Traurige und erschrockene Reaktionen, wie bei der Aufführung 2019, hat der Theaterverein Buch am Buchrain auch dieses Jahr schon hinter sich. Die Sommer-Vorstellungen im eigenen Theaterstadl mussten wegen des Corona-Veranstaltungsverbots ausfallen. Auch im Gemeindehaus wird es wohl kein Ersatzprogramm geben.
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Traurige und erschrockene Reaktionen, wie bei der Aufführung 2019, hat der Theaterverein Buch am Buchrain auch dieses Jahr schon hinter sich. Die Sommer-Vorstellungen im eigenen Theaterstadl mussten wegen des Corona-Veranstaltungsverbots ausfallen. Auch im Gemeindehaus wird es wohl kein Ersatzprogramm geben.

Laientheater in Zeiten von Corona

Der Vorhang bleibt unten

Wegen der Corona-Maßnahmen spielen die meisten Theatervereine heuer gar nicht. Der Aufwand rechne sich einfach nicht, beklagen sie unisono.

Südlicher Landkreis – 2020 droht auch in Erdings Kultur-Landschaft ein tristes Jahr zu werden. Aufgrund der Krise und der strengen Auflagen werden die meisten Theatervereine aus dem südlichen Landkreis heuer wohl nicht auftreten. Die Lage sei zu unsicher und der Aufwand rechne sich nicht, beklagen sie unisono.

Vielerorts eine Premiere, dass es heuer wohl kein Theater gibt

„Oh, das ist ganz schwierig“ – diese erste spontane Reaktion entfuhr gleich mehreren Interviewpartnern beim Anruf unserer Zeitung und der Frage, wie die weiteren Planungen der Theatervereine aussehen. Die Unsicherheit ist groß. Nur in langsamen Schritten wird die Branche wieder hochgefahren. Die Obergrenze bei Veranstaltungen in geschlossenen Räumen liegt aktuell bei 50 Gästen, später soll sie auf 350 angehoben werden. Dabei sollen die bekannten Abstandsregeln gelten. Auch die Mund-Nasen-Schutz-Pflicht stand im Raum. Die Veranstaltungsprognose der Theatervereine aus dem südlichen Landkreis sieht deswegen aktuell düster aus.

In vielen Orten ist es eine Premiere, dass es 2020 wohl keine Theateraufführungen geben wird. Planungen seien derzeit fast unmöglich, beklagen viele. Zudem können durch deutlich geringere Zuschauerzahlen hohe Kosten wie Aufführungsrechte und Textbücher, Kostüme, Werbung oder Bühnenbau nicht gedeckt werden.

Am Tag der Premiere abgesagt

Ursprünglich sollten in den vergangenen Monaten einige Vorstellungen stattfinden. Kurzfristigst abgesagt wurde in Ottenhofen: Erst am Tag der Premiere, dem 13. März, musste die Laienspielgruppe der Eichenlaub-Schützen ihr Dinnertheater absagen. Der Trachtenverein Goldachtaler Eicherloh spielte am selben Abend immerhin noch die Premiere von „Wählen Sie Franz Krakauer“. Erst die späteren Vorstellungen entfielen.

Dass das Ottenhofener Dinnertheater wohl nicht im Herbst, sondern eher nächstes Jahr aufgeführt wird, vermutet Schützen-Chefin Renate Weidel. Zur Zuschauer-Obergrenze sagt sie: „Wir wären mit 50 total voll – aber ohne Mindestabstand. Wenn wir aber nur für zehn Leute spielen, zahlt man drauf.“

Vor 50 Gästen spielen - das rentiert sich nicht

Die Eicherloher wären generell motiviert, nochmal im Herbst zu spielen, und könnten ihre Texte auch noch, sagt Trachtenvereinschef Anton Kollmannsberger. „Mit 50 Leuten ist uns aber nicht geholfen. Wir haben normalerweise 180 Gäste – das rentiert sich nicht.“ Die aktuellen Regelungen bezeichnet er als schwierig. Auch auf der Bühne kämen sich die Darsteller mal näher.

Mitte März wollte auch die Volksbühne Eichenried mit der Komödie „Wer zuletzt lacht, erbt“ starten. Für das in einem Bordell spielende Stück wurde eine neue Beleuchtung angeschafft. Ursprünglich wurden bereits Ausweichtermine im November geblockt, die Vorsitzende Daniela Krause aber nach derzeitigem Stand gern absagen will. „Das funktioniert nicht und macht auch keinen Spaß“, sagt sie zu den aktuellen Lockerungen. Stattdessen würde sie das Stück lieber mit geringerem Aufwand im März 2021 präsentieren.

