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Willkommen in der Lernwerkstatt Halle 36: In der ehemaligen Fahrzeughalle auf dem Gelände der Bayernkaserne können Flüchtlinge in Handwerksberufe schnuppern. Holger Gödderz (l.) und Roberto Reinmann sind beim Verein angestellt. Die Schaukel, auf der Vorsitzende Verena Stadler sitzt, hat ein Teilnehmer selbst gebaut.

Angebot für Asylbewerber 

Ottenhofenerin Verena Stadler: Das Handwerk als Lernort fürs Leben

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Seit drei Jahren können Geflüchtete in der Lernwerkstatt Halle 36 ins Handwerk schnuppern. Vorsitzende des gleichnamigen Verein ist Verena Stadler aus Ottenhofen.

Ottenhofen/München– Über Freude am Handwerken in die deutsche Arbeitswelt: Auf dem Gelände der ehemaligen Bayernkaserne in München bietet der Verein Lernwerkstatt Halle 36 Geflüchteten die Möglichkeit, verschiedene Handwerksbereiche kennenzulernen. Inzwischen gibt es den Verein und sein Angebot seit gut drei Jahren.

Frau der ersten Stunde ist Vorsitzende Verena Stadler aus Ottenhofen. Die 24-jährige Studentin der Energie- und Gebäudetechnik an der Hochschule München gehört zu den zwölf Gründungsmitgliedern, die den gemeinnützigen Verein im Frühjahr 2015 ins Leben gerufen haben.

Entstanden ist die Idee der Lernwerkstatt, nachdem viele Asylbewerber in der ehemaligen Bayernkaserne untergebracht worden waren. Sie diente als Erstaufnahmeeinrichtung und Gemeinschaftsunterkunft. Stadler hatte im Sommer 2014 bei einem Ingenieurbüro auf dem Gelände gearbeitet. „In Sachen Sport- und Freizeitaktivitäten war alles abgedeckt“, erinnert sich Stadler. Was aber fehlte, waren Möglichkeiten, um vor allem den meist jungen männlichen Geflüchteten einen strukturierten Tagesablauf zu bieten und ihnen zu zeigen, wie das Ausbildungssystem in Deutschland funktioniert. „Dafür ist das Handwerk super geeignet“, sagt Stadler.

„Es entstand der Gedanke, eine berufsorientierende Maßnahme anzubieten sowie eventuell vorhandene Potenziale erkennen und fördern zu können“, erklärt die junge Frau, die Vorsitzende des CSU-Ortsverbandes Ottenhofen und der Jungen Union Neuching-Moosinning ist, sich aber auch im JU-Kreisvorstand engagiert.

2015: Asylpreis für die Lernwerkstatt

In der ehemaligen Lkw-Halle 36, die die Stadt München zur Verfügung stellt, wurde die Lernwerkstatt eingerichtet. Seitdem hat sich vieles getan. „Wir sind ständig am Verbessern und Ändern“, sagt Stadler, die 2015 für ihr Engagement zusammen mit dem Verein den Bayerischen Asylpreis bekommen hat. Mehrmals schon wurde das Konzept umgeworfen und angepasst. Hatte man sich anfangs auf unbegleitete minderjährige Flüchtlinge konzentriert, sind die Teilnehmer jetzt 23 bis 35 Jahre alt. Als 2016/17 die Erstaufnahmeeinrichtung in der Bayernkaserne aufgelöst wurde und es auf dem Gelände weniger Flüchtlinge gab, wurde das Projekt auf ganz München ausgeweitet. Inzwischen sind Teilnehmer aus dem gesamten Umland willkommen – vorausgesetzt sie kommen selbstständig nach Freimann.

Angeboten wird aktuell ein Grundkurs mit sechs Plätzen, in dem mit Holz gearbeitet wird. „Für den Einstieg ist Holz das Beste. Es verzeiht viel und ist vergleichsweise günstig“, erklärt Stadler. Der Grundkurs dauert vier Wochen – täglich halbtags, damit Zeit für Sprachkurse bleibt.

Angefangen hat man mit dem Bau von Palettenmöbeln. Inzwischen gibt es ein Projekt mit Ehemaligen, die mit Ausbilder Roberto Reinmann (32) sogenannte Parklets gebaut haben. Das sind Aufbauten auf Parkplatzflächen auf dem Seitenstreifen, die zum Beispiel als Sitzecke dienen.

Werbung beim Streetlife Festival

Erleben kann man diese Form der Stellplatznutzung beim Streetlife Festival, das an diesem Wochenende, 5./6. Mai, in München stattfindet – und zwar an der Ecke Theresien-/Ludwigstraße. „Damit wollen wir auch ein bisschen Werbung für unsere Lernwerkstatt machen“, sagt Reinmann.

Der 32-Jährige ist beim Verein angestellt, ebenso wie Projektleiter Holger Gödderz (27). Beide Vollzeitstellen werden über Spenden und Stiftungsgelder finanziert. Außerdem ist noch eine Minijobberin beschäftigt – selbst ein Flüchtling aus Syrien, die unter anderem beim Dolmetschen hilft.

Im Grundkurs sollen die Teilnehmer vor allem lernen, zuverlässig zu sein und sich an Regeln zu halten, erklärt Stadler. Mehr in die Tiefe geht’s in den zweitägigen Fachkursen in Gewerken wie Elektro oder Metall. Es sei noch Platz für weitere Kurse, für die Leiter gesucht werden – ebenso wie Material, Werkzeuge und Projektideen, sagt der studierte Politikwissenschaftler Gödderz.

„Wir waren anfangs naiv und dachten, wir könnten viel mehr Teilnehmer in ein Praktikum vermitteln“, gibt Stadler zu. Doch das sei schwieriger als gedacht. Es scheitere oft am Willen oder den Deutschkenntnissen der Teilnehmer, aber auch an bürokratischen Hürden.

Und doch gebe es Erfolgsgeschichten. Ein Teilnehmer etwa habe eine Anstellung als Helfer bei einem Heizung-Sanitär-Unternehmen gefunden. „Wenn’s passt, auch mit dem Deutsch, ist eine Ausbildung möglich“, berichtet Gödderz. Oft zähle für die Firmen das Engagement, das die Flüchtlinge in der Lernwerkstatt zeigen. So könne schon das Zertifikat, das die Flüchtlinge im Grundkurs erwerben können, auch in anderen Branchen helfen. Ein junger Mann etwa habe so ein Praktikum bei Microsoft bekommen. Vroni Macht

Alle Infos im Internet:

www.lernwerkstatt-halle36.de

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