Bahnausbau München–Mühldorf–Freilassing

Für Ottenhofen wird’s richtig teuer

Während die einen vor allem die Vorteile beim Ausbau der Bahnstrecke München–Mühldorf–Freilassing sehen, macht sich Ottenhofens Bürgermeisterin Nicole Schley Sorgen um die Kosten.

Ottenhofen– Wenn die Bahnstrecke München–Mühldorf–Freilassing ausgebaut wird, betrifft das auch die Gemeinde Ottenhofen. Zur Information der Bürger stellten sich daher Bahn-Vertreter in der Josef-Vogl-Halle

deren Fragen. Michael-Ernst Schmidt von der Deutschen Bahn stand zusammen mit dem Leiter des Ausbauteams der DB Netz AG Bayern, Klaus-Peter Zellmer, und Bettina Gröbmüller aus der gleichen Abteilung den Anwohnern, den Gemeinderäten und anderen interessierter Bürgern Rede und Antwort.

Besonders wichtig sind dabei die Um- oder Neubauten der Unterführungen und der Brücken dar. Für die Anwohner noch interessanter ist aber der Lärmschutz. Ein sehr interessierter Besucher war der frühere Bürgermeister von Ottenhofen, Ernst Egner. Er sieht eigentlich nur Vorteile im Ausbau für die Anwohner: „Bisher haben wir überhaupt keinen Lärmschutz. Wenn die Messungen und die darauf folgenden Planungen sinnvoll durchgeführt werden, ist das nur gut für die Bewohner der Umgebung.“

Der zweigleisige Ausbau werde auch mehr Möglichkeiten für die Beförderung von Gütern mit sich bringen. „Vorsicht ist auf jeden Fall geboten, da sich die Trasse ja direkt am Wasserschutzgebiet befindet. Ein Unfall kann unter Umständen fatale Folgen für unsere Wasserversorgung haben“, so Egner.

Breiterer Tunnel nach Markt Schwaben

Vorteilhaft für die Verkehrsteilnehmer mit Kraftfahrzeugen und Fahrrädern werde sich der Ausbau der Unterführungen auswirken. Die Straße nach Markt Schwaben werde dann einen viel breiteren Tunnel bekommen, welcher viele heikle Situationen, vor allem für Fußgänger und Fahrradfahrer, ausschalten werde.

Bürgermeisterin Nicole Schley sieht allerdings nicht nur die Vorteile. „Nach vorsichtigen Schätzungen und nach Abzug aller Zuschüsse würde sich für die Gemeinde ein Finanzierungsbedarf von ungefähr 1,7 Milionen Euro oder je nach Verlangen der Kommune sogar mehr ergeben. Und das ist für eine so kleine Gemeinde ohne große Gewerbesteuereinnahmen nicht leicht zu stemmen.“

Schley kämpfe auf allen Ebenen für Zuschüsse und die grundsätzliche Einsicht bei Bund und Bahn, „dass die immensen Zusatzkosten des zweigleisigen Ausbaus nicht einfach auf die Gemeinden abgewälzt werden können“. Schließlich profitiere von dieser Maßnahme vor allem der Fern- und Güterverkehr – und damit die ganze Region.

Um Geld gut anzulegen, gibt es beispielsweise die Überlegung, die Wimpasinger Unterführung nicht großartig auszubauen, sondern stattdessen die Verbindung nach Herdweg und dort die Unterführung für Autos, landwirtschaftliche Maschinen, Fahrradfahrer und Fußgänger gleich darzustellen.

Für die Infoveranstaltung hatten die Bahn-Vertreter eine große Auswahl an Karten der Bahntrasse aufgehängt. So konnte man sich ein Bild davon machen, wie die Planung bisher aussieht.

Derartige Veranstaltungen haben bereits in Dorfen, Lengdorf, Walpertskirchen und Markt Schwaben stattgefunden. „Es ist für uns und die DB Netz AG wichtig, den Kontakt mit den betroffenen Bewohnern frühzeitig zu suchen, um deren Wünsche und Besorgnisse in die Planungen einbeziehen zu können“, erklärte Schmidt. „Vor dem ersten Planfeststellungsverfahren wird auch noch der Dialog mit der Gemeinde und den Straßenbehörden gesucht.“

Auf die Frage, wann man mit dem Baubeginn rechnet, antwortete Zellmer, dass der DB Netz AG die benötigten Grundstücke „zu 99 Prozent schon gehören. Wenn die Anwohner die Vorteile, die durch den Ausbau der Trasse entstehen, auch als Vorteile sehen und keine Klagen auf uns zukommen, wird die Wartezeit nicht allzu lange dauern.“ Das Planfeststellungsverfahren werde 2018/2019 eröffnet, und die Finanzierung stehe laut Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt bereits.

Randolf Gänger

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