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Zusätzliche Arbeitsstunden verursacht die Unterbringung von Asylbewerbern auf dem Gemeindegebiet. Nicole Schley möchte die freiwilligen Helfer nicht alleine lassen.

Asylbewerber in Ottenhofen

Helfen, handeln, mit den Nachbarn reden

Ottenhofen – Für Asylbewerber erledigen Gemeinden mehr als Verwaltungskram, sagt Ottenhofens Bürgermeisterin Nicole Schley. Und: „Man wächst mit den Aufgaben.“

Zahlreiche Asylbewerber haben im Landkreis Erding eine vorübergehende Bleibe gefunden. Was bedeutet das für die Bürgermeister der Gemeinden? Ottenhofens Rathauschefin Nicole Schley hat der Heimatzeitung erzählt, wie sie mit der Situation umgehen.

Fünf zusätzliche Arbeitsstunden pro Woche haben sich laut der Bürgermeisterin durch die Unterbringung von Asylbewerbern in ihrer Gemeinde ergeben. Dabei machen Verwaltungsangelegenheiten lediglich einen sehr geringen Anteil aus. Schley ist Ansprechpartnerin für den Helferkreis sowie für die Asylbewerber. Ob bei der Suche nach einem Kindergartenplatz oder beim Kontakt zur Agentur für Arbeit – sie ist auch an den Wochenenden aktiv und in ständigem Kontakt mit dem ehrenamtlichen Helferkreis. Verpflichtet ist sie dazu nicht. „Die Gemeinde hat lediglich die Mitwirkungspflicht bei der Unterbringung“, erklärt die Bürgermeisterin.

Ab dem Zeitpunkt, als der Brief des Landrats in den Gemeindeverwaltungen angekommen war, begann die zusätzliche Arbeit für die Rathauschefs. Bekannt gegeben wurden hier die Aufnahmequoten für die Gemeinden, was bedeutet: Ottenhofen soll 29 Asylbewerber aufnehmen. „Dann begann die Suche nach den Unterkünften“, erinnert sich Schley. „Ich war wirklich überall, habe an alle Türen geklopft, und schließlich hat sich zum Glück jemand gemeldet, dessen Haus seit fünf Jahren leer stand.“ Sie betont, dass keine deutlich höheren Mietpreise gezahlt werden, wenn ein Gebäude zum Zweck der Flüchtlingsunterbringung zur Verfügung gestellt wird. „Da kursieren die wildesten Gerüchte, aber es wird der Ortsdurchschnitt genommen und zwei Euro drauf gelegt.“

Zusammen mit einigen Aktiven des Helferkreises habe sie das Gebäude schließlich leer geräumt. „Da war ich wirklich froh, dass so viele freiwillig geholfen haben“, bedankt sich die Bürgermeisterin. Anschließend habe sich der Bauamtsleiter ein Bild von der Situation gemacht und die notwendigen Handwerker engagiert. „Der Vermieter wollte mit Arbeiten am und im Haus nichts zu tun haben.“

Bei der zweiten Unterkunft stand das Glück schließlich auf der Seite der Bürgermeisterin, denn diese Chance bot sich zum richtigen Zeitpunkt. „Drei Mieter haben relativ zeitgleich Wohnungen, die uns gehören, gekündigt“, erzählt Schley. Sie nutzte die Gunst der Stunde und bereitete die anderen drei Mieter des Gebäudes auf ihre neuen Nachbarn vor. „Ich habe versucht, für Verständnis zu werben. Syrer und Afghanen haben eben einen anderen Lebensrhythmus“, erzählt sie. So sei es nicht ungewöhnlich, dass um 22 Uhr gekocht und um 24 Uhr gewaschen wird. „Das ist dann ein ganz normales Zusammenraufen unter Nachbarn. Mittlerweile herrscht ab 22 Uhr Ruhe, und auch andere Probleme werden vernünftig gelöst“, berichtet Schley.

Ihre Arbeit wäre bereits mit dem Einzug getan gewesen, doch „meine Aufgabe sehe ich nicht einfach als beendet. Ich möchte den Helferkreis nicht alleine stehen lassen“. Bedauerlich sei, dass die ehrenamtlichen Helfer in zahlreichen Behörden und Institutionen gegen Wände laufen. „Oft hilft es schon, als Bürgermeister anzurufen. Da geht vieles gleich schneller.“

Schley ist sich sicher: Zusammen mit dem Landratsamt habe man die Lag unter Kontrolle. „Es war zum Glück nie so, dass plötzlich ein paar unangemeldete Asylbewerber in Ottenhofen standen.“ Eine Kritik an die Regierung äußert sie dennoch: „Es kann nicht sein, dass Asylbewerberunterkünfte im Außenbereich gebaut werden dürfen und der Rest nicht. Das führt zu großem Unverständnis in der Bevölkerung.“

Julia Adam

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