Vier Varianten für Ottenhofen

Wird die Wasserversorgung ein Millionending?

  • Veronika Macht
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Die Gemeinde Ottenhofen hat vier Möglichkeiten, um ihre Wasserversorgung fit für die Zukunft zu machen. Sie liegen zwischen 600 000 und zwei Millionen Euro. Das Rohrnetz muss in jedem Fall saniert werden.

Ottenhofen – Die Gemeinde Ottenhofen steht vor der schwierigen Aufgabe, ihre Wasserversorgung fit für die Zukunft zu machen. Derzeit kümmert sich die Kommune noch selbst darum. Doch personell wie finanziell ist das immer schwerer zu stemmen. Gerade, wenn kostspielige Sanierungen anstehen – wie es beim Ottenhofener Wasserwerk aus den 1960er Jahren der Fall ist.

Schon seit einiger Zeit befasst sich die Kommune deshalb mit der Zukunft ihrer Versorgungsanlage. Gerade wurde die befristete Erlaubnis zur Förderung von Trinkwasser aus den beiden Brunnen verlängert – bis 31. Dezember 2021. „Bis dahin müssen wir ein geologisches Gutachten vorlegen, dass das Wasserschutzgebiet in seinen Grenzen noch Bestand hat oder wie es verändert werden müsste“, erklärte Bürgermeisterin Nicole Schley (SPD) in der Gemeinderatssitzung. Je nach Ergebnis müsse das Gremium entscheiden, wie es weitergeht.

Diplom-Ingenieur Harald Kienlein vom gleichnamigen Ingenieurbüro aus Buch am Erlbach hatte vier Varianten erarbeitet. Die günstigste Lösung wäre der Anschluss an den Zweckverband zur Wasserversorgung Moosrain, wofür neue Verbindungsleitungen nötig wären. Kosten: abzüglich 50 Prozent Förderung rund 600 000 Euro.

Die teuerste und wohl komplizierteste Variante wären neue Brunnen und ein neues Wasserwerk in einem neuen Erschließungsgebiet. Problem hier: Das vorgesehene Schutzgebiet würde auf Flur von Markt Schwaben und Finsing liegen, Teile des Wassereinzugsgebiets zudem unter bebautem Gewerbegebiet. Es gebe also extreme Hürden, abgesehen von den Kosten in Höhe von rund zwei Millionen Euro.

Weitere Möglichkeiten sind die Sanierung von Brunnen und Wasserwerk (1,3 Millionen Euro) sowie die Sanierung der Brunnen und der Neubau des Wasserwerks (1,4 Millionen Euro).

Welche Variante es auch wird: In jedem Fall muss Ottenhofen sein Ortsnetz auf Vordermann bringen – und zwar dringend, alleine aus hygienischen Gründen. Laut Schley erlebt die Gemeinde vier bis fünf Rohrbrüche im Jahr. Im Netz seien daher relativ hohe Wasserverluste von bis zu 30 Prozent zu verzeichnen, erklärte Kienlein. Er soll nun einen Sanierungsvorschlag inklusive Kostenschätzung erstellen. Den Auftrag für 3700 Euro erteilte der Gemeinderat einstimmig.

Schley machte keinen Hehl daraus, dass sie den Beitritt zum Zweckverband Moosrain favorisiere. „Wir haben einen Wasserwart, aber der müsste eigentlich 365 Tage im Jahr bereit stehen. Die eigene Wasserversorgung ist für eine kleine Gemeinde ein Horrorunternehmen“, erklärte sie. Auf mehrere Schultern verteilt, sei alles leichter und kostengünstiger.

Dabei müsste die Gemeinde auch die eigenen Brunnen, wie Schley befürchtete, nicht zwangsläufig aufgeben. Martin Maruschke vom Wasserwirtschaftsamt München erklärte, aus Sicht der Wasserwirtschaft sei der Erhalt von oberflächennäheren Brunnen wie in Ottenhofen wünschenswert. Zugleich halte er aber die Moosrain-Verbundleitung grundsätzlich für sinnvoll, um die Versorgungssicherheit zu erhöhen.

Ein weiteres Argument sind für Schley, die einen Beitritt als Vollmitglied in zehn Jahren als realistisch ansieht, die Kosten. „Wir müssen 100 Prozent auf die Bürger umlegen“, mahnte sie. Der Anschluss mit 600 000 Euro sei da eine Variante, „die unsere Gemeinde in die richtige Zukunft führt“.

Für Alfred Greckl (Freie Wähler) waren die Kosten wichtig, aber auch die Frage, ob man das Wasser lieber im eigenen Gemeindegebiet fördere oder von weiter her pumpe.

„Als wir ein Defizit von 120 000 Euro ausgleichen wollten, mussten wir den Wasserpreis um 33,5 Cent erhöhen“, erinnerte Dieter Effkemann (Freie Wähler) mit Blick auf die anstehenden Kosten. Welche finanziellen Belastungen genau auf die Bürger zukommen, soll ein Büro für Kommunalberatung errechnen, sobald eine grobe Schätzung für die Sanierung des Leitungsnetzes vorliegt. Beim Neujahrsempfang am Sonntag nannte Schley schon mal grobe Hausnummern.

Zunächst jedoch wird das Ingenieurbüro für Grundwasser und Umweltfragen (IGwU) aus Markt Schwaben für 4000 Euro ermitteln, ob im bestehenden Schutzgebiet das Wasserrecht für weitere Jahrzehnte verlängert werden kann oder ob Veränderungen nötig sind.

Stefan Reischl (CSU) konnte das nicht nachvollziehen und warnte: „Wenn das Schutzgebiet auf bebaute Bereiche ausgeweitet werden muss, führt das zu Problemen.“ Maruschke versuchte zu beruhigen: „Um den Schutz des Trinkwassers für die nächsten 30 Jahre zu gewährleisten, muss man das Gebiet überprüfen. Das heißt aber noch nicht, dass ein neues Schutzgebiet gebraucht wird.“ Große Überraschungen erwarte er hier nämlich nicht.

Rubriklistenbild: © dpa / Lino Mirgeler

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