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Rund 32 Millionen Batterien dieser Leistung geben einen Netzbooster, wie er für Ottenhofen angedacht ist. Eine konkrete Planung gibt es noch nicht.Standort noch nicht sicher

Netzbooster für den Ernstfall bei der Stromversorgung

Ottenhofens Gigabatterie

Man nehme einen der vier Akkus aus dem Blitzgerät unseres Reporters und türme davon 316 666 übereinander. Dann kommt man ungefähr auf die am Umspannwerk Ottenhofen vorliegende Spannung von 380 000 Volt.

VON KLAUS KUHN

Ottenhofen – Mit den 2600 Milliamperestunden, die dieser Akku bringt, kommt man allerdings nicht weit. Um die 100 Megawatt für den hier angedachten, sogenannten Netzbooster (wir berichteten) zu erreichen, muss man erst die Watt in die auf den Akkus angegebenen Amperestunden umrechnen. Ergebnis: 101 solcher Akkus müsste man parallel schalten.

Der Netz-Booster zum Selberbauen würde dann knapp 32 Millionen dieser Akkus enthalten. Derzeit gibt es ein Sonderangebot eines Versandhändlers in München für Akkus dieser Leistung: Zwei Stück für sieben Euro, dann kommt man auf 112 Millionen Euro nur für die Akkuzellen. Nichts weniger wird in Ottenhofen vom Netzbetreiber Tennet angedacht.

Bürgermeisterin Nicole Schley und Pressesprecherin Ulrike Hörchens sprachen im Gemeinderat von einem Pilotprojekt. Mit einer solchen Einrichtung soll schnell auf Engpässe im Netz reagiert werden können. Der Netzbetreiber verspricht sich davon, dass ab 2030 der erforderliche Ausbau des Stromnetzes in Deutschland reduziert werden könne.

Die Pressesprecherin machte gegenüber der Heimatzeitung deutlich, dass man noch ganz am Anfang stehe. „Die einzelnen Maßnahmen müssen von der Bundesnetzagentur bestätigt werden.“ Das, was in Ottenhofen geplant ist, ist noch die kleinste der drei vorgeschlagenen Anlagen. Bei Kupferzell sollen sogar 500 Megawatt installiert werden.

Die Pressesprecherin verglich die Funktion dieser gigantischen Batterien mit einer schnellen Eingreiftruppe, die dann aktiv werde, wenn es eng wird im voll ausgelasteten Netz. Aus diesen Batterien werde eingespeist, bis die Maßnahmen des Betreibers zur Stabilisierung des Netzes greifen. Damit werde die Versorgungssicherheit erhöht. Die Geschwindigkeit, mit der die Batteriespeicher ans Netz gehen, übertreffe alles, was an Kraftwerkstechnik bisher verfügbar sei.

Zu solchen netzstabilisierenden Maßnahmen im Überlastungsfall können die vorhandenen Reservekraftwerke, zum Beispiel in Ingolstadt, zählen. Bis diese hochgefahren und am Netz sind, müssen die Batteriespeicher eingreifen. Das geht aus einer Information hervor, die Schley an Gemeinderäte und Bürger verteilt hat. Sie ergänzte, dass für eine solche Batterie ein bis drei Hektar gebraucht würden. Ein Planfeststellungsverfahren werde nötig sein.

Dem zweiseitigen Infoblatt zufolge ist noch offen, mit welcher Technologie die Batterien arbeiten. Es könnten auch klassische Bleiakkus sein, wie sie etwa in Autos verbaut würden. Ausdrücklich bezeichneten Schley und Hörchens die Batteriespeicher als unabhängige Maßnahme, die nichts mit der geplanten Ertüchtigung der 380 000-Volt-Anlage am Ortsrand von Ottenhofen (wir berichteten) zu tun haben.

Dass Schley das Thema in der Hauptversammlung der Feuerwehr intensiver beleuchtet hat, hat einen ernsten Grund: Geringste Fabrikationsfehler bei den Akkus können Brände verursachen. Einer der größten Smartphone-Hersteller hat bekanntlich bereits üble Erfahrungen gemacht. Ob das gewaltige Projekt wirklich zum Tragen kommt, ist laut Hörchens noch offen. Auch der Standort Ottenhofen sei noch nicht in Stein gemeißelt ist.

Standort noch nicht sicher

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