Herdweg Süd 

Widerstand gegen Bebauung am Moosweg

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Die Gemeinde Ottenhofen will in Herdweg Bauland schaffen. Darum hat sie die Herausnahme von Flächen aus dem Landschaftsschutzgebiet Sempt- und Schwillachtal beantragt. Den Anwohnern gefallen diese Planungen gar nicht.

Herdweg– Im Ottenhofener Ortsteil Herdweg besitzt die Gemeinde eine rund 2000 Quadratmeter große Wiese, die sie zu Bauland machen will. Dafür müssten diese Flächen zwischen Moosweg und einem Weiher in Privatbesitz aus dem Landschaftsschutzgebiet Sempt- und Schwillachtal herausgenommen werden. Darüber hatte der Kreisausschuss für Struktur, Verkehr und Umwelt bereits Mitte Juli diskutiert, jedoch noch keine Entscheidung gefällt(wir berichteten).

„Ich möchte keine Vorhaben umsetzen, die meine Bürger schädigen könnten oder dem Landschafts- und Naturschutz entgegenstehen“, hatte Ottenhofens Bürgermeisterin Nicole Schley (SPD) am Tag nach dieser Sitzung auf Nachfrage der Heimatzeitung erklärt. Doch genau das bezweifeln einige Anwohner. Sie haben sich im Zuge diverser Versammlungen zu diesem Thema zur Arbeitsgruppe Herdweg Süd zusammengetan, die in Kontakt mit der Gemeinde steht.

Christa Hock ist eine von ihnen. Sie führt vor allem Hochwasser- und Naturschutz als Gründe an, warum die Wiese unbebaut bleiben sollte. Bei starkem Regen staue sich schon jetzt das Wasser, eine Bebauung und damit Verdichtung verschlimmere die Situation nur. Laut Schley hat das Wasserwirtschaftsamt für einen möglichen Bebauungsplan bereits grünes Licht gegeben. Die Gemeinde werde dennoch prüfen, welche Auswirkungen eine Bebauung in den Bereichen Grundwasser und Hochwasserschutz haben könnte, versicherte sie.

Eine Gefährdung der Natur sieht Hock in erster Linie bei den beiden Gräben in Herdweg Süd. Einer verlaufe direkt durch besagte Wiese, der zweite an der Fichtenstraße entlang. Dass letzterer im Zuge von Straßenbaumaßnahmen verrohrt wird, fürchten die Anwohner. Dies dürfe auf keinen Fall passieren, sagt Hock, denn im Graben seien diverse Arten auf der Roten Liste nachgewiesen – von der Ringelnatter bis zum Stichling. „Die werden irgendwann weg sein, wenn alles zugebaut wird“, befürchtet sie.

Schley: „Wir halten uns an die Vorgaben“

„Bei diesem Graben werden wir sehr vorsichtig planen“, erklärt Schley dazu. Wenn überhaupt, müssten nur Teile verrohrt werden. Das hänge jedoch davon ab, wie breit die Straße nach dem Ausbau wird. „Da wir mit der Mindestbreite arbeiten, gehen wir derzeit davon aus, dass wir nur an der Einmündung in den Moosweg ein kleines Stück für die Überfahrt verrohren müssen.“ Die Planungen laufen.

Hock versteht grundsätzlich nicht, warum die Gemeinde in Herdweg Süd unbedingt bauen wolle, wo doch Am Schlehbach ein großes Baugebiet entstehe. Am Moosweg sei hingegen nur wenig Platz, moniert sie. Bei einer Bebauung müsste am Ende des Wegs nämlich ein Wendehammer entstehen. Das verkleinere die potenziellen Baugrundstücke stark.

Zudem sei eine Bebauung nur in bestimmten Abständen zum Weiher und zu dem Graben in der Mitte der Wiese erlaubt. Hock spricht von 15 Metern zum Weiher und jeweils zehn Metern zum Graben, was die Untere Naturschutzbehörde so in einer Gemeinderatssitzung erklärt habe. „Dann bleiben nicht mehr viele Grundstücke übrig. Rentiert sich der ganze Aufwand dafür?“, fragt sich Hock.

Schley berichtet hingegen, dass die Bebauung bis zu zwei Meter ab Bachmitte an den Graben heranreichen dürfe. Dafür hätten Naturschutzbehörde und Wasserwirtschaftsamt ihr O.K. gegeben. Die Planung der Gemeinde sehe vor, drei bis vier Häuser unterzubringen, in jedem Fall aber mit einem Abstand, der von den Behörden freigegeben ist. „Wir hatten vorab Gespräche mit allen Beteiligten – Regierung von Oberbayern, auch mit der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt, Wasserwirtschaftsamt, Abwasserzweckverband. An deren Vorgaben halten wir uns“, sagt Schley.

