1. Startseite
  2. Lokales
  3. Erding
  4. Ottenhofen

Schnell und richtig handeln

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

null
Kraftvoll und rhythmisch drücken ist bei der Herz-Lungen-Wiederbelebung gefragt, hier an einer Übungspuppe. © Klaus Kuhn

Ottenhofen – Schon die Anzahl der Fahrzeuge deutete am Samstag darauf hin, dass am Feuerwehrhaus in Ottenhofen etwas Größeres im Gange war: 72 First Responder aus 15 Feuerwehren aus der Region waren gekommen, um gemeinsam zu üben. Die jährliche Schulung fand früher im Fliegerhorst statt. Heuer war die Gemeinde Ottenhofen Gastgeberin.

Ein First Responder ist gehalten, einmal jährlich eine Nachschulung am Defibrillator zur Herz-Lungen-Wiederbelebung zu machen. Diese wurde bei der Übung an insgesamt sechs Stationen gleich eingebaut. Zudem stellten Freiwillige Unfälle verschiedener Art nach. Um das zu schaffen, griff man auf die Infrastruktur vom Bauhof zurück. Da lag beispielsweise Marie Hüfner (Feuerwehr Wartenberg) mit einer perfekt geschminkten Kopfverletzung neben der Werkbank in der Werkstatt und mimte einen epileptischen Anfall.

Die Helfer mussten die Situation schnell erkennen und die richtigen Maßnahmen einleiten. Dass dann auch noch ein „Kollege“ hilflos dazwischen plapperte, gehörte zum Szenario, das die Ersthelfer tatsächlich immer wieder erleben. „Die First Responder überbrücken die Zeit bis zum Eintreffen der Profis“, erklärte Stefan Gentschew vom Kreisfeuerwehrverband. Diese kann lebensrettend sein, vor allem bei Herzinfarkten.

Schnell musste es aber auch bei anderen Notfällen gehen: Eine Wespe verirrte sich unbemerkt in eine Spezi-Flasche. Die junge Frau setzte zum Trinken an – und wurde prompt in den Rachenraum gestochen. Annahmegemäß hatte sie eine Allergie gegen Insektenstiche. Das konnte sie Walter John (Feuerwehr Grünbach), der als Erster am Unfallort eintraf, gerade noch zuflüstern. Er handelte blitzschnell: Kühlen, weitere Schwellung verhindern und damit das Ersticken vermeiden. Und: Informationen für die nachrückenden Hilfskräfte bereitstellen.

80 Stunden Ausbildung liegen hinter den First Respondern, und dieses Wissen muss frisch gehalten werden. First Responder sind auch unverzichtbar für die Feuerwehren selbst, beispielsweise dann, wenn ein Atemschutz-Geräteträger in einem verrauchten Gebäude zusammenbricht. Ausbilder Martin Maierthaler (Feuerwehr Berglern) hatte diese Station unter sich und ging auch auf die psychische Belastung der Kameraden ein: „Ist doch klar: Der Mann ist fertig. Da ist sein Kamerad neben ihm zusammengebrochen.“ Das ist ein Fall für den Sicherungstrupp. Der Kamerad muss raus, und zwar sofort. Jeder Helfer hatte seinen Job. „Was macht Helfer 1? Pumpen!“ Maierthaler verstand es, die Dramatik dieser Situation zu vermitteln.

Neben dem Bauhof war eine andere Gruppe damit beschäftigt, ein Unfallopfer aus einem Autowrack zu befreien. „Das Auto ist eine Privatspende“, so Gentschew. Die Feuerwehr Ottenhofen hatte zehn Freiwillige für Organisation und Logistik bereitgestellt.

KLAUS KUHN

Auch interessant

Kommentare