dort den richtigen Platz zu finden, findet Gabriele Müller. „Nee, wir haben immer für andere gesorgt“, sagt ihr Mann Gerd, eine rheinische Frohnatur, lachend. Und das ging jahrelang so: Müller lieferte seine Krippen, als er noch ein Auto hatte, zur Adventszeit bei Schulen, Kindergärten, Gaststätten und Hotels ab, aber zum Beispiel auch im Kaufland, Pichlmayr-Seniorenzentrum, Frauenhaus oder der Therme in Erding.

Zur Dekoration wurden die Krippen dort aufgestellt, und nach der Weihnachtszeit holte Müller sie wieder ab. Und lagerte sie nicht nur in einer Garage ein, sondern auch in einem eigens dafür angemieteten Lagerraum in Erding. Insgesamt sind es rund 20 Stück. Geld verlangte Gerd Müller nicht, die wenigsten hätten von sich aus etwas gegeben für die Ausleihe, erzählt er.

Langsam lässt die Gesundheit nach, ein Auto fährt er wie erwähnt nicht mehr. Und der Kontakt zu den belieferten Einrichtungen ist schwieriger geworden. „Auch wegen Corona ziehen sich einige zurück“, erzählt seine Frau Gabriele. „Corona hat alles kaputtgemacht.“ Stand jetzt hat Tüftler Müller erst eine Zusage, dass er seine Krippe wieder vorbeibringen darf.

Zum Wegwerfen zu schade: Senior aus Bayern verschenkt seine Weihnachtskrippen

„Irgendwann muss Schluss sein“, findet Gabriele Müller. Der Mietvertrag für den Lagerraum ist zum Ende des Jahres gekündigt. Jetzt hofft das Ehepaar, dass sich, auch über den Artikel in unserer Zeitung, genug Einrichtungen finden, die sich bereit erklären, die Krippen nach der Adventszeit bei sich einzulagern – und sie in den folgenden Jahren wieder aufstellen. Das wäre der große Wunsch, im Notfall würden die Müllers die Krippen auch Privatpersonen überlassen – gerne, aber nicht zwingend gegen eine kleine Spende.

Wenn sich auch hier nicht genügend Abnehmer finden würden, müssten die Krippen verschrottet werden. „Das täte weh, aber was hilft’s? Wenn wir mal nicht mehr sind, würden das unsere Kinder auch machen“, sagt Gabriele Müller. Sie stammt aus Aschaffenburg, ihr Mann ist gebürtiger Rheinländer. Als gelernter Zimmerer war er früher viel unterwegs, auf einer seiner Reisen lernte er in einem Hotel seine dort arbeitende, spätere Gattin kennen. Das Paar ist seit mittlerweile 54 Jahren verheiratet. Die Tochter wohnt in Oberding, der Sohn in Landshut.

Aus Gips sind die Krippenfiguren, die Gerd Müller selbst herstellt. Seine berufliche Erfahrung als Orthopädiemechaniker ist ihm dabei sehr hilfreich.
Aus Gips sind die Krippenfiguren, die Gerd Müller selbst herstellt. Seine berufliche Erfahrung als Orthopädiemechaniker ist ihm dabei sehr hilfreich. © Markus Schwarzkugler

Seit sechs Jahren wohnen die Müllers nun in Schwaig, davor lebten sie sieben Jahre in Notzing und 29 Jahre in Buch am Buchrain. Dort fing die ganze Bastlerei so richtig an, erzählt Gerd Müller, der seine erste Krippe von der Mutter bekommen hat. „In der Tankstelle in Buch habe ich eine Krippe gesehen. Da dachte ich mir: Das kann der Müller-Vater auch“, erinnert er sich schmunzelnd. Die erste Krippe, die er lieferte, ging an die Bucher Kirche. Und so kam eins zum anderen.

Begeisterter Hobby-Bastler verschenkt seine Weihnachtskrippen: „Ich verbaue alles“

Nach einer Anleitung für das Bauen einer Krippe gefragt, winkt Müller nur ab. Das tut er auch bei der Frage, welches Holz er verwendet. „Ich verbaue alles“, sagt er lachend. Die Besorgungen dafür erledigt er im Bauhof oder im Baumarkt. Das handwerkliche Geschick bringt Gerd Müller sowieso wegen seines Berufs mit.

Damit ist nicht nur der Zimmererjob gemeint. Später sattelte er nämlich um und wurde Orthopädiemechaniker. Gerd Müller ist ein Halbbruder des Erdinger Orthopädietechnikmeisters Rainer Graf. Seine Erfahrung aus diesem Beruf hilft Müller beim Herstellen der Krippenfiguren, denn auch die macht er selbst. Früher kreierte er Gelenke, später dann eben die Heiligen Drei Könige. Müller formt sie mit den Händen aus Gips und bemalt sie nach der Trocknung.

Aufhören will der Bastler nicht. Deswegen macht Gerd Müller nun statt großer Krippen lieber kleine Wagen und Tisch- beziehungsweise Bankgestelle zur Deko.
Aufhören will der Bastler nicht. Deswegen macht Gerd Müller nun statt großer Krippen lieber kleine Wagen und Tisch- beziehungsweise Bankgestelle zur Deko. © Markus Schwarzkugler

Für sein Hobby, das vor rund 20 Jahren so richtig Fahrt aufnahm, hat der Bastler in der Rente viel Zeit gefunden. „Ich musste ihn abends um neun, halb zehn hereinrufen“, erinnert sich seine Frau schmunzelnd. Große Krippen baut ihr Mann auch auf ihr Betreiben hin mittlerweile nicht mehr, ganz sein lassen will der 80-Jährige das Basteln aber nicht. So fertigt er zur Deko beispielsweise kleine Wagen oder Tisch- und Bankgestelle an, auf die er Figuren setzt.

„Letztlich geht die ganze Sache an mein Portemonnaie“, sagt Gerd Müller achselzuckend. Trotzdem will er nichts verlangen, wenn er seine Weihnachtskrippen für immer in andere Hände geben wird. Jeder könne ja freiwillig etwas hergeben, wenn er denn wolle. Nur eins will der Tüftler eben nicht: Dass die Produkte unzähliger liebevoller Bastelstunden auf der Müllhalde landen müssen.

Anmerkung der Redaktion: Die Krippen von Gerd Müller wurden bereits alle verteilt.

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