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Volles Haus bei der Jubiläumsfeier der Gemeindebücherei: Josef Wilfling (l.) ermöglichte rund 60 Gästen Einblicke in den Alltag eines Mordermittlers.

Lesung von Josef Wifling

Einblicke in die Arbeit eines Mordermittlers

Ottenhofen – Zahlreiche grausame Bilder haben sich Josef Wilfling in seiner 22-jährigen Dienstzeit bei der Münchner Mordkommission geboten. In drei Büchern hat er seine Erfahrungen mit Tätern und Opfern zusammengefasst. Einen Einblick in den Alltag eines Mordermittlers ermöglichte er nun anlässlich des zehnjährigen Jubiläums der Gemeindebücherei Ottenhofen im Rahmen einer Lesung.

Gleich zu Beginn wurde klar, dass der 69-Jährige über einen großen Tatendrang verfügt. Einfach ein paar Kapitel aus dem Buch vorlesen – zu langweilig für den Münchner. Josef Wilfling erzählt lieber frei heraus und gewinnt die Zuschauer so für sich. Sie lauschten seinen Worten, teils erschüttert, im Mehrzweckraum der Grundschule. „Ich möchte heute nicht ihren Glauben an das Gute im Menschen erschüttern. Ich halte mich lediglich an die Realität“, betonte er.

Doch diese hat es in sich, denn Wilfling ist sich sicher: Die realen Fälle sind deutlich brutaler als die fiktiven Geschichten in schwedischen Kriminalromanen. „Es braucht nicht immer literweise Blut, um grausam zu sein“, erklärte der Pensionär.

Ihm sei es ein besonderes Anliegen, das Bild der Kriminalermittler in der Öffentlichkeit wieder gerade zu rücken. „Polizisten werden viel zu oft als Säufer, gebrochene Persönlichkeiten und sogar als Mörder dargestellt. Das entspricht absolut nicht der Wirklichkeit.“ Auch müsse ein Täter nicht unbedingt verhaltensauffällig sein. Vielmehr gehöre er oftmals dem direkten Umfeld der Opfer an. „Mama, Papa, Onkel, das sind meistens die Schuldigen. Da muss nicht immer der schwarze Mann im Spiel sein“, erklärte Wilfling.

Die Leiterinnen der Bücherei, Sabine Drobner und Marlene Adam, freuten sich über eine „gelungene Veranstaltung zum Zehnjährigen“. Mitte des Jahres, sobald der Anbau für die Gemeindebücherei fertiggestellt ist, wolle man die Feierlichkeiten mit einem Tag der offenen Tür nochmals aufnehmen.

Von Julia Adam

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