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Vernetzung ist wichtig: Realschulleiter Martin Heilmaier im Austausch mit dem OGS-Team um Sonja Brand, Maria Bedat, Kerstin Albers, Schulsozialarbeitin Jasmin Gaenge, Ina Koppen und Studentin Sandra Weinzierl (v. l.).

Zu Besuch in Oberding

Drei Stunden, die es in sich haben: Erfolgsmodell Offene Ganztagsschule

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Die Offene Ganztagsschule (OGS) ist ein Erfolgsmodell, das sich zunehmender Beliebtheit erfreut. Auf besonders fruchtbarem Boden steht sie in Oberding. Großzügige Räumlichkeiten und ein erfahrenes Personal – mit für eine OGS relativ wenig Fluktuation – finden dort die Real- und Mittelschüler vor, wenn sie nach Schulschluss von 13 bis 16 Uhr betreut werden. Die Oberdinger OGS ist in gewisser Weise ein Vorreiter. Trotzdem gibt es auch dort Luft nach oben, wie Realschulleiter Martin Helmaier findet.

Oberding – Am Oberdinger Schulzentrum läuft die OGS bereits im neunten Jahr. Waren es zu Beginn im Schuljahr 2011/12 noch 19 Schüler, sind es im laufenden schon 63. Eine abwechslungsreiche Betreuung in die drei Stunden zu packen, das ist die Kunst an der OGS. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Vernetzung, wie Ina Koppen sagt, ein Gesicht der fünfköpfigen Mannschaft aus Kinderpflegerinnen, Erzieherinnen und einer dualen Studentin. Vernetzung nicht nur schulintern, sondern auch extern.

Auf Oberdinger Initiative geht ein Arbeitskreis zurück, den es seit diesem Schuljahr gibt. Einmal im Quartal tauschen sich Vertreter der verschiedenen OGS im Landkreis aus. Dabei geht es um Vieles: Wie wird der Freizeit-Teil gestaltet, wie geht man mit Schülern mit Autismus um, wie läuft die Hausaufgaben-Betreuung, wie sieht es mit Fortbildungen für die Pfleger und Erzieher aus, und wie werden diese finanziert?

Auf drei Säulen basiert die Betreuung an der OGS: Verpflegung, Freizeit und Hausaufgaben. Dass Letztere erledigt sind, wenn die Kinder nach 16 Uhr nach Hause kommen, das ist laut Kerstin Albers vom OGS-Team ein großer Wunsch der Eltern.

Während viele OGS gerade mal zwei Räume zur Verfügung hätten, erklärt sie, seien es in Oberding mehr. Zum Beispiel eine „Willkommens-Aula“ mit Tischtennisplatte, Billardtisch und Kicker. Hinzu kommen zwei Hausaufgaben-Räume und ein Kreativraum, der bewusst nicht Bastelraum genannt wird. Schließlich besuchen auch heranwachsende Jugendliche die OGS, meint Albers augenzwinkernd und zeigt auf frisch kreierte Faschingsmasken. „Es kristallisieren sich richtige Künstler heraus.“ Jeder soll sich an der OGS nach seinem Gusto ausleben können und seine Freiräume haben. Genutzt werden auch der Schulhof oder die Turnhalle. Hinzu kommt ein Spielraum, etwa zum Wattn – bayerische Tradition soll eben auch gepflegt werden.

Es wird gekocht, gebacken, und es gibt sogar eine Hip-Hop-Gruppe, die eine ehemalige Mittelschülerin leitet. Die Eltern zahlen für die Mittagsverpflegung, je nachdem, ob ihre Kinder an zwei, drei, vier oder fünf Tagen das OGS-Angebot nutzen. Flexibilität spielt eine große Rolle.

Das Personal ist bei der Gemeinde angestellt. Ein Vorteil, so Heilmaier. Während in anderen Einrichtungen oft 450-Euro-Jobber anderweitig angestellt seien und die Fluktuation im Personal hoch sei, sei das Team in Oberding – allesamt in Teilzeit – relativ konstant besetzt. Und wenn es mal ein Problem gebe, seien die Wege nicht weit. Ein Anruf bei der Gemeinde genüge, so Heilmaier.

Anders als in der Anfangszeit ist das OGS-Konzept mittlerweile akzeptiert. Heutzutage ist es eben selbstverständlich, dass beide Elternteile arbeiten und ihre Kinder am Nachmittag betreuen lassen, erklärt Albers dazu. Wenn die Kinder allein zuhause sind, gibt es auch Gefahren, etwa was digitale Medien angeht. Freilich können diese auch von Vorteil sein. Tablet-PCs und Laptops finden in Oberding nicht nur an der OGS Verwendung, in der siebten Klasse gibt es etwa eine Tablet-Klasse. Das Nachschlagen in Wörterbüchern macht jungen Menschen eben nicht so viel Spaß wie mit einem digitalen Medium zu recherchieren, erklärt Albers dazu.

Schlüssel zum Erfolg ist auch ein enger interner Austausch zwischen OGS-Team, Schulleitung und Schulsozialarbeiterin Jasmin Gaenge. Hier sieht Heilmaier aber noch Potenzial: Zum kommenden Schuljahr soll es ein Bindeglied aus dem Lehrerkollegium geben. So soll auch die Lehrerseite ihre Erfahrungen aus dem Unterricht in Bezug auf einzelne Schüler verstärkt einbringen. Das scheitert Heilmaier zufolge derzeit noch oft an deren Auslastung. Hier ist man auch schon bei einem weiteren Vorteil der OGS-Betreuung: Dort fällt in der Regel schneller auf, wenn es im privaten Umfeld eines Schülers Probleme gibt. Wenn man als Lehrer vor rund 30 Schülern steht, gehen solche Dinge eher auch mal unter.

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