Netzbooster bis 2023 beim Umpannwerk Ottenhofen? Stromnetzbetreiber Tennet hält am Zeitplan fest.
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Netzbooster bis 2023 beim Umpannwerk Ottenhofen? Stromnetzbetreiber Tennet hält am Zeitplan fest.

Tennet hält an Plänen für Ottenhofen fest – Gespräche über Flächen beim Umspannwerk

Kommt der Netzbooster bis 2023?

Stromnetzbetreiber Tennet, der bei Ottenhofen einen sogenannten Netzbooster bauen möchte, musste sich nach einer Entscheidung der Bundesnetzagentur umorientieren. Am Zeitplan hält man aber dennoch fest.

Ottenhofen – Stromnetzbetreiber Tennet, der bei Ottenhofen einen sogenannten Netzbooster bauen möchte, musste sich nach einer Entscheidung der Bundesnetzagentur umorientieren. Am Zeitplan hält man aber dennoch fest. Der rechtliche Rahmen hat sich geändert, nachdem mit den neu angelegten Speicherrichtlinien im Energiewirtschaftsgesetz die europäische Binnenmarktrichtlinie in nationales Recht überführt worden ist.

Neu ist, dass Tennet diese Mega-Batterie selbst bauen und betreiben wollte. Genau darum war es in einem aufwendigen Verfahren bei der Bundesnetzagentur gegangen. Tennet hatte argumentiert, dass ein Netzbooster eine „vollständig integrierte Netzkomponente“ sei und „ausschließlich der Aufrechterhaltung des sicheren und zuverlässigen Betriebs des Übertragungsnetzes“ diene. Eine Argumentation, der die Bundesnetzagentur nicht gefolgt war. Sie hat stattdessen festgehalten: „Der Betrieb von Netzboostern durch Netzbetreiber ist nach den geltenden Entflechtungsvorgaben nicht zulässig.“

Tennet arbeitet weiter an den Vorplanungen

Die Bundesnetzagentur schreibt, bei der Einspeisung von der Batterie her „handelt es sich um eine Tätigkeit, die mit der Erzeugungstägigkeit zumindest gleichzusetzen ist“. Im Klartext: Ein Kraftwerksbetreiber darf Netzbooster bauen und betreiben, der Netzbetreiber nicht. Damit muss die eigentliche Batterie von jemand anders kommen.

Tennet hatte vor der Entscheidung der Bundesnetzagentur eine Markterkundung in Gang gesetzt, um zu ermitteln, wer überhaupt eine solche Anlage ins Werk setzen kann und will. Pressesprecher Markus Lieberknecht wird auf Nachfrage der Heimatzeitung deutlich: „Tennet arbeitet weiter an den Vorplanungen für den Netzbooster in Ottenhofen und ist unter anderem auch in Gesprächen über die notwendigen Flächen im Bereich des bestehenden Umspannwerks.“ Je nach Technologie würden ein bis vier Hektar zusätzliche Fläche benötigt. Welche Technik tatsächlich zum Einsatz komme, werde sich im Rahmen der Ausschreibung klären. Diese plant Tennet für das dritte Quartal 2021. Zu den etablierten Techniken zählen laut Lieberknecht Lithium-Ionen- und Bleisäurebatterien. „Nach aktuellem Stand und unserer Markterkundung, die wir im Frühjahr 2020 durchführten, sind diese beiden Techniken am vielversprechendsten. Eine endgültige Aussage lässt sich aber erst nach Abschluss der Ausschreibung und Vergabe treffen.“

Tennet-Sprecher: Bau womöglich bereits 2022, Inbetriebnahme bis 2023

Die Speicherkapazität soll 100 MWh betragen. Im Umspannwerk Audorf in Osterrönfeld (Schleswig-Holstein) soll eine gleich große Anlage entstehen und sozusagen das nationale Gegenstück bilden, um die Nord-Süd-Leitungen bei hoher Einspeisung erneuerbarer Energien zu entlasten.

„Wenn die Grundstücksfragen abschließend geklärt sind und die Planungen nach Ausschreibungsende zügig voranschreiten, kann der Bau bereits 2022 erfolgen und die Speicheranlage bis 2023 in Betrieb gehen“, erklärt Lieberknecht. Wobei letztere Aussage zumindest im Widerspruch zu einer Mitteilung von Bürgermeisterin Nicole Schley steht, nach der Tennet noch ganz am Anfang stehe: „Die haben noch nicht einmal ein Grundstück.“

Hinzu komme, dass zwingend eine Änderung des Flächennutzungsplans erfolgen und im Parallelverfahren ein vorhabenbezogener Bebauungsplan aufgestellt werden muss. Und das sind beides Verfahren, die viel Zeit kosten.

Klaus Kuhn

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