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Die Bahnbrücke an der Herdweger Straße ist eine von fünf Brücken im Gemeindegebiet von Ottenhofen. Will die Kommune sie im Zuge des Bahnausbaus verbreitern, muss sie tief in die Tasche greifen. 

Ottenhofen und die Bahn 

„Dieser Ausbau ist für uns Horror“

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Noch bis Freitag können sich Bürger an der Lärmaktionsplanung des Eisenbahn-Bundesamts beteiligen. Ottenhofens Bürgermeisterin Nicole Schley ruft mit Blick auf die Ausbaustrecke 38 dazu auf, dies zu nutzen.

Ottenhofen Vom Ausbau der Bahnstrecke München– Mühldorf–Freilassing ist auch die Gemeinde Ottenhofen betroffen. „Doch wir haben mangels Haltestelle nichts davon, außer Belastungen für Umwelt, Bürger und Gemeindehaushalt“, klagt Bürgermeisterin Nicole Schley. „Dieser Ausbau ist für uns als Gemeinde Horror.“

In erster Linie sei es der Lärmschutz entlang der Ausbaustrecke (ABS) 38, für den die SPD-Bürgermeisterin im Namen ihrer Gemeinde kämpft. Sie ruft deshalb die Bürger dazu auf, die Möglichkeit des Eisenbahn-Bundesamts zu nutzen und sich an der Lärmaktionsplanung zu beteiligen. Darauf hatte die Gemeinde schon mehrfach hingewiesen – zuletzt etwa im Amtsblatt für August.

Seit Ende Juni läuft die erste Phase der Öffentlichkeitsbeteiligung. Noch bis Freitag, 25. August, kann man mitmachen. Dazu beantwortet man anonym online oder postalisch zwölf Fragen. Unter anderem wird ermittelt, in welchen Zeiträumen und bei welchen Tätigkeiten man vom Schienenverkehrslärm gestört wird sowie welche Maßnahmen zur Lärmminderung man für am geeignetsten hält.

Auf der Internetseite zur Lärmaktionsplanung kann man sämtliche Beteiligungen abrufen – inklusive Kartenansicht. Bundesweit haben bereits gut 19 600 Menschen mitgemacht. Zehn davon stammen aus der Gemeinde Ottenhofen (Stand Dienstag, 22. August, 16 Uhr): vier aus dem Bereich Friedrich-Esswurm-Straße, fünf aus Grashauser, Erdinger und Gartenstraße sowie eine an der Schwillacher Straße.

„Bei allen ist der Lärm nachvollziehbar“, sagt Schley. „Wenn der Wind von Osten kommt, kriegt der ganze Ort den Krach der Schienen mit.“ Vor allem der Güterverkehr macht den Leuten zu schaffen, was aus ihren Antworten im Fragebogen hervorgeht. „Das sind sehr lange und sehr laute Züge. Es ist schon massiv, was da an Lärm auf einen einwirkt“, sagt Schley.

Neben den Meldungen aus Ottenhofen gibt es landkreisweit nur noch je eine Beteiligung aus Schwarzhölzl (Gemeinde Bockhorn) und Loipfing (Isen). „Wer mitmachen will, muss sich vorher registrieren. Vielleicht scheuen davor viele zurück“, vermutet Schley, warum die Quote nicht höher ist. Immerhin hätten sich bei einem Infoabend der Bahn im Mai alleine rund 60 Ottenhofener über die Ausbaupläne informiert.

Die Gemeinde selbst hat keine Beteiligung abgegeben. Das Rathaus in Oberneuching sei zu weit weg von der Strecke. „Das wäre nicht seriös“, sagt Schley. „Außerdem kämpfen wir an anderen Fronten.“

Auch die Finanzen machen Sorgen

Der Lärmschutz ist dabei eines der Hauptthemen – auch dann, wenn sich die Bürgermeister der betroffenen Gemeinden treffen. Es gebe verschiedene Untersuchungen, die gerade dazu laufen – etwa zum Lärmschutz auf Radhöhe. „An so was sind wir sehr interessiert und ständig dahinter“, sagt Schley. Denn große, massive Wände wolle niemand.

Doch der Lärm ist nicht das einzige Thema. Auch die Finanzen machen Sorgen. Im Rahmen des Eisenbahnkreuzungsgesetzes würden die Kosten für den Ausbau der transeuropäischen Netze (TEN) auf die Gemeinden umgelegt. Schley kritisiert, dass „keiner in der Lage ist, zum jetzigen Zeitpunkt eine Aussage über Kosten und Förderungen zu treffen“. Es gebe nur Grobschätzungen. „Aber so kann ich doch keinen Haushalt aufstellen.“

Die Rathauschefin berichtet, dass die Gemeinden derzeit Vorverträge etwa für Brückenbauten abschließen könnten, die dann vorgezogen in Angriff genommen würden. „Das ist für uns im Moment aber keine Option. Ich werde nichts bauen, solange ich nicht weiß, welche Förderung es gibt“, stellt sie klar.

Fünf Bahnbrücken gibt es auf Ottenhofener Flur. Die Kosten dafür richten sich danach, welchen Ausbau die Gemeinde wünscht, erklärt Schley am Beispiel der Herdweger Straße. Deren Fahrbahn sei im Moment gut 3,50 Meter breit. Wenn die Gemeinde will, dass sie breiter wird, etwa um Begegnungsverkehr zu ermöglichen oder einen Radweg zu integrieren, müsse sie dafür mit einer hohen Summe aufkommen. Pro Brücke sei man schnell bei rund 1,3 Millionen Euro.

Bleibt die Breite unverändert, koste das die Gemeinde nur einen Bruchteil davon. „Aber wie absurd ist das, das für die nächsten hundert Jahre so zu belassen?“, fragt Schley. Große Landmaschinen hätten Probleme, und enge Unterführungen seien immer eine Gefahrenstelle.

Rund 1,3 Millionen Euro für eine Brücke: „Wenn wir das einplanen sollen, können wir unseren Haushalt dicht machen. Da geht sonst nichts mehr. Und wie sollen wir dann fünf Brücken stemmen?“

Mitmachen kann man online auf www.laermaktionsplanung-schiene.de.

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