„So wie es jetzt im Moment ist, bringt es nichts.“

„Das ist ebbs und nix. Wir bekommen einen kleinen Brocken hingeworfen, genauso wie die Wirtschaften“, kritisiert Balthasar Lex die Regelungen für Kulturveranstaltungen. Sein Walpertskirchner Brettl wollte im April die Verwechslungskomödie „Be(t)reutes Wohnen“ aufführen. Der nächste Auftritt ist erst wieder im Januar geplant, zur 150-Jahrfeier des örtlichen Bahnhofs. 2020 werde es sicher keine Termine mehr geben, erklärt der Spielleiter: „So wie es jetzt im Moment ist, bringt es nichts.“

Auch der „Haftlmacher“ vom Theaterverein Pastetten musste im April ausfallen. Vorsitzender Gerhard Nußrainer bedauert dies noch immer. Der Andrang auf die Tickets sei sehr groß gewesen. Erst vorletzte Woche entschied der Vorstand, dass es 2020 keine Ersatztermine geben wird. „Wir können froh sein, wenn wir nächstes Jahr an Ostern spielen können“, meint Nußrainer. Am Wochenende kann man im Bauhof die Karten zurückgeben. Was bereits die anderen genannten Theatervereine freute: Viele Gäste wollen ihr Geld nicht zurück, sondern spenden es den Vereinen.

„Das macht auch keinen Spaß“

Kurz vor der Premiere würde jetzt gerade der Theaterverein Buch am Buchrain stehen. Eigentlich sollte heuer der Sommer-Theaterstadl wiederbelebt werden. Noch ist es nicht beschlossen, aber Vorsitzender Martin Dondl vermutet, dass es auch das November-Theater nicht geben wird. 2021 will man einen neuen Anlauf in der Tenne starten. Die Rahmenbedingungen im Gemeindehaus seien für die aktuellen Regelungen nicht optimal. „Und dann ist der Saal nur zu drei Vierteln voll – das macht auch keinen Spaß.“

Mitte bis Ende Juli will der Kulturverein Neuching entscheiden, ob er im Oktober auftritt. Das Stück wäre schon ausgewählt, aber der Optimismus des Neichinger Schupfatheaters schwindet langsam, gibt Vorsitzender Markus Sedlmeir zu. Er findet zwar die derzeitigen Maßnahmen gerechtfertigt. „Wenn aber jemand von der Kultur leben muss, ist das eine sehr schwierige Situation.“ Einerseits sieht Sedlmeir das Kultur-Interesse der Bevölkerung: „Mit Maske ist es aber nicht der Theaterabend, den die Leute erwarten.“

Priorität haben Schulen und Kitas - erst dann Kultur

Nicht mehr zu festen, regelmäßigen Zeiten, sondern nur noch zu besonderen Anlässen spielt das Hörlkofener Brettl. Heuer habe man ohnehin keine Aufführungen geplant, sagt Maria Gaigl.

Ob der Theaterverein Forstern im Oktober die Bühne aufbaut, entscheidet sich im Laufe des Monats. Die Tendenz sei aber nicht so gut, sagt Vorsitzende Maria Gruber. Von den aktuellen Lockerungen ist sie hin- und hergerissen: „Wir müssen anfangen, wieder normal zu werden und das gewohnte Leben zurück kriegen.“ Priorität sieht Gruber aber bei Schulen und Kitas – „dann erst Kultur und alles, was Spaß macht“.

Eine Art Bunte Bühne im Herbst?

Seine 30. Aufführung hätte in den Herbstferien das Neufinsinger Theaterkastl gefeiert. Schnell wurde sich allerdings der Vorstand einig, die Planungen abzusagen. „Der Aufwand, den wir betreiben müssten, steht nicht im Verhältnis. Da zahlen wir drauf ohne Ende“, berichtet Vereinschef Lorenz Kuhn. Er weiß von enttäuschten Zuschauern, kennt aber auch Bürger, die mit Maske nicht gekommen wären. Falls sich die Lage zum Herbst bessern sollte, würde das Theaterkastl gern „eine Art Bunte Bühne“ mit Musik und Einaktern veranstalten.

Grund zu feiern gäbe es auch in Moosinning. Das 50. Theaterstück würde der Trachtenerhaltungsverein Alpenrose heuer spielen. Die Aufführungen sind laut Organisator Robert Weinfurtner eine der wenigen Einnahmequellen des Vereins, aber sind 2020 noch in der Schwebe. Im Spätsommer will man entscheiden, ob zum zweiten Mal „Die Wahllumpn“ präsentiert werden. Weinfurtner ist sich unsicher wegen der Machbarkeit der Spielstätte in der Schule. „Außerdem ist es bei uns relativ beengt, weil wir auch Bewirtung haben. Wie wir dort die Abstände hinbringen und locker bestuhlen, wissen wir noch nicht.“

Markus Ostermaier

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