Die kunstvoll gestalteten Sterntüren, durch die man ins Innere des ehemaligen Hofmarkschlosses gelangt, sind eine Besonderheit.
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Die kunstvoll gestalteten Sterntüren, durch die man ins Innere des ehemaligen Hofmarkschlosses gelangt, sind eine Besonderheit.
Bilder aus der Vergangenheit zeigte Heimatforscher Leopold Kölbl (l.). Auf diesem Foto ist noch ein weiterer Flügel des Hofmarkschlosses zu sehen.
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Bilder aus der Vergangenheit zeigte Heimatforscher Leopold Kölbl (l.). Auf diesem Foto ist noch ein weiterer Flügel des Hofmarkschlosses zu sehen.
Die wunderschönen Gewölbedecken faszinierten die Besucher - rechts im Bild Heimatforscher Leopold Kölbl.
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Die wunderschönen Gewölbedecken faszinierten die Besucher - rechts im Bild Heimatforscher Leopold Kölbl.
Wenig einladend schaut der Treppenabgang in den Keller aus.
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Wenig einladend schaut der Treppenabgang in den Keller aus.
Im Keller sind Stützbalken angebracht.
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Im Keller sind Stützbalken angebracht.

Führung durchs Hofmarkschloss Ottenhofen 

Letzte Einblicke in ein profanes Wahrzeichen

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In einer Führung mit den Heimatforschern Ottenhofen konnten Interessierte das alte Hofmarkschloss besichtigen. Da es nun verkauft ist, war dies die vermutlich letzte Gelegenheit, einen Blick ins Innere zu werfen.

Ottenhofen– Wer das Wort „Schloss“ hört, mag ganz automatisch an Neuschwanstein, Herrenchiemsee oder Schönbrunn denken. Prachtvolle Bauten tauchen vor dem geistigen Auge auf. Vom Glanz vergangener Tage zeugt im alten Hofmarkschloss von Ottenhofen heute kaum noch etwas. Weiß man nicht um die historische Bedeutung des Baus, kann man es glatt für ein normales Wohnhaus halten.

Trotzdem wollten mehr als 40 Interessierte einen Blick ins Innere des Südflügels werfen, der einst Teil einer vierflügeligen Anlage war, die im Kern aus dem 17./18. Jahrhundert stammt. Kein Wunder, war das Gebäude doch in den vergangenen Jahren nicht mehr für die Öffentlichkeit zugänglich.

Nun hatte der Kreisverein für Heimatschutz und Denkmalpflege zur Führung eingeladen, die die Ottenhofener Heimatforscher Franz Weber und Leopold Kölbl leiteten. Sie kennen das Gebäude sehr gut – nicht nur, weil dort bis vor einigen Jahren Ausstellungen zur Heimatgeschichte stattfanden, sondern auch, weil sie sich intensiv mit seiner Historie befasst haben.

„Eigentlich wollten wir die Führung erst ins nächste Jahresprogramm aufnehmen“, erzählt Sandra Angermaier, Geschäftsführerin des Kreisvereins. „Da das mit dem Verkauf nun aber doch so schnell gegangen ist, haben wir sie kurzfristig vorverlegt.“

Im Feuerwehrhaus blickte Weber rund eine Stunde lang in die wechselvolle, rund 1000-jährige Geschichte von Hofmark und Schloss. Die Zuhörer erfuhren nicht nur Wissenswertes über die einzelnen Besitzern der Anlage, sondern auch, dass einst Gastwirtschaft, Säg- und Mehlmühle, Brauerei, Garten mit Springbrunnen und Pavillon, Arbeiterwohnungen und sogar ein Gebiet zum Hopfenanbau zum Anwesen gehört hätten.

Was davon noch übrig ist, besichtigte die Gruppe im Anschluss unter Kölbls Führung. Ein paar enttäuschte Blicke gab es schon unter den Gästen, denn was sie zu sehen bekamen, waren nichts weiter als leere Wohnräume. In beiden Geschossen befinden sich je zwei unterschiedlich große Wohnungen, die frühestens 1954 eingerichtet wurden.

In manchen Zimmern sind noch Waschbecken oder Badewannen zu sehen, in einem gar eine komplette Wand mit einer Teichlandschaft als Fototapete. An einigen Ecken sind sogar dutzende Schichten an Tapeten freigelegt, bis auf die blanke Wand. Dabei sind vor Jahren schon richtige Schätze zu Tage getreten, kostbare Tapetenreste aus Stoff zum Beispiel. Interessiert begutachteten die Gäste die einzelnen Räume und teilten auch die eine oder andere Erinnerung. Eine Frau erzählte, dass sie als Kind mit ihrer Familie selbst in einer der Wohnungen gelebt habe.

Ein bisserl unheimlich wurde es im Keller, der von wenigen Glühbirnen spärlich beleuchtet wird. Taschenlampen halfen, das wunderschöne Gewölbe auf Backsteinpfeilern zu entdecken – und die kleinen Malereien an den Wänden, Gesichter zum Beispiel, vermutlich von Jugendlichen gezeichnet. „Wer sich hier verewigt hat, wissen wir leider nicht“, sagte Kölbl augenzwinkernd.

Im ehemaligen Hofmarkschloss soll auch künftig Wohnraum zu finden sein. Wie berichtet, will die Vivono Wohnungsgenossenschaft aus Miesbach das Gebäude sanieren und Wohnungen einrichten will. „Diese Nutzung passt zum Rest des Schlossplatzes, und wir haben genau das, was wir wollten: Das ehemalige Hofmarkschloss bleibt erhalten, wird denkmalgerecht saniert und wieder einer Nutzung zugeführt – und unser Haushalt kann sich freuen“, sagt Bürgermeisterin Nicole Schley. Zunächst würden alle Vorbereitungen für den Verkauf getroffen. Bis die Sanierung beginnen kann, werde noch etwas Zeit verstreichen.

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