Auf dieser Wiese am Moosweg in Herdweg Süd will die Gemeinde Baugrund schaffen. Hinter den Bäumen links befindet sich ein Privatweiher, in der Mitte des Grundstücks verläuft ein Graben – er ist hier gut zu erkennen.

Ob zehn oder zwei Meter – konkrete Angaben dazu gibt’s von der Pressestelle des Landratsamts auf Anfrage nicht. Sie teilt jedoch mit, dass es sich bei dem betroffenen Graben „um ein biotopkartiertes Gewässer mit typischer flutender Vegetation sowie Teichsimsen- und Schilfröhrichten“ handelt. Gleichzeitig seien der Graben und seine Ufer als naturnaher Bereich eines fließenden Binnengewässers gesetzlich geschützt und ökologisch besonders wertvoll. „Für den angesprochenen Bereich ist noch keine Entscheidung getroffen, sondern es sollten noch weitere Untersuchungen erfolgen“, lautet das Fazit der Behörde.

Neben Natur- und Hochwasserschutz ist auch die planungsrechtliche Beurteilung Herdwegs ein großer Knackpunkt. War der Gemeindeteil zuvor Außenbereich, habe ihn das Landratsamt vor einiger Zeit als Innenbereich beurteilt. Damit hat die Gemeinde andere Pflichten. Zum Beispiel müssten die Verkehrswege – Moosweg, Fichtenstraße und Quellenweg – so hergestellt werden, dass Rettungsfahrzeuge und Müllabfuhr ohne Probleme Zugang haben, erklärt Schley.

Vorteil des Innenbereichs: Die Gemeinde kann weitere Bebauung ermöglichen, etwa mit einem Bebauungsplan. Genau das wolle der Gemeinderat auch tun, immerhin gebe es „Bauanfragen, die im Außenbereich über Jahre nicht realisiert werden konnten, für viele Familien vor Ort aber durchaus Sinn machen und zudem meist sehr moderat sind“.

Hock: „Fast alle sind gegen einen Ausbau“

Bei zwei Terminen habe sie die Bauwünsche jeweils der Anwohner des nördlichen und südlichen Bereichs abgefragt, sagt Schley und betont: „Wenn wir den Bebauungsplan durchkriegen, bekommen diese Anlieger in ihren Grundstücken auch das gewünschte Baufenster, damit zum Beispiel Kinder anbauen können.“

Dass Herdweg Außenbereich ist, sei jedenfalls Geschichte. Für die Anwohner bedeutet das auch, dass sie an der Erschließung der Straßen finanziell beteiligt werden – unabhängig davon, ob ein Bebauungsplan kommt oder nicht. „Das sind enorme Kosten“, erklärt Hock und spricht von 90 Prozent der Erschließungskosten. Allerdings gehöre der Moosweg zum Teil den Anliegern, und die wollten keinen Grund für den Ausbau hergeben.

„Wenn wirklich keiner Grund verkauft, haben wir immer noch die Möglichkeit, von der Straßenbreite abzuweichen“, erklärt Schley. In diesem Fall müsse man eben auf Gemeindegrund eine Ausweichstelle für Begegnungsverkehr schaffen.

Wie Hock erklärt, seien fast alle Anwohner gegen einen Ausbau. Dies habe eine Umfrage der AG Herdweg Süd ergeben. 50 Fragebögen wurden an Eigentümer und Anwohner verteilt, 48 kamen zurück. Demnach sind fast alle dagegen, dass der Entwässerungsgraben verrohrt, ein separater Gehweg gebaut, eine Straßenbeleuchtung installiert und die Fahrbahn verbreitert wird. Sprich: Nahezu jeder Anwohner ist gegen einen Ausbau der Straßen in Herdweg Süd. Konkret nach dem Moosweg gefragt, wollen nur zwei von neun Befragten, dass er asphaltiert wird. „Man sollte das nicht gegen den Willen der ganzen Ortschaft machen“, findet Hock.

„Ich verstehe gar nicht, warum sich gegen die gemeindlichen Planungen am Moosweg so viel Widerstand rührt“, merkt hingegen Schley an. Wenn die Gemeinde die Grundstücke am Moosweg verkaufen könnte, würde dies dem Gesamthaushalt der Kommune zugutekommen, und auch die Gesamtkosten für die Erschließung pro Wohneinheit würden sinken. „Das sind aus meiner Sicht zwei super gute Gründe, warum man dort Bauplätze schaffen sollte“, findet Schley. Außerdem habe die Gemeinde jede Menge Anfragen nach Baugrund.

Wie es mit Herdweg Süd weitergeht, zeigt sich wohl frühestens im Oktober. Dann soll das Thema erneut im Kreistag behandelt werden.

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