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Ottenhofener Wirtschaftsmotor: Viele Gäste bei Vortrag in Hammerschmiede von Meiller

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Von: Klaus Kuhn

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Groß war der Andrang bei Franz Webers Vortrag. Im Hintergrund sind die Schmiedeessen zu erkennen.
Groß war der Andrang bei Franz Webers Vortrag. Im Hintergrund sind die Schmiedeessen zu erkennen. © Klaus Kuhn

Ein großes und wichtiges Stück Wirtschaftsgeschichte in Ottenhofen haben die Heimatforscher im vergangenen Jahr für die Öffentlichkeit erschlossen: die Hammerschmiede der Firma Meiller. Coronabedingt konnte die Präsentation erst jetzt stattfinden. Die Bierbänke wurden knapp, so viele Menschen waren gekommen, um sich von Franz Weber anzuhören, was es auf sich hat mit dem Unternehmen, das bis heute so eng mit Ottenhofen verbunden ist.

Ottenhofen – Die Hammerschmiede war bis in die 60er Jahre in Betrieb, fertigte Geräte für die Landwirtschaft und hatte vor dem Zweiten Weltkrieg 18 Beschäftigte. Anlass für die Forschungen aber war der 100. Geburtstag der Stromversorgung durch Meiller. Es gab viele Wasserbauarbeiten, um die Turbine zu betreiben. Oberwasser und Unterwasser mussten mit möglichst großem Höhenunterschied ausgestattet werden. Verbaut wurde Weber zufolge eine „Francis“-Turbine.

„Und zur Großstadt wird der Weiler durch die schöne Villa Meiller“: Der Richtspruch für das repräsentative Gebäude an der Schwillacher Straße ist erhalten geblieben.
„Und zur Großstadt wird der Weiler durch die schöne Villa Meiller“: Der Richtspruch für das repräsentative Gebäude an der Schwillacher Straße ist erhalten geblieben. © Klaus Kuhn

Weber verstand es ausgezeichnet, die technischen Aufbauten zu erläutern. 15 Kilowatt leistete die Anlage zunächst, später dann 45, und jetzt 59 Kilowatt. Das Leitungsnetz konnte sich schon 1994 sehen lassen: 102 Kilometer Freileitungen, 38 Kilometer Erdkabel. 1996 wurde das Netz, nicht aber das Kraftwerk, an die EEW verkauft.

Eng verbunden mit der Entwicklung der Gemeinde Ottenhofen ist die Wasserversorgung, und die ersten Einrichtungen hierfür sind auf dem Grund der Firma Meiller zu finden: Bei den Bauarbeiten für die verschiedenen technischen Gewässer ist man auf Trinkwasser gestoßen, und direkt beim Kraftwerk wurden die ersten Pumpen installiert für die Einspeisung in die Wasserreserve.

Der Antrieb der drei schweren Schmiedehämmer wurde sogar in Betrieb genommen. Mehr ging aus statischen Gründen leider nicht mehr.
Der Antrieb der drei schweren Schmiedehämmer wurde sogar in Betrieb genommen. Mehr ging aus statischen Gründen leider nicht mehr. © Klaus Kuhn

Weber gab zu, dass es Lücken in der Heimatgeschichtsforschung gibt. Unter Bürgermeister Josef Vogl, so Weber, wurde von höherer Stelle ein Größenwachstum von Ottenhofen auf volle 8000 Einwohner angepeilt. Die kommunale Infrastruktur hätte hier mitwachsen müssen. „Gott sei Dank ist Ottenhofen davon verschont geblieben“, befand Weber, und ein Raunen war zu hören.

Das Leitungsnetz sei für 2,2 Millionen Mark in den Jahren 1972 und 1973 fertiggestellt worden. Und damit war Weber schon im Hier und Jetzt: Es muss nämlich wie berichtet Zug um Zug ausgetauscht werden, und dafür wird der damalige Betrag in Euro sicher nicht ausreichen.

Der Werkkanal, der später zurückgebaut wurde, lud zum Baden ein, der Stauweiher noch mehr. Der hatte es aber in sich: Die Kläranlage von Markt Schwaben hatte seinerzeit eine nicht ausreichende Reinigungsleistung, mit allen Folgen für das Badegewässer. Dazu kamen Fehler bei der Gewässerpflege: Dass die Schilfpflanzen entfernt wurden, hatte – hinterher ist man immer klüger – zur Folge, dass die natürliche Selbstreinigung herabgesetzt wurde. 1957 musste also Ersatz her, und den fand man im sogenannten Moore. Warum das so hieß, zeigen zeitgenössische Bilder vom fröhlichen Dorfvolk, das dem Wasser teilweise komplett schwarz wieder entstieg. Heiterkeit kam auf unter den Gästen, und Weber fragte grinsend: „Ist jemand da, der sich da wiedererkennt?“ Anmerkungen zu den Gebäuden in der Nachbarschaft rundeten den Vortrag ab. Sogar der Richtspruch zur heute noch repräsentativen Villa Meiller ist erhalten: „Und zur Großstadt wird der Weiler, durch die schöne Villa Meiller.“

Klaus Kuhn

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