Hochbetrieb in der Nähstube: Anni Huber fertigt Masken aus jedem Stoff, den sie in die Hände bekommt.
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Hochbetrieb in der Nähstube: Anni Huber fertigt Ma sken aus jedem Stoff, den sie in die Hände bekommt. 

Anni Huber näht für einen guten Zweck

Eine Maske in zwanzig Minuten

  • vonDaniela Oldach
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Anni Huber aus Ottenhofen näht Masken für einen guten Zweck. Auch Sonderwünsche sind kein Problem.

Ottenhofen – Hell erleuchtet ist in der Adventszeit der Christmas Hill beim Ehepaar Huber in Ottenhofen. Hell erleuchtet ist es momentan auch wieder, diesmal aber im Nähatelier von Anni Huber. Denn die engagierte Ottenhofenerin hat ihren Arbeitsraum in eine Maskenproduktionsstätte verwandelt. „Ich habe schon Gefängniskleidung, Schlümpfe oder Bekleidung für die Eröffnungsshow der Modemesse genäht. Jetzt nähe ich halt Masken. Ich habe schon ein breites Spektrum“, sagt die zweifache Mutter lachend. Und auch hierfür sammelt sie wieder Spenden für die Elterninitiative Intern 3 im Dr. von Haunerschen Kinderspital München – genauso wie beim Christmas Hill. 900 Euro sind schon zusammengekommen.

Mehrere hundert Masken hat die 68-Jährige schon gefertigt

Seit Ende März herrscht in der Huberschen Nähstube Hochbetrieb. Mehrere hundert Masken hat die 68-Jährige schon gefertigt. „Ich vernähe fast alles, was mir in die Finger kommt. Das ist Ausmisten einmal anders“, erzählt Huber, die ausgebildete Schneiderin ist. Unbenutzte Stofftaschentücher, die sie damals als Aussteuer bekommen hat, finden hier ebenso einen sinnvollen Verwendungszweck wie ausrangierte, aber noch gut erhaltene Bekleidung. „Stoffe selbst gab es ja fast nicht zu kaufen. Die Geschäfte hatten ja fast alle zu. Noch schlimmer ist es mit Hosengummis. Zuerst war’s das Klopapier, dann die Nudeln und jetzt ist es Hosengummi“, sagt sie lachend. Auch bei Trachten Redl in Landsham gibt es speziellen Huber-Gesichtsschutz, passend verziert mit Trachtenmotiven. Alle Einnahmen wandern ebenfalls in die Spendenbox.

Sonderwünsche für Fußballfans

Sonderwünsche, vor allem für Fußballfans, werden auch erfüllt – natürlich ohne die Markenrechte dabei zu verletzen. Ehemann Peter ist glühender Löwen-Fan. Logisch, dass er eine entsprechende Gesichtsbedeckung von seiner Ehefrau genäht bekommen hat. Aber auch Bayern-Fans hat sie schon versorgt. Gibt’s da keine Ehekrise? „Für den guten Zweck darf man das schon machen. Und außerdem habe ich in der Innenseite noch 1860 reingenäht, falls es sich der Maskenträger noch anders überlegt“, erzählt sie lachend.

„Wenn du eingearbeitet bist, dann läuft es“

Doch das Maskennähen hat auch einen ernsten Hintergrund. Über einen Facebook-Aufruf wurde Huber auf die Hohenlindener Firma „Klein, aber OOHOO“ aufmerksam, die Näherinnen zur Maskenproduktion für verschiedene Kliniken und Pflegedienste oder weitere Einrichtungen suchte. Huber sagte sofort ihre Unterstützung zu. Dafür bekam sie das Material schon entsprechend zugeschnitten und musste „nur“ noch nähen. Unabhängig davon näht Huber natürlich für Freunde und Bekannte fleißig weiter. „Zum Nähen brauche ich zirka zehn Minuten. Aber Zuschneiden und Bügeln kommen noch hinzu. Für eine Maske sind es ungefähr 20 Minuten. Wenn du eingearbeitet bist, dann läuft es. Ich entwerfe nicht gerne. Ich bin lieber ein Handwerker und setze Entwürfe um“, sagt Huber, die sechs Nähmaschinen besitzt und seit frühester Kindheit den Umgang mit Nadel und Faden beherrscht. Schon als kleines Mädchen fertigte sie Puppenkleider an. Damals natürlich noch mit der Hand, seit vielen Jahren ist sie Profi. Von 1965 bis 1968 hat sie eine Schneiderlehre absolviert.

Auch Ilse Aigner hat eine Maske bekommen

Ihre Maskenkreationen haben teilweise auch lange Bänder, können also auch gebunden werden. „Oder ich nehme beim Gummi lieber zwei Zentimeter mehr, und dann kann man sich immer noch einen Knoten reinmachen“, sagt sie. Huber selbst trägt lieber neutrale Masken. Bei einem Muster „müsste dann alles schon sehr gut zum Outfit passen“, verrät sie.

Ihre Bekleidung kann übrigens Landtagspräsidentin Ilse Aigner hervorragend auf ihre neue Maske abstimmen, die gerade per Post an sie unterwegs ist. Huber hat ihr einen Gesichtsschutz mit dem bayerischen Wappen geschickt. „Da habe ich eine blaue Umwelttasche aus dem Landtag verwendet, die die Anzinger Bürgermeisterin Kathrin Alte besorgt hat“, plaudert Huber aus dem Nähkästchen. Die Hubers sollten eigentlich das Ehrenzeichen des Ministerpräsidenten bekommen (wir berichteten), doch die Verleihung fiel Corona zum Opfer. Nun bekamen sie trotzdem ein Dankesschreiben von Aigner. Und Huber revanchierte sich dafür mit einer Maske. „Mein Beruf ist mein Hobby. Und das ist einfach mein Beitrag in der Krise“, erklärt Huber ihr Engagement.

do

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